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Der Orient · 1843-10-03 · 40 (3.10.1843) · p. Spalte 627-628

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
40 (3.10.1843)
Article
Talmudische Exegetik
Date
1843-10-03
Page
Spalte 627-628 (sequence 2)
Language
German
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627 628 Ueber die bibl. Auslegungen des Talmuds von M. Schwarzauer. denen der Offenbarungsglaube so eigentliches Leben gewesen, wie die Lustdie sie alhmeten, wie der Gedanke, den sie dachten, die ihr Leben mit all seinen Erscheinungen, die den ganzen Ideenkreis ihres Erdenseins in das vom Himmel gekommene Wort hineingetragen und göttlich neu geschaffen wieder herausgeschöpftr diese. Tanaim und Emoraim, die ihr Leben ausgehäuchtmit Liebe und Wollust ausgehaucht, für dieses Wort, diese Tora, solchen Männern wollen die heutigen Negationsmenschen, mit ihrem das Leben verödenden Nihilismus, das Verständniß des einfachen, natürlichen Sinnes des göttlichen Wortes absprechen! — Und du Muster der Demuth, aller Lebensgenüsse entsagender Hillel, Wiederhersteller des Gesetzes 2), du ließest umsonst alle Schrecknisse der Elemente auf dich hernieder stürmen, versagtest umsonst dir jeden Genuß und jedes Bedürfniß, um nur den Worten deiner Lehrer Schemaja und Abtalion zu lauschen"), — — du und deine Lehrer haben den wahren Sinn des Wortes, das du so einfach und leicht verständlich hieltest, einem Heiden es in der kürzesten Zeit zu lehren^), gar nicht verstanden, — >,nicht geahnt." Und du Glaubensmärtyrer Akiba, der du das Wort des Herrn herumgetragen in die bekannte, weite Welt, wohin auch das Schicksal deine vertriebenen Brüder geführt haben mochte^), der du nur von der Einen Wollust trunken warst, den Todeskelch in schrecklichsten Martern zu schlürfen, um buchstäblich das Schriftwort: mit ganzer Seele den Herrn zu lieben, erfüllen zu können 5). .... du hast das Wort des Herrn gar nicht verstanden, „nicht geahnt!" — Die jüd. theologische Zeitschrift hat es bewiesen! — Und du Jehuda bar Jlai, und du Jehuda Ha-Nasi, Lehrer sämmtlicher Exilirten, ihr habt das Wort der heiligen Schrift, für das ihr euer ganzes Leben mit allen seinen Wonnen und Freuden geopfert, gar nicht verstanden, „ nicht ge ahn t," „sonst hättet ihr auf euer spielendes Verfahren keinen solchen Werth legen können." (sie.) Wer aber Alles für Eins gegeben, dem muß das Eine auch Alles sein. Der Märtyrer der Wahrheit muß sich dieser 1) Sukka 20a. Ende. 2) Joma 35 b. Mitte. 3) Sabbat 31 a. Mitte. 4) Rapaport in Bikküre Ha-Ittim, Jahrg. 5584. S. 71. Anm. 1. 5) Berachot 61 b, Ende: „Als man R. Akiba dem Märtyrertod entgegen führte, war es um die Zeit „Schema" Zu lesenman marterte ihn, er aber nahm das Joch der göttlichen Wettregierung auf sich; da sagten seine Schüler zu ihm: bis hierher! da antwortete er ihnen, mein Lebenlang habe ich mich gehärmt über diesen Vers, „und mit deiner ganzen Seele" (sollst du Gott lieben) und wenn dir auch die Seele genommen wird; da dachte ich immer: wann wird es mir kommen, daß ich ihn (den Vers') erfülle! und nun so es gekommen, sollte ich es nicht? und er verweilte bei dem TIN (Einzigen) bis ihm die Seele entfloh. — auch in allen ihren Konsequenzen hingeben können. Und so können wir getrost in der Untersuchung fortfahren r wie die Weisen des Talmuds den einfachen Sinn des Wibeltextes und dessen Verwendung Behuf biblischer Begründung der Gesetze der mündlichen Lehre gegenüber betrachtet haben. Der Wichtigkeit des Gegenstandes gemäß haben wir fortwährend die Momente in"s Auge gefaßt, welche uns geeignet schienen, denselben zu beleuchten und zu einem klaren Begriff zu bringen. Der Verfasser der Skizze ist (Jüd. thlg. Z. S. 234—259.) „in feiner Ueberzeugung nicht wankend worden, vielmehr haben fortgesetzte Studien ihn in derselben bestärkt." In wie weit diese Versicherung begründet, oder von des Verfassers „Fortsetzung" selbst widersprochen undverlassen wird und eben nur so eine Versicherung bleibt, soll hierdurch getreulich beleuchtet werden. Dazu aber, und um einen Gegenstand, der von dem-letzten der Geonim bis zu den Rabbinen des vorigen Jahrhunderts mehr oder weniger besprochen und beurtheilt worden, zur Entscheidung zu dringen, scheint uns die Untersuchung folgender Punkte unumgänglich nothwendig. A. Welche Vorstellung hatten die Lehrer der Mischna und Gemara von der Offenbarung als göttlicher Erscheinung, und von der göttlichen Unmittelbarkeit der durch dieselbe geoffenbarten Gesetzobjekte, a) der rinn 5 B. M. und b) der übrigen Bücher der h. Schrift. B. Wie betrachteten sie sich selbst, hinsichtlich ihres Berufes als Träger und Vermittler des Gesetzes- C. Von welcher Beschaffenheit war der gesteigerte religiöse Werth, den man der Halacha, der Vermittelung der Gesetze,. durch die biblische Begründung und der religiös bindende Werth überhaupt, den man der dazu angewandten Methode beilegte; und endlich D. in weldjem Verhältnisse dachte man den einfachen Sinn des Bibelwortes jener Methode gegenüber. Zur bessern Verständigung wird eine kurze Wiederholung des Gegners und unserer Ansicht nicht entbehrlich sein. Der Verfasser der Skizze behauptet a. a. O. S. 80 ff. „Daß die Gemara ibre Deutungs- und Ableitungsmethode, als vollkommen richtige Exegese betrachtet, denn sonst hätte sie auf ihr spielendes Verfahren keinen solchen Werth gelegt, und zwar als die einzige, neben welcher keine andere herg eht, gegen die ein Widerspruch eines etwa erwachenden exegetischen Gewissens durchaus nicht geahnt, und selbst wenn es dunkel sich regte, alsbald zum Schweigen gebracht wurde." Wir setzten diesem beweisend entgegen: (L. B. d. O. N. 17. 18v 19. u> 25) Es haben die Geinaristen der heiligen Schrift als unmittelbares, für ewige Zeiten gegebenes Gotteswort auch folgerichtig eine Perfekt:bilität zugesprochen, welche die mannigfaltigste Erklärung, zuläßt, insofern das Wort die ununterbrochene Entwickelung der Gesetze involviren müsse. Die Erklärung des einfachen Wortsinnes der Tora unter den Tanaim und Emoraim mußte diesen, denen die semitischen

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