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Der Orient · 1843-10-24 · 43 (24.10.1843) · p. Spalte 673-674

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
43 (24.10.1843)
Article
Missions-Wesen und Unwesen
Date
1843-10-24
Page
Spalte 673-674 (sequence 1)
Language
German
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Fiteraturblait -es Orients. -—- Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 43. Leipzig, den 24. Octo der 1843. Missions-Wesen und Unwesen. Einblick in das Urchristenthmn. — ßit. Nachrichten u. Miscetten. — Kurze Anzeigen. Kalender und Jahrbuch für das Jahr 6604, herausgeg. von K. Klein. Museum zur Belehrung und Unterhaltung rc. Von Demselben. — Urtheile älterer Autoren über die Pijutim. Gesammelt von L. Dukes. — Lit. Ankündigungen. Missions-Wesen und Unwesen. Einblick in das Uechristenthum. Seit Längerer Zeit verfolgte ich, so weit es mir bei der Entfernung vom' eigentlichen Schauplatz möglich war, im Stillen die verschiedenartigen Pläne der Missionäre zur Bekehrung der Juden, und schrieb auch Manches darüber nieder; ich Ließ jedoch diesen Gegenstand, bei der gänzlichen Erfolglosigkeit und des dadurch bewirkten Nachlassens des Bekehr b e t r i e b e s, wieder fallen. Da nun aber wieder eine eigene Regsamkeit in diesem Geschäfte — so darf man es wohl nennen, da man auf den Meßplätzen gedruckte Ankündigungen und Aufforderungen hierzu ausgiebt — zu erwachen und solche durch ein eignes Absperrungssystem sehr begünstigt zu werden scheint, so erlaube ich mir hiermit Einzelnes aus meinen Beobachtungen hierüber, wobei der Einblick in das Urchristenthum die Hauptsache ist, mitzutheilen, und soll es mich sehr freuen, zum Fortbau auf diesem, in der Neuzeit fast ganz brach danieder liegenden, und daher von Dornen und Disteln überwucherten Felde zu veranlassen. — . In dem Bestreben der Missionäre lassen sich, bei vielen' Seiten- und Winkelwegen am Kreuzweg, namentlich zwei Hauptrichtungen deutlich erkennen. Wir wollen sie, da sie sich in den Mitteln zur Bekehrung der deutschen und der polnischen Juden spalten, als „deutsche und polnische" bezeichnen. Die deutsche Richtung hat die Sache bis jetzt gar zu leicht genommen, und daher nicht allein Nichts bezweckt, sondern sich sogar geschadet und verächtlich gemacht. Man hielt nämlich die deutschen Juden so aller Kenntniß des Talmuds und seiner Literatur bar, daß man sich jede Unwahrheit hierbei erlauben zu können glaubte. Zum Beweis führe ich jedes deutsche Traktätlein an, wo man beim Nachschlagen der daselbst gewaltsam verrückten, aus ihrem Zusammenhänge herausgerissenen Citate die vorsätzliche Misdeutung, die sich nicht einmal immer durch Unwissenheit entschuldigen läßt herauslesen kann. Namentlich ist es dem armen Maimonides dabei schlimm ergangen! Es giebt fast kein Traktätlein, worin derselbe nicht scharfmitgenommen und hart angeklagt würde; und weiß ich nicht, ob dies aus der frühern Lust mancher Juden-Missionäre an „harbe Rambams" oder daher zu erklären ist, daß man den deutschen Juden den Beweis der Nichtswürdigkeit — ich kann keinen glimpflichern Ausdruck der Anklagen der Missionäre gegenüber brauchen — eines der größten Juden im Reiche des Wissens und des Glaubens, und dabei zugleich den ihrer Religion selbst, zur Hand geben will. Andere Versuche, wie z. B. durch Belege aus der Bibel, durch Deuteleien und Sophistereien, wurden bei den deutschen Juden wohl mit Vorbedacht nur wenig gemacht, da man erstens bei ihm einige genauere Kenntniß der Bibel und der hebräischen Sprache voraussetzen, dann ihn aber auch, als Deutschen, für zu kalt halten mag, als daß so die Phantasie bei ihn einzuwirken vermöchte. Daher soll die Bekehrung eine des Verstandes sein, man will den Unwerth einer Religion, die Falsches und Schlechtes lehre, deutlich darthun. Diese Traktätlein werden jedoch nur von Wenigen gelesen. Gewöhnlich nimmt sie der Konvertit vor, um für sich, a p o s te r i ori, wegen seines Glaubenswechsels Gründe herauszusinden. Zuweilen aber auch der in seinem Glauben denkende Jude; der sie jedoch gleich im gerechten Unmuthe ob der darin herrschenden Erbärmlichkeit und Lügenhaftigkeit entrüstet, wegwirft, und jedes Erinnern daran als ein sehr 43

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