Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (12.9.1843)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Spalte 585-586 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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585 Wiener Kalender und Jahrbuch. 586 für alle Lage des Jahres einmal die bekanntesten jüd. Namen stehen sollen. Was die Beilage zum Kalender anlangt, so sind sie namentlich für die österreichische jüdische Bevölkerung sehr nützlich; indeß wenn der Kalender auch außerhalb Oesterreich eine große Verbreitung finden sollte, so würde auch hier die Wahl aus dem allgemein Nützlichen geholt werden müssen. Ich komme nun zu dem eigentlichen Inhalte des Jahrbuches, und' dieser besteht aus folgenden Stücken: 1) Rückblick aus das Jahr 1842 von Dr. L.. Philipps o n. Diese historische Schilderung der Ereignisse des Jahres 1842 in Bezug auf Juden ist sowohl an Umfang (sie umfaßt 54 Seiten), als auch an Gehalt der schönste und ansprechendste Schmuck des Jahrbuches, und Keiner wird diesen Rückblick unbefriedigt beiseit legen. Was bei anderen Piecen schon bei einer Starke von einem Bogen ermüdet, das regt hier, eben durch die Macht der historischen Wahrheit, bei drei Bogen Stärke noch an, -und es wäre im Interesse der Verlagshandlung auch wirklich zu wünschen, daß auch im Uebrigen das Gebiet der historischen Skizzen mehr beachtet werden möge. Das Einzige, was Ref. an dem Rückblicke auszusetzen hätte, ist, daß der Abdruck von Aktenstücken, hier z. B. das Cirkular über die Juden in Algier, die Adresse der Gemeinden zu Kingston und die Antwort darauf, die niederländischen Dokumente über die Juden, die russischen Ukase u. s. w. in demselben nicht stattgefunden wäre. Der Zweck des Rückblicks ist eine pragmatische Durcharbeitung der jüdischen Geschichte eines Jahres, und dazu dürfen die Aktenstücke nur verarbeitet erscheinen. Wollte man Aktenstücke abdrucken lassen, so würde das ganze Jahrbuch kaum dazu hinreichen, da Niemand so unbescheiden sein wird, diese oder jene Aktenstücke für unbedeutend zu erklären. Was die Form anlangt, so ist sie schon ohnehin nicht ungefällig und die Zeit wird auch diese Form noch vervollkommenen. 2) Kurze Geschichte der isr. Gemeinde zu Wien seit dem Jahre 1784. Ein Aktenstück mitgetheilt von Dr. I. Auerbach. Schon im vorigen Jahrgänge hat Hr. I. Wert heim er Einiges aus der Gemeindegeschichte mitgetheilt, was man auch im Auslande mit vielem Vergnügen gelesen, aber die eigentliche Geschichte folgt erst hier, nach den Mittheilungen des nun verblichenen Hrn. M. L. Biedermann, der seit 1806 Vorsteher war. Die Wiener Judengemeinde ist noch sehr jung, da nach der 1670 erfolgten Austreibung ein großes weißes Blatt für die Gemeinde im Buche der Geschichte ist; aber selbst in diesem Falle wäre es noch sehr zu wünschen, daß noch ein Gebildeter daselbst es unternehme, über die erste Gründung dieser neuen Gemeinde und die Statistik derselben, von Jahrzehend zu Jahrzehend seit ihrem Bestehen, eine Skizze zu schreiben , zumal sollte dieses Hr. Mannheimer Lhun, da in jedem Falle ein solcher Beitrag von ihm besser ausgenommen werden würde als Erbauungen, die man hier nicht sucht. Auch die frühere Geschichte der Judengemeinde zu Wien, so wie ein Berzeichniß der gelehrten Vertriebenen die gerade sehr bedeutend sind, würden für das Jahrbuch passen, und wie es dem Ref. scheint, hat Hr. M. gewiß Muße genug, um mit Geschick dergleichen Arbeiten für seine Gemeinde zu fertigen. 3) Ueber einige neuere wohlthätige Veranstaltungen innerhalb der isr. Gemeinde zu Lemberg. Ueber diesen Bericht, den wahrscheinlich die Vorsteher selbst veranlaßt, muß der Leser des Jahrbuchs, wenn er zugleich die jüdischen Blätter gelesen, sich sehr wundern. Der Vorstand scheint gar nicht zu wissen, daß dieser Bericht schon in den jüdischen Blättern gestanden, denn sonst würde er dem Publikum etwas Besseres aus der Gemeindegeschichte mitgetheilt haben; aber jüdische Vorsteher, namentlich solche einer so großen und wichtigen Gemeinde, sollten doch die wichtigsten Erscheinungen des Judenthums, wozu eben die Blätter gehören, lesen. 4) Zur Charakteristik berühmter Zeitgenossen. Michael Creizenach. von Dr. Jost. Schon aus dem vorigen Jahrgange ist das Darstellungstalent solcher Charakteristiken bei Hrn. Dr. I. bekannt und kein Leser wird daran zweifeln, daß vorliegende, welche seinen wärmsten ausgezeichneten Freund schildert, noch viel besser ausgefallen, zumal in derselben Creizenach's Wirken und Lhätigkeit in Verbindung mit den Bestrebungen der Zeit gestellt worden. 5) Pia Disideria von I. Werthheimer, eine Forts, dieser Rubrik im vorigen Jahrgange. Darüber wie überhaupt über die Lhätigkeit W/ß läßt sich nur Gutes sagen. 6) Mose und Jethro, eine Predigt von Dr. Salomon. Die Predigt gehört nicht hierher; das Jahrbuch ist kein Predigtmagazin. So ausgezeichnet Hr.Dr. S. als Prediger ist, so hätte er zu einem solchen Buche aus dem reichen Schatze seines Wissens wohl eine andere Gabe spenden können; da er gewiß noch keinen christlichen Kalender gesehen, worin Predigten stehen. Dies war auch im vorigen Jahrgange der Fehler von Mannheimer. Es wäre eine Pflicht der Redaktion, darüber zu wachen, daß das Jahrbuch seinen Charakter als Unterhaltungsbuch behalte. In dieselbe Kategorie gehören: 7) Lhefillin, eine Betrachtung von Dr. Zunz, und 8) 2Cn die Jugend Israels von Dr. Saalschutz. Denn so gut und gediegen die Arbeiten an sich sein mögen, so dürften doch dergleichen fromme Ergießungen, die für Andachtöbücher die werthvollsten Beiträge.sein mögen, hier keinen Platz finden. 9) Glück und Wissen. Novelle von Isidor Heller. Ein wunderschönes Gemälde aus dem jüdischen Leben, das die Leser der Jahrbücher mehr änzieht und bildet, als ein Dutzend religiöser Betrachtungen, wenn sie auch von Männern kommen, wie die vorherstehenden. 10) Zur Charakteristik des Judenthums, seiner und seiner Lehrer v. Dr. Sachs. Eine sehr werthvolle Sammlung von poetischen Bearbeitungen midraschischer Hegada's, wie sie K r a f f t, Stein, Len d lau u. A. schon früher mit großem Glücke versucht, und obgleich der Bearbeiter den erwähnten Männern in Bezug auf Geschmack und Gewandtheit in der poetischen Form sehr nachsteht, obgleich die Sprache oft sehr hart und barbarisch erscheint und der Mangel an poetischen Anschauungen oft bei dem Leser ein unbehagliches Gefühl zurückläßt, so ist doch diese Gabe dem Jahrbuche ganz angemessen. In der Vorbemerkung, welche diese Bearbeitungen einleitet, spricht