Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 40 (3.10.1843)
- Article
- Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Spalte 637-638 (sequence 3)
- Language
- German
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63t Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. 638 chal, um die Verfolger Davids zu täuschen, ins Bett legte, der Hausgott Davids war, und zwar die Statue Iah's"). Diese Statue beweise unwiderleglich, daß zu David's Zeiten von einem bildlichen Iah-Kult keine Rede sein könne. So dunkel aber anch das Wort D^Din, das Hr. Gh. mit einer solchen Gewißheit für eine Iahstatue hielt, an und für sich ist, so deuten doch alle Schriftstellen, in denen dieses Wort vorkommt, darauf hin, daß darunter Orakelbilder verstanden werden, denen im mosaischen Kultus der Efod entgegensteht; daher auch Efod und Lerafim als Antithese oft zusammen gebraucht werden, wie z. 33. Hosea 3, 4. Rahel entwendete die Terafim, damit ihr Vater die Richtung, die Jakob auf der Flucht eingeschlagen hatte, nicht vermittelst der Terafim in Erfahrung brächte. (Ibn-Esra z. d. St.) Aquila und Hieronymus übersetzten Terafim mit Sfcatua, SimuJacrum, die LXX. mit Kenatcrphia. Bochart (Hieraz S. 623) hält mit Recht die Terafim für einfache Puppen, da David ein zu strenger, aufrichtiger Diener des unsichtbaren Gottes gewesen wäre, um in seinem Hause Götzenbilder zu dulden. Wo ist nun der „unwiderlegliche" Beweis, daß das Wild Iah's unter Terafim zu suchen sei? —- Ebenso falsch übersetzt Hr. Gh. Efod mit Iahbilder, und vergaß, daß der Efod ein Haupttheil der hohenpriesterlichen Amtskleidung war, aus dem, in Verbindung mit den Urim und Lumrm, die Orakelsprüche ertheilt wurden. Welche verkehree Schlüsse aber aus einer falschen Premisse gezogen werden, und wie man von einem Ircthum in den andern verfällt, ist aus des Hrn. Gh.'s Ansicht von den Terafim ersichtlich. Während Wochart (a. a. O.) richtig schließt: Die Terafim konnten kein Hausgott gewesen sein, denn der heilige Sänger würde nicht so offenbar ein Gesetz des Dekalogs verletzt haben, folgert Herr Gh. (S. 349) aus der ermüheten falschen Prämisse, daß die Terafim Iahbilder gewesen waren: „Die Zehngebote könnten zu Davids Zeiten nicht existirr haben, wie hatte sonst David ein Iahbild gehabt". —~ Haben wir in Vorstehendem gesehen, wie der nürnberger Zauberer mit seinen phantasmagorischen Künsten eine Göttergestalt da sichtbar machen will, wo ein absolut unsichtbares Wesen thront, so eskamotirt er auf gleiche Weise die Gesetzestafeln aus der heiligen Lade, und legt dafür ein Götterbild und — verbrannte Gebeine hinein. Die Gesetzestafeln konnten nicht in der Bundeslade gewesen sein, weil, nach Vatke und v. Bohlen, die Zehngebote in ihrer biblischen Form nicht bis auf Moses zurückrcichen, und weil sonst die Gründer des neuen Tempels auch die Bundeslade hergestellt hätten. Herr Gh. wagt zwar nicht zu behaupten, daß Moses gar keine gesetzliche Bestimmungen gegeben hätte; er könnte allerdings eine hieroglyphische Darstellung derselben 33) Merkwürdig ist die Lesart *TO, Ziegenleber, die die Siebziger und Jos. Ant. 16, 4 hatten. in die Bundeslade gelegt haben, allein gute Gründe sprechen dafür, daß hier unter nny nicht das Gesetz, sondern Gott, der dasselbe gab, zu verstehen sei. Diesen guten Grund fand aber Herr Gh. darin, daß bei den Phöniziern der König der Götter adadas hieß. Die Sehkraft des Verf. wurde jedoch, hier wie überall, von dem Staub und Moder der phönizischen Alterthümer dermaaßen geschwächt, daß er die naheliegenden Bibelstellen übersieht. Im 2 M. 25, 15 lesen wir mit klaren Augen: Du sollst legen in die Bundeslade das Zeugniß, welches ich dir geben werde, was doch einzig und allein nur von den Gesetzestafeln, die Gott, als er aufhörte mit Moses zu reden, (2 M.) diesem gab, verstanden werden kann. Bei der Ausführung des Tempelbaues findet sich hingegen Nichts von der Anfertigung von IahblLdern, was nach Hrn. Gh.'s Deutung hätte doch gesehen werden müssen; es heißt vielmehr ganz einfach (ibrü. 42, 20): „Er nahm das Edut (Zeugniß) und legte es in die Bundeslade". Ebenso heißt es bei dem salomonischen Tempelbau (i Kön. 8, 9): „In der Lade befand sich weiter Nichts als die steinernen Tafeln". Haben nun diese Stellen weniger Wahrscheinlichkeit und Begründung als des Verf. „gute Gründe" vom phönizischen adadas, oder Vatkes Vermut h u n g, daß das Bild Iah's in der Bundeslade ein heiliger Stein gewesen sei? Will Herr Gh. etwa alle diese Stellen für Interpolationen der Reformatoren erklären, dann könnte er es sich noch weit bequemer machen, und wie Vatke (Bibl. Theol. 199) bie ganze Stifts- Hütte für eine Fiktion ausgeben. Die Einwendung des Verf., warum die Gründer des zweiten Tempels keine Bundeslade angefertigt hätten, ist durch sich selbst erwidert. Die Bundeslade mit den Gesetzestafeln wurde bei der Zerstörung des ersten Tempels vergraben, mn dieses Heüigthunr vor Entweihung zu sichern (Ioma 53). Da nun nach dem Exil diese nicht wieder aufgefunden werden konnte, die Bundeslade aber nur ihres heiligen Inhalts wegen da war, so wäre die Anfertigung derselben zwecklos gewesen. Was der Verf. hier lveiter von der Bundeslade fabelt, finden wir bei Spencer de arca und bei Bahr (839, 399), deren reiche Fülle von Citaten er zu einem entgegengesetzten Resultate ausbeut et, und daher aus guten Gründen den Lesern den lebenssrischen Born, aus dem er schöpfte/ verheimlichte. So benutzt ein nürnberger Bibliothekar seine Quellen. Wir enthalten uns irgend etwas auf die stupiden Ausfälle und gemeinen Blasphemien, die der Verf. in diesem und dem nachfolgenden Abschnitte „die moralische Seite Iah's" auöstößt, etwas zu entgegnen. Einer Polemik, die mit Ernst, Wissenschaft und Geist geführt wird, kann man es allenfalls noch Nachsehen, wenn in der Hitze des Streites die religiösen Gefühle des Gegners hie und da verletzt werden; wenn aber, wie hiev, ein Volk und der Gegenstand seiner Verehrung mit so geistlosem Spotte und gemeinen Ausfällen, unter der trü-