Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 40 (3.10.1843)
- Article
- Talmudische Exegetik
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Spalte 629-630 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897928-2370587--3148-2370617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
629 Jehuda har Jlai's Leben. 630 Sprache noch Muttersprache war, so überflüssig sein, wie dem Lehrer der Philosophie die Erklärung der eigentlichen, sprachlichen Bedeutung der teminorum technicorum. (Vgl. Frankel, Vorstudien zu der Septuaginta S. 180 ff.). Bibelexegese in unserem heutigen Sinne konnte bei ihnen nur wenig zur Sprache kommen. Die Deutungen des Talmuds, welche demnach nicht das Versta'ndniß der Tora für das Leben die Gesetze, sondern das Versta'ndniß des Lebens — der Gesetze im Geiste der Tora zum Endzweck hatten, müssen daher schon, wenn sie als solche ihre Nothwendigkeit wanifestiren wollen, den einfachen Sinn verlassen. Aber trotz des Lftern Konflikts dieser Deutungen mit dem einfachen VLortsinn, behielt dieser seine volle Gültigkeit und nicht selten d§n für die Halacha entscheidenden Vorzug. Denn die Halacha ist ihrem Namen nach Volkssitte, und, wie wir in der Folge erörtern werden, in ihrer Genesis zum Theil als alter als die Tora zu betrachten. Sie ist in ihren ersten Elementen die eigentliche Volkssitte, der sich in gar vielen Punkten die geoffenbarten, biblischen Gesetze akkommodiren. Die Halacha ist so alt wie das Volk selbst, fällt in ihrer Entstehung mit ihm zusammen und ist wie die Gesetzgebung eines jeden Volkes — der Typus seiner Geschichte. Dieses haben wir zum Theil a. a. O. begründet, und werden es durch Nachfolgendes ergänzen. Bevor wir jedoch die vorerwähnte Behauptung strenger verfolgen haben wir einen andern Gegenstand zu erledigen, der, abgesehen daß er das ln dem L. B. v. I. Nr. 25. Abgebrochene mit Gegenwärtigem verbindet, auch die Art zeigen wird, wie der Gegner, zur Erreichung seines Zweckes, Talmudstellen zu erklären beliebt, wie unkritisch es ist und es eben zu solchen irrigen Resultaten führen muß, wenn man Barajtot aus ihrem Zusammenhänge reißt, und ohne Rücksicht auf Zeit wann, und auf den Verfasser, von wem sie ausgesprochen sind, beliebig deutet und entstellt. A. a. O. sagten wir: Und wenn auch dem Talmud der Punkt und die Spitze und der Strich des Buchstaben und dieser selbst Bedeutung hat, und zuweilen gesetzgebend wird, so sind sie es ihm gleichsam nur relativ, insofern dieser Buchstabe göttlichen Ursprungs ist, der einfache natürliche Sinn der sprachlichen Bedeutung galt ihm dennoch als der eigentlichste 'tf-p nt nn lrrmn piDD annon -on mirp h pj-M, *pra *HT vyj ^Dioni (Kidduschin 49 a). „R. Jehuda sagt, wer den Bibelvers buchstäbelnd übersetzt, der ist ein Lügner, und der Paraphrast lästert und schmähet." Hierauf der Verfasser der Skizze in seiner Fortsetzung S. 246. „Ganz unumwunden spricht auch die Thoßeftha diese ihre Meinung aus, daß die Auffassung der Schrift nach dem einfachen Wortsinn eine lügenhafte sei, nicht etwa eine von den verschiednen berechtigten Erklärungsarten, sie sagt (Megillah Ende, vergl. b. Kidduschin 49 a) „wer einen Vers nach seiner Form übersetzt, ist ein Lügner, wer hinzufügt ein Lästerer." In der Mitte also zwischen der wörtlichen Uebersetzung und der willkürlichen Zuthat, welche beide verworfen werden, und als einzig berechtigt, erscheint die Ausdeutung, das recipirte Verfahren der Derascha. Vergl. hiermit 6. a. O. S. 258. Eine für gerade entgegengesetzte Objekte zum Beweis gebrauchte Barajta, die in ihrer Allgemeinheit so entschieden ist, verdient wohl der gründlichen Untersuchung z zumal wenn diese selbst, den ganzen Ge genstand zu beleuchte n rm Stande ist. Unseres Erachtens kann aber die Ermittelung des wahren Sinnwerthes einer Barajta, nur dadurch entsprechend geschehen, daß nicht nur deren Verfassers Leben und Wirken und sonstige Lehren in Betracht gezogen werden müssen, sondern auch wann und wo er gelebt, welcher Schule er angehörte und wie er zu den übrigen Schulen seiner Zeit gestanden, welche Grundsätze er überhaupt und welche er in Beziehung der biblischen Begründung der Halacha gehabt, und wie er diese Grundsätze in der Praxis gehandhabt. Der Verfasser der in Rede stehenden Barajta ist: R. Jehuda bar Jlai, welcher vom 2—3. Jahrhundert, während und nach der Regierung des Kaisers Hadrian, tebte6) und dessen Vaterstadt höchst wahrscheinlich Uffa in Palästina?), deren geographische Lage schwer zu bestimmen, war. Wie die meisten seiner gelehrten Zeitgenossen ein Handwerker, rühmte er des Handwerks Vorzug dahin, daß es seinen Meister ehre 8). Aber trotz seiner Arbeitsliebe und außerordentlichen Mäßigkeit'), konnte er sich der größten Armuth nicht erwehren"), die er 6) S. Seder Ha-Dorot und Juchasin, sub voce; vgl. Jost, Geschichte des israelitischen Volkes; 2 B. S. 120 ff. 7) S. Midrasch Schir Ha-Schirim S. 10 a, b. djqi ja« jvo *••**’•*• nein1? um iDJsru idem □’pn miN dmud UN n;ro ufcprw nipo hdn itjsnb dhu bru .n« b6i mj? ja rpntp min’ '“b 1122 ip^n 'di 11220 «in mx hw iDipo n^n mm 8) Redarim 49 b, Ende: NEniD ’2^ b’ix 12 min’ '1 nx rrDDDKf mx'iD rbru idn rpsro xpj>u ^'pL, nfyn. 9) ibid.: Vor R. Jehuda und R. Simon brachte man überreife Feigen, R. I. aß sie, R. S. nicht; da fragte R. Jehuda ihn, warum hast du sie nicht gegessen? und R. Simon antwortete, weil diese gar nicht zu verdauen sind; desto besser, sagte R. Jehuda, braucht man morgen Nichts zu essen. 10) ibid.; „Die Frau R. Jehuda's verfertigte ihm eine Matratze; wenn sie zu Markte ging, bedeckte sie sich damit, und ging N. Jehuda zum Gebete, so bedeckte er sich damit rc. — Einst beraumte R. Simon ben Gamliel einen Fasttag an, wozu R. Jehuda nicht erschien, als man jenem sagte: er habe kein Kleid, da schickte R. S. b. G. dem R. I. eine Decke, die er aber nicht annahm z und sprach zu dem Boten, seine Matratze, auf welcher er saß aufhebend," siehe Alles was ich habe, allem ich will auch diese Welt nicht genießen!" Wir können nicht einsehen, was Raschi veranlaßt hat, hier ein Wunder entstehen, und dem R. I. mit einem Male recht viel Gold finden zu lassen. Der etwas dunkle Ausdruck der Erzählung 'h Nn\3 N1? in-D \ND nn scheint uns ganz richtig: „siehe was ich habe (sein einziger Besitz, die Matratze), allein ich will auch diese Welt nicht genießen. Jost, welcher hier Raschi gefolgt, läßt R. J3.