Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 40 (3.10.1843)
- Article
- Talmudische Exegetik
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Spalte 625-626 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897928-2370587--3146-2370615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literaturblatt des Orients Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte mfi> Fitcratur. M 4O. Leipzig, den 3. October Talmudische Epegetik. Ueber die biblischen Auslegungen des Talmuds bei seinen Gesetzbestimmungen. Von M. Schwarzauer. — Lit. Analekten. Berichtigung einer Stelle in Dunasch den Librr^t's Gedicht. Von F. Le brecht. <— Die Menschenopfer der alten Hebräer. Eine geschichtliche Untersuchung v. Ghillany. Beurtheilt v. R. Kirchheim. (Forts.) — Literarische Ankündigungen. Talmudische Gxegetik. Neberdie biblischen AuslegmigendesTalrmidsbei fch nett Gesetzbestimmungen. Gleichzeitig als sortsetze n d e Beleuchtung einer Skizze : Das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur talmudischen Schriftdeutung. Wisjmschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie. 5.Bds. erstes und zweites Heft. S. 53—81 und 234 — 259. Von M. S ch w a r z a u e r. (S. L. B. des Orients v. I. Nr. 17. 18. 19. und 25.) Nichts ist und besitzt der Mensch oft weniger, als das wovon er am meisten spricht, und so umgekehrt. Der von dem Glücke Begünstigte, wie der durch Verdienst Gehobene, sie reden selten von ihrem Haben, von ihrem Sein. Es hat sich dieser Besitz von Mitteln und Eigenschaften mit ihrem wahren Ich so vereinigt, daß er ein wesentlicher Theil ihrer Natur, wovon weiter nicht die Rede sein kann, ausmacht. Was wir nun bei einem Theile gewahren, muß auch dem Ganzen zukommen; was sich in dem Individuum bewährt, wiederholt sich auch in der Völkergeschichte. Liebloser und herrschsüchtiger hat keine der vorhandenen Religionen sich manifestirt, als diejenige, deren erstes und letztes Wort die Liebe und die Demuth war. Sinnlicher und irdischer keine sich gezeigt, als diejenige, welche gesagt, ihr Reich sei nicht von dieser Weltdie der Menschheit den Besitz des Diesseits geraubt, um ihr die Hoffnung aus ein Jenseits zu bieten. Gerade solche Gefühle und Empfindungen, die so wenig zum Selbstbewußtsein gekommen, daß für sie die Sprache gar keine Bezeichnung hat, sind die stärksten, mächtigsten und haltbarsten. Wer birgt mehr Thatkraft und Alles durchdringendes Lebensfeuer, das zum Bewußtsein gekommene Alter, oder die nur nach Gefühlen handelnde Zugend? Das Erkannte hat für uns ausgehort zu sein. Ganz so verhält es sich mit der Anklage, es habe der Mosaismus die Lehre der Unsterblichkeit nicht gekannt. Ganz so verhält es sich mit der vagen Behauptung der jüdisch-theologischen Hyperkritik, es hätten die tausendjährigen Träger und Vermittler des geoffenbarten Gesetzes dessen einfachen Wortsinn nicht gekannt, nicht gebilligt, nicht gelehrt. Das geoffenbarte Gesetz, das den höchsten Begriff, der sich zu allen andern verhält, wie des Kreises Strahlenlinien zu ihrem Mittelpunkte, gesetzt, und alles Niedrige auf Erden mit Einem Worte negirt; das . Gesetz, dessen erstes Wort, es ist ein Gott, und dessen letztes, du sollst nicht gelüsten, -dieses Gesetz sollte das Höchste des Menschenlebens, die Unsterblichkeit nicht gekannt haben, weil dieser Gedanke, von jedem Denkenden längst selbst erkannt und gewußt, nicht auf jedem Blatte wiedergekauet und breit getreten wird; weil des ganzen Gesetzes Geist und Seele nicht anschaulich, nicht bewiesen wird; als wenn das Bewiesene immer wahr und das Wahre sich immer beweisen ließe!! Als wenn man dem, in heißer Mittagsgluth im klarsten, hellsten Lichte Wandelnden erst sagen müßte, de oben ist die Sonne und von der kommt, was dein Auge schauet, was deine Sinne fühlen. — — So aber ist es, während der Denunciant des Mosaismus Jahrhunderte lebte, als wenn es keinen Himmel, und lehrte, als wenn es keine Erde gäbe, sprach die undankbare Tochter der vielbewährten Mutter, deren Leben Lehre, und deren Lehre Leben sein wollte und war und ist, den Lebensnerv ab. Das wissenschaftlich sich nennende, restaurirende Judenthum macht's nicht besser. Während ihm der Heiland Hegel jede positive Offenbarung für positiv nicht geoffenbart, jenes Taggespenst, die Negation der Negation gelehrt, fängt man an zu glauben, das positive Gesetz habe bisher gar kein Mensch verstanden und erkannt. Die Tanaim und Emoraim, 40