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Der Orient · 1843-10-10 · 41 (10.10.1843) · p. Spalte 645-646

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
41 (10.10.1843)
Article
Talmudische Exegetik
Date
1843-10-10
Page
Spalte 645-646 (sequence 3)
Language
German
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645 Jehuda bar Flai's Exegese. 646 die Rabbinen gelehrt, eine Wittwe, ob sie reich oder arm, darf man nicht pfänden, dies lehrt Jehuda; R. Simon sagt, eine reiche darf man pfänden, eine arme nicht, denn du mußt es ihr wiedergeben, und so bringst du sie (Raschi: durch dein Ein- und Ausgehen in ihrem Hause) in bösen Ruf bei deren Nachbarschaft Demnach wäre zu schließen, N. Jehuda deute nicht die kausative Bedeutung des Verses, (tripl NDytt) und R. Simon deutet sie, während wir das Entgegengesetzte gehört? Denn so heißt es in der Mischna: „Auch soll er (der König) sich nicht viel Frauen nehmen (Deutr. 17, 17.), daß sein Herz nicht abtrünnig werde." R. Jehuda sagt, er kann sich wohl viele nehmen, wenn sie nur sein Herz nicht abtrünnig machen; R. Simon sagt, wenn es auch nur Eine ist, die sein Herz abtrünnig macht, so darf er sie nicht nehmen. Wenn dem aber so, wozu steht denn geschrieben: auch soll er nicht viel Frauen nehmen? (Viele nicht!) und wären sie wie Abigajil. Allein dieses ist für immer als entschieden anzunehmen , R. Jehuda deutet n i ch t die kausative .Bedeutung des Verses; jedoch die hier angegebene Stelle macht soweit eine Ausnahme, insofern der Stichos selbst ein Kausalprincip angiebt. „Aber er soll sich nicht viel Frauen nehmen, daß sein Herz nicht abtrünnig werde." Aus welchem Grunde soll er sich nicht viel Frauen nehmen? Damit sein Herz nicht abtrünnig werde." Vergl. nach Sota 8, a, Mitte; Sanhedrin 16, b, Ende; Menachot 2. b, Mitte; Jebamot 23, a, Ende; Kidduschin 68, b, Mitte. — Und so wie R. Jehuda einem etwaigen Kausalprincipe des Stichos keinen Einfluß auf die Legislatur der Halacha statuirte, ebenso widerstrebt und opponirt er zu diesem Gebrauche die Deutung einer Kausalverbindung (nmx>) der räumlich an einander gereihten, verschiedenen Gesetze der Lora; obgleich erstere und letztere Methode selbst einer rationellen, einfachen Exegese nicht so gar fern liegen. Sanhedrin 67 a, Ende und b, Anfang wird bestimmt, mit welcher von den gesetzlich vorgeschriebenen Todesarten die Zauberin hingerichtet werden soll. Nach vorhergegangenen verschiedenen Meinungen heißt es: Ben Asai sagte, es heißt (Exd. 22, 17. 18.) „eineZauberin sollst du nicht leben lassen" und darauf, „wer bei einem Thiere liegt, sterbe des Todes"; da nun ersteres mit letzterem Gesetze (räumlich) verbunden ist, (so ist zu schließen) so wie der, welcher bei einem Thiere liegt, gesteinigt wird, ebenso wird auch die Zauberin gesteinigt. Da sagt R. Jehuda zu ihm, und wegen der räumlichen Verbindung beider Gesetze willst du diese dem Steinigungs- Tode entgegen führen?! Es verhält sich aber so: Ein Beschwörer und Zauberer gehören doch unter den Kollektivbegriff der Zauberer, und warum ist für jene ein Specialgesetz (Lev. 20, 27.) gegeben? Um von dieser Species die Gesetzlichkeit des Genus zu bestimmen, und dir zu sagen, so wie Beschwörer und Weissager gesteiniget werden, so wird auch ein Zauberer gesteinigt." Vergl. Berachot 21. b, Mitte; Jebamot 4. a. Es wird angenommen, daß R. Jehuda in der ganzen h. Schrift einer Kausalverbindung keine gesetzbestimmende Bedeutung giebt. Die von R. Josef, nach Anleitung Rab's behauptete Ansicht, daß R. Jehuda in Deutoromium allerdings die Deutungsmethode einer Kausalverbindung gestatte, ist ihm, zur Ausgleichung anderweitiger Widersprüche einiger Lehren von ihm, nur untergelegt, aber keineswegs von ihm irgendwo selbst ausgesprochen. Ebenso dessen Schüler irr dem schon oben angeführten Sifra; „R. Akiba sagte, jede Parascha, welche einer andern zunächst steht, geben reciproke Gesetzbestimmungen einander. Rabi sagt, viele Parschijot stehen neben einander und sind (in ihren Tendenzen) so weit von einander entfernt, wie Ost von West." S. oben Anm. 28. Noch klarer tritt uns das Streben R. Jehuda's, sich stets nach dem Schriftworte zu richten, entgegen, indem sich dieses Streben bei ihm in dem Principe ausgesprochen: Den Sinn des Verses nur nach dem überlieferten Texte, und nicht nach der spätern, durch Vokalzeichen bestimmten Leseart zu erklären. So oft ein Konflikt zwischen. ^npO und miDD stattfinden kann, lehrt er miDO1? DN w, aber nicht dn w\ S. Pesachim S. 86. a, Anfang, So scheint es uns auch nicht unwahrscheinlich, daß eine diesem Grundsätze verwandte Ursache es ist, welche bei ihm auf nachstehende Bestimmung Einfluß geübt. Berachot 2, 3. „Hat er Schema gelesen, ohne es mit dem richtigen Lesen der Buchstaben genau genommen zu haben, R. Jose sagt, er hat seine Schuldigkeit gethan; R. Jehuda sagt, er hat seine Schuldigkeit nicht gethan." Wie konsequent R. Jehuda seine exegetisch methodischen 'Grundsätze in der Praxi geltend, und wie er einen wesentlichen Unterschied machte zwischen Gesetzen, welche biblisch begründet, aber nicht deutlich in der Bibel, zu finden, und solchen, die ja^ in derselben verzeichnet, wird aus Folgendem ersichtlich. Sanhedrin 87. a, Mitte: „Die Rabbinen lehren, ein Saken Mamre (ein widersetzlicher Geistlicher) ist früher nicht (des Todes) schuldig, als bis wenn es (der Gegenstand der Widersetzlichkeit) ein Gesetz betrifft, das muthwillig übertreten, Ausrottung zuzieht, und irrthümlich, zu einem Sündenopfer verpflichtet; so lehrt R. Meir; R. Jehuda sagt: Nur wegen eines Gesetzgegenstandes, der seiner Hauptsache nach biblisch, und dessen Erklärung durch die Soferim geschehen, ist er schuldig." Entschiedener noch erscheint diese Halacha des R. Jehuda in Sifri Col. 154. S. 54. d, „Und du thue gemäß dem Ausspruche, den sie dir künden (Deutr. 17,10.). Auf die Urtheile des großen Sanhedrin in Jerusalem wird er des Todes schuldig, aber nicht auf das Urtheil des Sanhedrin in Jabna. „Gemäß der Weisung, die sie dir gaben" (ibid. 11.) auf Gesetze der Tora sind sie des Todes schuldig, aber nicht auf Gesetze der Soferim." Wozu Abraham Lichtstein, in Sera Abraham, bemerkt, daß dieses mit dem Grundsätze R. Jehuda's kongruire. Richten wir nun unfern Blick auf solche Stellen, wo R. Jehuda zur Begründung der Halacha sich des Bibelverses bedient, so werden sich immer dieselben Resultate ergeben, die einfache Auffassung des natürlichen Sinnes, das feste Hal- 41*

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