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Der Orient · 1843-09-05 · Heft 36 (5.9.1843) · p. Seite 282

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 36 (5.9.1843)
Article
Hamburg
Date
1843-09-05
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 namentlich gar zu leicht einer einseitigen Auffassung der , Dinge oder einer bittern Polemik den Zutritt eröffnen. Gut wäre es daher, wenn die Mitglieder gewisse Themata zu Vorträgen, namentlich auch Kritik der neuesten Literaturerscheinungen und fortlaufende Länderübersichten rc. in Vorschlag brächten und die Gesellschaft dann entweder die Anerbietungen der Einzelnen, solche Darstellungen zu übernehmen, annähme oder dieselben nach freiem Ermessen an die dazu Berufenen vertheilte. — Es versteht sich, daß auch vorurteilsfreie Christen, wenn auch zuvörderst nur als Gäste eingeführt, willkommen waren, nur getaufte Juden müßten, um jede Reibung zu vermeiden, fern gehalten werden. Das Voranstehende dürfte übrigens nur einen unmaaßgeblichen und dürftigen Umriß geben, dem überall Männer, die von Gemeingeist beseelt sind, die passende Ausführung geben mögen. — Daß ein Zusammenstehen und Zusammenhalten Aller, die ohne Selbstsucht das Wohl ihrer Glaubensgenossen im Auge haben, gerade jetzt noch thut, lehrt schon ein flüchtiger Blick auf die jüdischen Wirren in Deutschland. Lassen wir das Wichtigste gleichsam in einem Städtepanorama vor uns vorüberziehen. — In Frankfurt a. M. tritt die Gestaltung des von Dr. Creizenach projektirten Vereins in den Vordergrund. Am Entschiedensten soll Dr. Stern in Göttingen sich über die Zukunft der jüd. Lehre ausgesprochen haben; von Dr.. Creizenach's eigener Ansicht wissen wir bis jetzt Nichts, sind vielmehr auf das bald erscheinende Nemoire desselben angewiesen; Dr. Rießer ist, wie immer, loyal und offen hervorgetreten, nachdem ihm von zwei Seiten her, dort durch vorschnelle Veröffentlichungen und durch unverantwortliche Verheimlichung der in den letzten Monaten anderweitig geschehenen Schritte, hier durch die Annahme seiner näheren Betheiligung an einer solidarischen Verbindung gegen das traditionelle Erbtheil des Judenthums nach seinem ganzen Umfange, eine Doktrin aufgedrängt worden war, zu der er sich nur in geringem Maaße bekannt hatte und mit der schon seine Stellung zum Hamburger Tempelverein kollidirt. — In Hamburg selbst sind, die Elemente des Zwiespaltes, die anderwärts in vollem Aufruhr begriffen sind, glücklich überwunden; Jeder -kann da ungescheut seiner Fahne folgen, und so haben sich denn die Parteien naturgemäß von einander abgesondert, wodurch dem innern Konffikte vorgebeugt ist. — Ueber eine bevorstehende Erweiterung des hebr. Unterrichts in der israel. Freischule, über die jetzt blos Gerüchte mitgetheilt werden konnten, werde ich, sobald sie wirklich erfolgt, Ihnen Näheres mitcheilen. — Die Spannung in Breslau dauert fort. Die Orthodoxen wollen den Sohn des verstorbenen Tiktin zum Rabbiner; so lebt denn der alte Streit von Neuem aus und die Indifferenz verstärkt sich dadurch sichtlich. So beklagenswerth aber auch die dortigen Ereignisse find, so haben sie doch die Nothwendigkeit einer baldigen Lösung der Fragen über Lehr- und Gewissensfreiheit im Judenthum zum Bewußtsein gebracht, und eben dadurch auf weitere Kreise wohlthätig eingewirkt. Schon aus diesem Beispiele ersieht man, wie sehr B. Bauer im Jrrthum ist, wenn ec behauptet, die Juden hielten ihre Religion für ein noli nie längere. Dies ist so wenig der Fall, daß sie vielmehr durch die- Anregung ihrer Differenzpunkte auch die Behandlung aller theologischen und socialen Zeitfragen fördern. — In Berlin scheint von einer neuen Rabbinerwahl nicht mehr die Rede zu sein. Man wünscht dort erst die politische Gleichstellung der Juden herbeigeführt zu sehen; daher sind alle Blicke erwartungsvoll auf das Erscheinen des Landtagsabschiedes für die Rheinprovinz gerichtet. Die lange schlummernde Thätigkeit der Berliner Juden für die Emancipalion hat jetzt wieder in erfreulicher Weise begonnen. Besonders schätzenswerth sin) Freunds hierhergehörige Leistungen. Auch Marheinecke sott in seiner Reichsjubiläums-Predigt seine Zuhörer zur Beförderung der Emancipation in dem Geiste der rhein. Stande ermahnt haben. — An verschiedenen Orten ist das tausendjährige Bestehen Deutschlands als eines besonderen Reiches auch in jüdischen Gemeinden durch Predigt rc. gefeiert worden; so in Berlin unter Leitung des Hrn. Oettinger, in Magdeburg durch Hm. Rad Philippson, in Bonn durch den Rabbiner Hrn. Dr. Auerbach, der deshalb einen besonderen Aufruf an den Konsistorialbezirk erlassen hatte, durch Hm. Dr. Jsaaksohn in Köln, durch den Rabbinatskandidaten Hrn. Dr. Ben-Israel in Coblenz rc. — In Posen ist Hr. S. Pleßner definitiv als Prediger ausgenommen. — In Minden soll nach der Bremer Zeitung eine Petition der Bürgerschaft an den König um Nichtemancipation der Juden zurückgewiesen worden sein. Wir glauben nicht, daß es der bessere Theil der dortigen Bürgerschaft gewesen sei, der einen solchen Schritt unternommen har; dem widerspricht schon der Umstand, daß seit Jahren dort ein Jude, Herr Levysohn als Stadtrath fungirt. Es ist vielmehr anzunehmen, daß dies neue Umtriebe desselben Auditeurs Herrn Marcard sind, der sein auf dem Lager gebliebenes Buch gegen die Juden, für das er in echt jesuitischer Weise ein anlockendes Aushängeschild und einen den Juden günstig klingenden Titel wählte, jetzt gratis vertheilt und u. A. an den König von Hannover und den Kabinetsminister Herr v. Scheele versandt hat. — Rühmliche Anerkennung verdient dagegen der Eifer, den Hr. Dr. Burgheim aus Herford, Architekt und Direktor der Bauschule in Minden, der sein in zweiter Auflage (1843) erschienenes Lehrbuch der Geometrie den Herren Doktoren Steinheim und Rießer gewidmet hat, der Sache seiner Glaubensgenossen weiht. Sein Leben bietet ähnliche Erfahrungen, wie das des Bauinspektors Sachs in Berlin. So ward ihm der Titel eines Baumeisters versagt,

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