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Der Orient · 1843-09-05 · 36 (5.9.1843) · p. Spalte 563-564

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
36 (5.9.1843)
Article
Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
Date
1843-09-05
Page
Spalte 563-564 (sequence 2)
Language
German
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563 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. einer Sühne, da durch sie, wenn vorsetzlich, entweder die Sitten verletzt, oder das Bundes-Verhältmß zwischen Gott und seinem Volke aufgehoben worden wäre, wie z. B. durch Blutschande, Ehebruch, unnatürliche fleischliche Vermischung, Götzendienst, Entweihung des Sabbats und des Versöhnungstages und Verletzung der gesetzlichen Bestimmungen des Opferkultus (Maimonid. Hilch. Schegagot e. 1). Bei den Talmudisten ging die Idee der Sühne beim Opserkultus so weit, daß selbst das priesterl iche Ornat gewisse unvorsätzltche Uebertretungen versöhnen sollte13)♦ Ein eigentliches Versöhnen vorsätzlicher Vergehungen und Verletzungen der gesetzlichen Vorschriften im Verhältniß zwischen Gott und Mensch konnte aber nur durch Reue und Gebet bewirkt werden. Wir lesen daher in der h. S., daß Moses wegen der Vergehung seines Volks zu Gott b etete, aber kein Opfer brachte; auch zu Samuel sagte das Volk: (1 Sam. 12, 19) „Bete zu ®oU", aber nicht: „Opfere unserem Gotte". Der Talmud zieht daher an vielen Stellen das Gebet dem Opfer vor IS), denn nur durch Reue und Gebet kann, nach jüdischer Vorstellung, der Unwillen Gottes versöhnt werden, aber nicht durch die noch so zahlreichen Opfergaben; in diesem Sinne sprachen sich auch alle Propheten, zu allen Zeiten, aus. Ebenso finden wir'in der heiligen Schrift nur Gebet, wenn Rettung aus der Noth oder Erfüllung eines Wunsches von der Gottheit erfleht werden sollte. Ist aber der Wunsch in Erfüllung gegangen, und die Rettung erlangt, dann erst werden Dank und Freude-Opfer als öffentliche Manifestation des .Dankgefühls dargebracht; bei dieser Opfergattung tritt daher, als besonderes charakteristisches Merkmal der Verbindungs- und Gemeinschafts-Idee, das Theilnehmen des Opfernden und seiner Angehörigen an der Mahlzeit hervor. Nach diesem System ist es erklärlich, warum der Talmud das Studium des Gesetzes höher als den Opferdienst hält, weit hier, durch die geistige Lhätigkeit und durch das Versenken der Seele in die geoffenbarten Gottesgedanken, die sonst durch den Opferkultus zu erzielende Gemeinschaft auch ohne denselben bewirkt wird (Währ II. 222). Ebenso läßt sich auch die Identität des Begriffes des Opfern s mit dem des Anbetens erklären, und daher ist als allgemeiner Grundsatz angenommen, daß nach der Zerstörung des Tempels das Gebet die Stelle des Opferns vertrete^). 18) Sebachim 88; Menachot 15; Joma 7. 19) numpn P nten r6ru Eerach. 33. Diesem widersprechen aber andere Stellen, die den Opferkultus dem Gebete vorziehen z. B. (Midrasch zum Hohenliede S. 46) ny&so riünp non ntra jrm rpn ibx,, übiyn pN" Ferner mimpto mpö rpnnwyD imxi? numpn by x'px “Oy" (Ierusch. Lacmit 4). . Es wäre wohl durchzuführen, daß die babylonischen und palästinensischen Rabbinen sich in diese divergirenden Ansichten (heilen. 20) Megilla 31b. Schemotrabba 6.38. ddd fi^püiN M^x Dnm N^X nttmp X1?) D^nnr X1?". Es kann daher nicht genug gerügt werden, daß, während die gemaristischen 5«4 Wir glauben durch die Aufstellung dieser Systeme genügend dargethan zu haben, daß diese Ansicht am Meisten, des Verst grobsinnliche Vorstellung vom Opferkultus aber am Wenigsten im Mosaismus begründet ist. Dem Vers, reichte aber -in antropopathisches System allein noch nicht aus, um die Menschenopfer daraus abzuleiten, er mußte daher noch eine andere Einsicht zu Grunde legen, und zwar den Glauben an die sühnende Kraft des Blutes. Diese Vorstellung, sagt er (S. 106), ist es, welche die Menschenopfer bei Heiden und Juden am Längsten erhielt. In der h. S. keinen Beleg dazu findend, mußte der Vers, eine Stelle aus dem Buche Sohar, die er so glücklich war, von Gfrörer citirt zu sehen, anführen. Dort heißt es nämlich, „Der Tod der Gerechten sühnt die Sünden der Welt". Wir finden aber so wenig Beweisliches in dieser Stelle, daß wir keinen Anstand nehmen, Herrn Gh. noch zwei andere Quellen zu entdecken, die mehr Autorität als der apokryphische Sohar haben und dasselbe sagen, nämlich: Sabbat 33d und Moed-Katan 20a (desgl. Raschi zu Ketubot 8 b). An allen diesen Stellen ist aber nicht vom Opfertod, sondern vom natürlichen Tod des Frommen die Rede«. „Die Vorstellungsart des Alterthums", sagt Rosenmüller, „konnte es nämlich mit der Gerechtigkeit Gottes nicht vereinigen, daß sie einen Menschen, ohne alle Ursache sollte leiden lassen. Entweder mußte sein Leiden die Strafe eigener Vergehungen sein; oder es hatte der Gottheit gefallen, die Strafen fremder Vergehungen auf ihr zu laden, Andere Strafen ihn, einen Unschuldigen, büßen zu lassen". Im Talmud Sabbat 55 b findet sich sogar eine Kontroverse, ob der Tod die Folge einer begangenen Sünde sei, oder nicht. Auch in der h. S. deuten so manche Stellen auf diese Vorstellungsart hin, (Ies. 43, 5; Dan. 11, 10), die nur für die christliche Dogmatik von besonderer Wichtigkeit sind. Die Frage, ob solche Stellen, im eigentlichen Sinne zu nehmen seren, oder blos bildlich, tropisch oder allegorisch, ward verschieden beantwortet. Gesenius in Ies. Hl. S. 188 nimmt diese Stellen im eigentlichen Sinne auf, worauf die Analogie der Opfer führe, bei denen, nach Ges., die Vorstellung einer Stellvertretung zu Grunde liege. Es siel aber noch nie einem Vertreter dieser Ansicht bei, zu sagen, daß im eigentlichen Sinne des Worts die Frommen von ihren Zeitgenossen zur Sühne geopfert wurden. Ganz analog mit dieser seltsamen Deutungsmeise erklärt der Vers. (S. 568) die Stelle im 116. Psalm: „Theuer ist Rabbinen dem Gebete einen so offenbaren Vorzug vor dem Opferkultus einräumen, das Gebet um Wiederherstellung des Opferkultus noch immer dem gottesdienstlichen Ritus einverleibt bleibt. Hat denn etwa die Stelle im Midrasch rab. Äbsch. 3ent), „rrray “vom!? ravin '&h -oiyb j«jd 'Ul nsn Nro-D Nin p numpi'' mehr verbindende 2Cutos rität, als die Stellen, die eine entgegensteheride Ansicht vertreten?

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