Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (12.9.1843)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Spalte 587-588 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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587 Amtsantrittspredigt. — Oriental. Blüthen. 588 Hr. S. manche Wahrheit aus, welche die jüdischen Gelehrten längst gefühlt, nur ziemt es sich nicht, daß er, der erst nach einem Plätzchen in der Gelehrtenwelt ringt und kämpst, mit jener Patronenmiene auftritt. 11 Proben rabbinischerWeisheit von J.N. Mannheimer. Diese Proben sind aus demselben Geiste und Streben hervorgegangen, als die poetischen Nachbildungen von Sachs, und obgleich diese in Prosaform dem Publikum dargeboten werden, so sind sie doch in ihrer äußern Erscheinung eben so schön und gefällig und unterscheiden sich von jener nur darin, daß diese mehr das Ethischpraktische, jene hingegen mehr das Poetischgemüthliche zum Thema haben. Das Vorwort ist sehr schon und gut geschrieben. Die noch übrigen, wie 12) Persische Legenden von Dr. L. Frankl; 13) Alles führt zum Guten. Sage nach dem Talmud, von M. E. Stern, und 14) Das Winzerfest zu Siloh. Nach einer Sage der Vorzeit, von M. Lettecis, sind vortreffliche poetische Beigaben, welche das Jahrbuch zieren. Die Muse des Hr. Frankl ist bekannt, und in der orientalischen Legendengattung, glaube ich, hat er sich schon früher versucht und die Versuche sind m.t Beisall ausgenommen worden. Was die talmudische Sage von Stern anlangt, so hat freilich die Poesie nicht den lyrischen Schwung, wie bei Frankl, aber dieser Mangel wird reichlich ergänzt durch das Gnomen- und Sentenzengold, welches durch die ganze Dichtung schimmert. Von Hrn. Letteris lese ich zum ersten Male deutsche Verse und wahrlich sie geben seinen Hebräischen Nichts nach. Wie.in seinem Schelom Esther so ist hier die poetische Diktion so sauber und rein, so ohne alle Affektation, die Phantasie so rührig und doch nicht überschwänglich, daß seine Dichtung gegen die bloße Nachahmung Rückerts bei Sachs ungemein absticht. — Wie im vorigen Jahrgänge folgen nun zum Schluffe Personalchronik und Nekrologe, aus dem „Orient" und der „A. Z. des Judenthums " entnommen. Aus dieser kurzen Darstellung des Inhalts werden meine geehrten Leser ersehen, wie reichhaltig das Jahrbuch ausgefallen, und wenn dadurch erreicht worden, daß die Redaktion in ihrem Streben zu immer größerer Vervollkommnung angespornt werde und daß das kaufende und nichtkauftnde Publikum diesem Unternehmen eine größere Aufmerksamkeit schenke, so ist der Zweck dieser Darstellung erreicht. 22. Es ist Zeit zum Handeln! Amtsantrittspredigt gehalten am 24. Juni 1843 in der Synagoge zu Weilburg, von S. Süskind. Weilburg, 1843. 8. L. E. Lenz. Die jüdischen Gemeinden des Herzogthmns Nassau schreiten still und ruhig auf dem Wege der Reformen fort und Weilburg macht keine Ausnahme. Die Predigt ist eine echt resormatorische. Oie drei Sätze sind: 1) Das Verhältniß, in welchem unsere Religion zu denen steht, die sich zu ihr bekennen, um daraus zu ersehen, daß es Zelt sei zum Handeln. 2) Die Quellen, durch welche dieses Verhältniß herbeigeführt wurde und 3) die Mittel und die Art, wie wir zu handeln haben. Die ganze Ausarbeitung entspricht diesen Sätzen, obgleich die Sprache zuweilen noch nicht immer durchgebildet erscheint. Das Hebräische in derselben ist nicht korrekt. 23. W) bm dwi ü'Wün non n^h * Dip hid : ü.Tmnj/i on^monbo droyo nnsw pjrü onDJi nw Auch mit dem deutschen Titel: Orientalische Blüthen. Enthält 52 Fabeln in Versen und zwei Heldengedichte, Gideon und Jiftach, in hebev Sprache von Binjamin Ke wall. Wien, 1843. 12. v. Schmid u. I. I. Busch.. Hr. K. hat die neuhebr. Poesie mit einem schönen und lieblichen Werkchen bereichert, denn Nichts ist an den Blüthen des Morgenlandes auszusetzen. Die Sprache ist korrekt und fließend, die Versisikarion geschickt und zuweilen meisterhaft, und wenn wir zwar gewünscht, daß die kleinen historisch-poetischen Gemälde Jiftach und Gideon mit dem pompösen Namen „Heldengedichte" nicht hätten belegt werden sollen, so trifft das doch nicht den Kern der Erzählungen selbst. Was die Abtheilung der Fabeln anlangt, die sehr sinnig und sprachrichtig eviW d^WDD D^ItfO überschrieben ist, so ist die Oekonomie in Etwas abweichend von der im Neuhebräischen gewöhnlichen Weise, nämlich darin, daß die aus der Fabel gezogene Epigrammatie oder Gnome gleichsam als Thema noch vor der Ueberschrift steht, und diese theils aus einem oder mehren sehr paffend gewählten Bibelversen, in ihrer Ursprünglichkeit oder dem Zwecke gemäß verändert, theils in Witzsprüchen, Sätzen oder Phrasen bestehen, die aus der Fabel ihre Deutung finden. So z. S3. -jvpyn, IHN pp DN IHN WA fcW), wo die Pointe in dem Komma liegt, oder ’S1? teil, Mllp oder der Uebersetzer hat.eine eigene den biblischen treffend nachgeahmte dazu erfunden. Dergleichen Fabeln enthält das Büchlein 52, von denen bis aus einige selbsterfundene alle den Aesopischen treu nachgebildet sind. Was Hr. K. in einem deutschen Vorworte über die Fabel im Allgemeinen und die hebräische insbesondere in deutscher Sprache sagt, sinder Ref. schon durch den Pathos des Vortrags sehr unnütz und zuweilen ganz unrichtig. Die neuhebr. Sprache hat mehr als die btt/D von dieser Gattung der Poesie, und nicht nur sind schon so viele Fabelsammlungen übersetzt, z. B. Lokmlln's Fabeln aus dem Arabischen, die meisten der deutschen und französischen Fabulisten, sondern auch Originalfabeln haben sich viele erhalten; aber darin hat Hr. K. ganz recht, daß dergleichen Fabelsammlungen geeignet seien, Sinn für die hebräische Sprache, sowie Belehrung und Aufklärung zu verbreiten. Ref. hat in den Fabeln Faßlichkeit, Einfachheit und Hebräismus gefunden, und den meisten fehlt auch nicht die epigrammatische Pointe; allein wenn der Vers, meint, daß es ihm möglich gewesen, den mron beizubehalten, so war er im Jrrthume. Schon die Ueberschriften, wie nte™, n’p teN, jsnp, ^nn, nisrw sind theils in ihrer Form theils ganz und gar nicht althebräisch, und Ref. findet es auch abgeschmackt, wenn einige neuhebräische Schriftsteller so sehr darauf pochen, daß sie jeden nachbibli-