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Der Orient · 1843-10-10 · 41 (10.10.1843) · p. Spalte 647-648

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
41 (10.10.1843)
Article
Talmudische Exegetik
Date
1843-10-10
Page
Spalte 647-648 (sequence 4)
Language
German
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m 648 Iehuda bar Jlai's Exegese. Len an den. Ausdruck des Textes. Chulin 7, 6. heißt es: Das Verbot der Spann ad er findet Anwendung nur bei reinem, aber nicht bei unreinem Vieh. R. Iehuda sagt, auch bei dem unreinen. Da sagte R. Iehuda, es ist ja schon den Söhnen Jakobs das Esten der Spannader verboten gewesen, zu. welcher Zeit ihnen unreines Vieh noch erlaubt war? da sagten sie zu ihm , es ist erst (das Verbot der Spannader) am Sinai verboten und nur an seinen Ort (der geschichtlichen Veranlassung) gestellt, worden." Nicht weniger sachgemäß und wortgetreu ist er auch in Folgendem, Baba Kama S. 34. a, Mitte: „Ein Ochse, zweihundert an Werth, der da hat gestoßen einen andern Ochsen von zweihundert an Werth, dessen Aas aber werthlos ist, sagt R. Meir, aus einen solchen Fall ist ausgesprochen (Ex. 21, 35.), so verkaufen sie den lebendigen Ochsen und theilen das Geld; da sagte R. Iehuda zu ihm, und so ist auch die Halacha; allein du hast bestätigt, „so verkaufen sie den lebendigen Ochsen und theilen das Geld," aber nicht bestätigt „und auch den tobten theilen sie"! Bei welchem Falle findet dieses, aber Statt? beifolgendem: ein Ochse, der da werth ist zweihundert, und gestoßen hat einen Ochsen, der da werth ist zweihundert und das Aas ist werth fünfzig Sus, da nimmt der Eine die Hälfte des lebenden und die des todten, und der Andere desgleichen." Die Barajta, letztern Satz wiederholend, fügt noch hinzu: „und dieses ist der Ochs, von welchem in, der Lora die Rede ist." (Die Mechilta bringt ebenfalls diesen Passus mit einiger Veränderung.) Also ist R. Iehuda stets bemüht, den praktischen Fall mit dem Buchstaben der Schrift zu adäquiren. Und wenn es bei einer rein rabbinischen Gesetzbestimmung nur daraus ankommt, eine entsprechende Wortbezeichnung zu finden, so ist er auch da bemüht, eines dem biblischen adäquat zu wählen. Berachot 6, 1. „Und über Kräuter sagt man: der geschaffen hat Früchte der Erde; N. Iehuda sagt, der geschaffen hat Pflanzenarten." Ebenso streng das Bibelwort sesthaltend zur Fällung eines Urtheils ist er auch in Baba Kama S. 45. d, Mitte: „Wenn ihn sein Eigenthümer (des stößigen Ochsen) an die Kette gebunden, und gehörig vor ihm verschlossen, und er entlief und richtete Schaden an, sei es nun ein schon als stößig bekannter, oder nicht, so ist Verschuldung da, dieses lehrt R. Meir5 N. Iehuda sagt, der noch nicht als stößig erkannte (Dn) ist schuldig, der schon als stößig erkannte (ly'ift) ist frei, denn so heißt es (Ex. 21, 33.) „und der Eigenthümer hat ihn nicht gehütet" der aber ist doch gehütet." Diesem ganz ähnlich auch in Sanhedrin 18. a, Mitte: „Wenn der hohe Priester einen todten Verwandten hatte, so durfte er den Sarg nicht begleiten, sondern wenn sie, die Begleiter des Leichenzuges, in eine andere Straße lenkten, konnte er in die von jenen verlassene kommen, und auf diese Weise die Leiche begleiten bis zu dem Thore der Stadt, so lehrt R. Meir; R. Iehuda sagt: er darf gar den Tempel nicht verlassen, weil geschrieben steht: (Lev. 21, 12) „Und aus dem Heiligthume soll er nicht gehen". Vergl. auch: Sota 7, 7 z und 9, 1. Sanhedrin 1, 2. 3. 4. 6. und rdiä. 11, 1; Makkot 3, 4. 10; Menachot 10, 5 und 11, 4. Wenden wir unsere Aufmerksamkeit einem andern Momente zu, und zwar den sich höchst wahrscheinlich zu R. Jehuda'sZeit geltend machenden Uebersetzungen eines Akilas und der im Entstehen begriffenen des Onkelos, wie der schon vorhandenen Uebersetzung der Bibel eines Ionatan ben Usiel. Daß nun die ängstlich treue Uebersetzung des Akilas, die paraphstische eines Ionatan ben .Usiel und des jerusalemitischen Targums nicht ohne Einfluß auf die biblische Begründung der Halacha bleiben konnte, ist einleuchtend^); ebenso ist es bekannt, daß man gegen die einseitige Richtung der Targumim, der Halacha gegenüber sich, zu verwahren suchte, und sich'genöthigt gesehen, Maaßregeln zu ergreifen *9). Und in dieser Beziehung hat, nun R. Iehuda bar Ilai, außer den targumischen Parteien sich stellend, und die rationelle, richtige Mitte bildend, gesagt: „Wer den Vers nach seiner äußern Gestalt (buchstäbelnd) übersetzt, der ist ein Lügner, und der Paraphrast lästert und schmähet". In dem ersten Satztheil, die ängstlich wörtliche Uebersetzung eines Akilas40), und in dem zweiten die Paraphrase eines Ionatan oder das diesem verwandte Targum jeruschatmi ausschließend und dafür, das die Mitte haltende Targum Onkelos für geeignet erklärend. Welches auch die Gemara m i t klaren Worten ausspricht: j-p-j DUin Dinn \ND „welches Targum ist denn sonst das richtige? unser Targum" (des Onkelos), dessen treue und richtige Uebersetzung auch, von den ältesten bis zu den neuesten Erklärern, gebilligt wird. (Beschluß folgt.) 38) ibid. S. 62. „Endlich aber erblickte man doch eine glückliche Lösung der Ausgabe, sich gleich weit von Zusätzen als von buchstäblicher Uebertragung zu halten, in den während der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts angefertigten Uebersetzungen des Gesetzes und der Propheten durch Onkelos den Proselyten und Jonathan ben Usiel einen Schüler Hilles". 39) ibid. S. 74 und 75: „Freie Uebersetzungen waren uralter Gebrauch (Anm. b). Jonathan zu den Propheten ist oft sehr frei; gegen dergleichen Uebersetzung sah man bisweilen sich genöthigt, Maaßregeln zu ergreifen, insofern sie gemißbilligte Ansichten dem Schrifttexte unterlegten". 40) S. Frankels Vorstudien zu der Septuaginta S. '182. Anm. 5. „Wenn bei Aquila der Midrasch sehr selten hervortritt, so ist zu bedenkten, daß er eine wörtliche- Uebersetzung geben wollte und. selbst mit Aufopferung der Verständlichkeit und des Sprachgebrauches zuweilen sein Ziel verfolgte. Vrgl. auch Zunz a. a. O. S. 82.

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