Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 38 (19.9.1843)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1843-09-19
- Page
- Spalte 593-594 (sequence 1)
- Language
- German
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studie» und Kritiken für Milche Geschichte und Literatur. JVi 38» Leipzig, den 19. September 1843» Kurze Anzeigen. Anaf Ez Abot. Sagendichtungen v. B. Schön feld. — Musar Haskel. Sittenlehre v. Demselben. Hundert und ein Sabbat. Von H. Schiff. — Gebet- und AndaclUsbuch von I. H. Jacobson. — Andachtsklange rc. Von H. Engländer — Die jüdische Gerichtsbarkeit in ihrer jetzigen Form. Mißstande in Altona. (Schluß.) — Lit. Analekten. Zur Etymologie des Wortes Pismon. — Lit. Nachrichten nnb Miscellen. Das Merkchen Ru ach Chen von einem unbekannten Tibboniden. Das Buch Jesod Mora v. Jbn-Esra. — Literarische Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 27. D'IIDD c'pü'D N,r|1 ' llllO'. tSagen-Dichtungc'n, aus der Midrasch-Literatur entnommen und in neuhebräifchen Dichtungen verarbeitet). Von Baruch Scho nfeld aus Seniz in Ungarn. Ofen, 1841. 8. Universitäts-Buchdruck erei (Selbstverlag des Verf.'s). In der deutschen vaterländischen Sprache war in der? srühern Zeit Herder der erste, welcher jüdische Sagen in den goldnen Schalen deutscher Dichtungsform dem Publikum l darbot; in der Neuzeit haben Veit, Krafft, Stein,! Lendlau, Schiff u. A. die jüdische Sagenpoesie in deut- | scher Sprache angebaut, die einzelnen Sagendichtungen unge-! rechnet, die von den verschiedensten jüdischen Schriftstellern j in Kalendern und andern Volksbüchern mitgetheilt wurden. - Aber die neuhebräischen Schriftsteller und Dichter haben merkwürdiger Weise zu dieser goldhellen unerschöpflichen Quelle nie ihren Weg genommen, so nahe auch dieser Sagenborn lag z nach den fremdartigsten unerquicklichsten Themen 'sah man seit den Meafsim die neuhebr. Dichter greifen, ohne daß Einer nach diesen echtnationalen Stücken die Hand ausstreckte. " Einzelne Versuche in den Meassim und in den Bikkure ha-Ittim können natürlich nicht in Betracht kommen. Um so erfreulicher ist es nun, daß £i\ Schönfeld die midraschischen Sagen zum Thema eines poetischen Merkchens ausgewählt, vorzüglich bei der trefflichen und geschmackvollen Bearbeitung derselben; er ist in dieser Beziehung nicht nur . der einzige Anbcmer dieser Gattung von Poesie im Neuhebräischen, sondern es wird auch einem Nachfolger auf diesem Gebiete schwer worden, sich eine Anerkennung zu verschaffen. Den Reigen der Sagendichtungen eröffnet der Vers., unter der Ueberschrift mit der Sage von Mirjam bat Recht am und ihren sieben Kindern, wie sie Ln Midrasch Echa und schon früher in den Büchern der Makkabäer erzählt wird. Diese Sage, die in der neuesten Zeit auch in deutscher Sprache eine vielfache Bearbeitung gefunden, wurde von Hrn. Sch. in episch-drammatischer Haltung in mehr als 309 Stanzen zur Darstellung gebracht, und eine solche Fülle von Formschönheiten, eine solche Reimmannigfaltigkeit dabei entwickelt, daß der Leser mit wahrem Vergnügen sich in dieses kunstvoll gezeichnete Gemälde versenkt. Dabei ist die Sprache so reich und sinnig, der Gedankengang so ruhig und faßlich, daß der Leser zum Verständniß keine Anstrengung zu machen hat. Aus diese Sagendichtung, die fast allein ein Werkchen für sich bildet, folgt eine Abtheilung : D'n'W D'^D DniDD überschneben, kleine Sagenpartien aus den Midraschim in den lieblichsten Dichtungsformen dargestellt. Diese sind: 1) "ijd'-, nach Schir rabba, beginnend W btt; 2) din rwyi, nach Beresch. rabba e. 5; 3) nach ibid c. 6; 4) rpHN Hlimn ibid. c. 54; 5) miNil ibid. c. 22; 6) rbyüb HD ZN nach Abot; 7) vom nach Schemot rabba 6. 10z 8) nach Schir rabba v. 3; 9) D^rnND nach Pirke Rabbi Elieser, und so noch 37 verschiedene trefflich bearbeitete Sagen. Daß auch die neuhebräische Sprache vielfach in diesen Sagendichtungen fortgebildet und bereichert erscheint, ist schon bei dieser Gattung, deren Quelle die Hagada, natürlich, aber der geschickte Vers, wußte auch, ohne im Entferntesten dem Sprachgenius zu nahe zu treten, die schönsten Gestaltungen zu schaffen oder zu benutzen, z. B. rnyp? S, 6; für nach wa-Iikra rabba 12 u. so viele andere, und nur selten hat sich ein ganz fremdes Wort, wie Gärtner, eingeschlichen. Rcf. kann diese Sagendichtungen des Hrn. Schön feld nicht genug den Liebhabern, der neuhebräischen Muse empfehlen; die Neuheit dieser Gattung, der echtnationale Geist, der durch dieselben weht, ma- 38