Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 36 (5.9.1843)
- Article
- Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
- Date
- 1843-09-05
- Page
- Spalte 565-566 (sequence 3)
- Language
- German
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.565 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. 566 in den Augen Gottes der Tod seinerFrommen." Der Ausdruck bedeutet hierwie in allen andern Stellen, gravis, schwer, wichtig, theuer; die jüdischen Kommentatoren übersetzen es mit nttfp, ebenso Ps. 49. cti/Dj Ep''), und 92, 14* ODE ‘np'»'i. Der Sinn der Stelle: Theuer ist in den Augen re. ist daher: Gott läßt die. Frommen nicht so leicht dahin sterben, sondern erhält sie lange am Leben. Herrn Gh. hingegen bedeutet -,pi, kostbar, hoch angesehen, lieblich, angenehm. Er fragt daher: Wenn der Sinn dieser Stelle wäre, daß Gott die Frommen am Leben erhalte, so müßte hier stehen: Kostbar ist das Leben seiner Frommen, da aber gerade das Gegentheil gesagt wird, „kostbar ist der Tod", so schließt Herr Gh., daß hier von einem Opsertod die Rede sei, der Gott so süß und angenehm, so lieblich und kostbar sei. Unter TOP1, pius? sanctus, will aber Herr Gh„ aus dem ihm eigenen Wahrsch einli ch k ei ts ge fühl, die Erstgebornen verstehen, und der Psalmist rede von dem Opfer eines Kindes, das er in Zeit der Noth gelobt hätte; hierauf deute der Vers vyU! Wir wollen in die Monomanie des großen nürnberger Exegeten noch weiter eingehen, da dieses bei solchen Kranken zuweilen das einzige Heilmittel ist, und hinzufügen, daß eben so wahrscheinlich, wie die Talmudisten unter der angeführten Stelle „der Tod der Gerechten sühne die Sünden ihrer Zeitgenossen" den Opfertod eines Frommen verstehen, eben so wahrscheinlich ist auch der Sinn der Stelle PO2M p-, no bm nipri'n “im o'pnü px" (Sabb. 34), daß auch der Opfertod der Kinder die Sünden sühne! Wir erlauben dem Verf., bei einer zweiten Auflage seines gekrönten Werkes, auch von dieser sinnreichen Erklärung Gebrauch zu machen. Nachdem Herr Gh. alle Nationen und Völker, die Menschenopfer gebracht hatten, aufgezählt hat, geht er zur nähern Untersuchung der semitischen Gottheiten über, in deren Dienst die Menschenopfer am Gebräuchlichsten waren, nämlich Baal und Moloch. Diese beiden Gottheiten waren im Mosaismus unter einem Wesen, einem Götterbilde vereint. Selbst in den Zeiten, wo sich die Bezeichnung Baal und Moloch in Sonnengott und Saturn trennten, bliebe Iah Sonne und Saturn zugleich, schaffender und zerstörender Gott (S. 163), und wurde zug estandenermaaße n (?) (S. 125) unter dem Bilde des Stiers und der Sonne (S. 148) verehrt. Die Verkörperung des idealen Iah und die Anbetung desselben in dem Bilde der Sonne ist, nach Herrn Gh., so wahr und fest im Mosaismus begründet, daß alle deutliche Worte und Stellen der h. S., die Gott als ein absolutes identes Wesen darstellen, Abänderungen der Reformatoren sein müssen. Das zweite Gebot in den Zehngeboten, die Lehre in Deut. 4, 19 „daß du nicht erhebest deine Augen gen Himmel und sehest die Sonne und den Mond und die Sterne :c." müssen von späterer Hand in den Pentateuch eingeschwärzt worden sein, weil Hr. Gh. an andern Stellen, die das unverkennbare Merkmal der mosaischen Abfassung an sich tragen, eben so bestimmt, eben so deutlich, Iah als Sonn eng ottt gefunden hat. In Num. 25, 4 heißt es nämlich: „Und Gott sprach zu Mose; nimm alle Häuptlinge des Volks und hänge sie auf Gottes wegen vor dem Angesicht der Sonne". Iosua ließ die aufgeknüpften Könige den Tag über hängen, und am Abend nach Sonnenuntergang abnehmen (Jos. 10, 2b). David befiehlt (2 Sam. 21) die Nachkommen Sauls vor Iah, d. r., vorder Sonne zu hängen. Dem nürnberger Exegeten sind , -jjjj demnach Ausdrücke, die nur die körperliche Gegenwart dessen bezeichnet, vor welchem etwas geschieht. Wenn es daher bei Nimrod heißt: (Genes. 10, 9) „Er war ein gewaltiger Jäger vor Iah, -n so mußte auch hier, au die körperliche Gegenwart Iah's, die Sonne, gedacht werden, was aber dieser Stelle keinen Sinn geben würde. Der Ausdruck ^2^, vor, bedeutet aber nirgends im wirklichen Sinne, vor dem Angesichte Gottes, sondern nur vor Gott, im Angesicht Gottes, in der uneigentlichen Bedeutung. Bei den religiösen gottesdienstlichen Handlungen, wo dieser Ausdruck fast immer vorkommt, bedeutet er, daß diese Handlungen im Namen und zur Ehre Gottes geschehen sollten. Wir finden daher auch den Ausdruck in Stellen, wo durchaus nicht an die Gegenwart eines Idols gedacht werden kann; 3. B. (5 M. 24, 13) npny rpnn Ei, (4 Mos. 32, 21-27). Der Ausdruck t^D^n 1JU heißt ebenfalls so viel als offen, frei, in der Gegenwart aller, parallel mit dem Ausdruck nr.i dph osrjn; b B- (2 S. :i2) rossn -cnn >wyN \3NnnD3rwy nnu o, hnm i.ui btori b mn. Diese einseitige und unrichtige Anwendung des Ausdrucks vjd1? und -ui geht als Hauptargum e n t für des Verf's. sinnliche Theorie das ganze Werk hindurch (S. 315, 317, 439, 530, 33—70); wir beschränken uns auf das hier Gesagte, und werden den lästigen Wiederholungen des Verf's. nicht folgen. So wie der Vers, die semitischen Götzen Baal und Moloch mit Iah identisicirt, so spielt auch bei ihm das Bild des Baals, das man in der Gestalt eines Phallen, als Sinnbild der schaffenden Naturkrafr verehrte, im Iah-Kult eine Hauptrolle. Selbst nach dem Exil, sagt Hr. Gh., fanden sich nach dem Zeugniß Herod. 2, 102, 106, noch solche Phallen in Palästina häufig vor, die daher kein günstiges Licht auf den Iah-Kutt der Hebräer werfen. Der König Sesostris habe nämlich in den Ländern, welche er unterwarf, Säulen gesetzt, und darauf bemerkt, ob ein Volk tapfer sei over nicht; bei Völkern, welche sich feig gezeigt, habe er an der Säule ein weibliches Schamglied einzeichnen lassen. In allen Lände r n seien diese Säulen verschwunden, aber in Palästina ständen sie noch und zwar mit weiblichen Schamgliedern. So der Vers. Herodot sagt aber: Von den Säulen, welche Sesostris in einer jeden Landschaft gesetzt hat, sind die me isten noch zu sehen. In dem syrischen Pa- 36*