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Der Orient · 1843-09-19 · 38 (19.9.1843) · p. Spalte 595-596

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
38 (19.9.1843)
Article
[Rezension]
Date
1843-09-19
Page
Spalte 595-596 (sequence 2)
Language
German
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595 Anaf Ez Abot. — Musar Haskel. — Hundert und ein Sabbat. 596 chen die Lektüre derselben angenehmer, als irgend eine neuhebr. Gedichtsammlung der neuesten Zeit, vorzüglich da die Darstellung und die Sprache ausgezeichnet ist. Auch das Gedicht jwnn über die Hede. Sprache, welches das ganze Merkchen einleitet, so wie das treffliche aus zehn Sestinen bestehende Empfehlungsgedicht von Aharon Klaber (Lehrer des Hebräischen in der Normalschule zu Pesth) über denselben Gegenstand, sind schöne Muster der neuhebräischen Dichtung. Auf dem Umschläge des Merkchens finde ich angegeben jxd erstes Bändchen, und ich wünsche, daß Hr.Sch. recht bald Gelegenheit haben möge, diese Sagendichtungen fortzusetzen. Zehn Jahre früher erschien von demselben: 28. noib idh nnon min idd Nim * fetwi ~idid nnntoi ivsib vnnn nmotso imN. (Sictenlehre für die israelitische Jugend). Von Baruch Schön seid. Prag, 183 t. 8. M. I. Landau. Diese Sittenlehre für die israelitische Jugend ist eine freie, sehr geschmackvolle Übersetzung von Campe's Sittenbüchlem, wie überhaupt Campe's Jugendschristen am Meisten ins Neuhebräische übertragen worden sind. Die Uebersetzung selbst ist sehr gelungen, was bei einem Manne, wie Schönfeld , der den Neuhebräismus so trefflich handhabt, nicht Wunder nimmt. Die eingestreueten Gedichtchen sind gelungen. — Diese sind die zwei einzigen Schriften, die, so viel Res. weiß, Hr. Sch. edirt, viel zu wenig für einen Mann, der alt und grau geworden, und in keiner andern Sprache schreiben kann, aber in Betracht der Lresflichkeit dieser Schriften doch höchst werthvolle Gaben. Er ist auch, so viel mir bekannt, der Einzige in Ungarn, der überhaupt die neuhebräische schöne Literatur durch eigene Geisteserzeugnisse bereichert, denn die meisten der ungarischen jüdischen Gelehrten sind ganz entartet und haben zuletzt weder eine magyarische noch eine jüdische sittliche Bildung behalten, und die Rabbinen, die doch die Träger des Judenthums sein sollten, sind so unwissend, wie kaum in den finstern Zeiten des Mittelalters, in welcher Unwissenheit sogar die modernen Rabbiner daselbst keine Ausnahme machen. 29. Hundert und ein Sabbat. Oder Geschichten und Sagen des isr. Volkes» Von Hermann Schiff. Erstes Bändchen. Leipzig, 1842. 8. Fr. Fleischer» Der Vers. dieser Sagenbearbeitungen erzählt im Vorworte, wie er zufällig auf die Idee, jüdische Sagen zn bearbeiten gekommen und wie er erstaunte, auf diesem Gebiete Nichts vorgearbeitet gesunden zu haben. „In der That" heißt es daselbst, „ist die Ehre, welche man arabischen, griechischen, indischen, skandinavischen und allen möglichen Ma'hrchen, Mythen und Sagen angedeihen ließ, unbeschadet ihres Charakters und ihrer Originalität als selbstständige, deutsche Dichtungen zu behandeln, denen eines uralten, religiösen Volkes , das mitten unter uns lebt, und dessen Geist und Sitten wir täglich und unmittelbar beobachten und erforschen können, bisher gänzlich versagt worden. Es geschah nicht aus einem einzigen, sondern aus gar mannigfachen Gründen. Nicht blos aus Judenhaß, sondern eben so häufig aus Judenfreundschast. Wie es scheint, lebt uns das Volk zu nahe, und wir gerathen und stehen zu demselben in zu vielfacher und unmittelbarer Berührung, um unbefangen und parteilos dessen Weisheit und Poesie zu würdigen. Es ist eine sonderbare Erscheinung, daß, während die de tsche Sprache so gefügig, der deutsche Geist so objektiv ist, so daß sich Alles verdeutschen laßt, jedes Wort, jeder Sinn — der deutsche Literat gar zu häufig keins von Beiden ist. Er kann sich selbst, seine Lieblingsideen, seine Gesinnungen sc. nicht vergessen, um sich der unbefangenen, poetischen Heiterkeit zu überlassen und in ihr die wahrhafte, rein geistige Lebenslust zu finden. Poesie an sich ist ihm nicht Tendenz. Selbst der edle Herder bearbeitete nur solche jüdische Sagen, die zufällig einen moralischen Sinn hatten. Kein Wunder, daß Andere noch weiter gingen, der Eine mit frommen Glaubenshaß sich bewaffnete, um gegen den Aberglauben zu Felde zu ziehen, der Andere seinen Freiheitssinn und seine Emancipationsideen bei jeder Gelegenheit entwickelt, und ein Dritter überall den Text zu nationalen Klageliedern findet. Gewiß erzeugt guter Partei-Wille in der Regel eben so viel Mißverständnisse, als böser. Es giebt aber auch eine Beschränktheit ohne Tendenz, die sich mit blindem Raisonniren begnügt, auf Unsinn und Lächerlichkeit Jagd macht und froh ist, wenn sie was gefunden zn haben glaubt, was noch alberner scheint, als sie selbst, und was sie sodann recht breit zu treten nicht verabsäumt. Diese Beschränktheit, verbunden mit Judenhaß, hat in der That elende Mißverständnisse zu Wege gebracht. Der Haß ist an sich giftig und die nationalen Anschauungen und Ansichten so zarter Beschaffenheit, daß man nicht erst mit wirklichem Gifte sich zu bewaffnen braucht, um sie zu vergiften. Ein einziges Beispiel mag genügen, wie viel dieser beschränkte Haß vernichten kann. In einem anonymen Werke „Juden und Rabbinen" wird folgendes Mährchen erzählt und verhöhnt, — was ein für allemal unrecht und unverständig ist; denn Unsinn und Tollheit werden nicht Volkspoesie, und was der Vater der Mühe werrh erachtet, seinen Söhnen, diese, ihren Kindeskindern zu erzählen, und was sich so forterbt von Geschlecht zu Geschlecht, muß seine Bedeutungen und Beziehungen haben, wodurch es glaublich, erzahlens- und hörenswerth Jahrhunderte hindurch bleibt —: Ein alter jüdischer Rabbi *) träumte oder sah den Tempel Zion im Himmel, welcher der Sage nach dem zerstörten Tempel zu Jerusalem völlig ähnlich war, und Gott selbst ging alle Morgen in diesen Tempel, wand sich die Gebetriemen um Stirn und Arme und sprach das Morgengebet, sagte aber statt: Gelobt seist Du, Ewiger, Herr *) Traktat - Berachot.

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