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Der Orient · 1843-08-22 · 34 (22.8.1843) · p. Spalte 531-532

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
34 (22.8.1843)
Article
Die Beschneidung und ihre Gegner
Date
1843-08-22
Page
Spalte 531-532 (sequence 2)
Language
German
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531 ' Die Beschneidung oder eine unerhörte Nachlässigkeit. Exod. 12, 44'u. 48 heißt es: Kein-Fremder solldavon (von dem Osterlamm) essen. Und jeder männliche Knecht (oder:.Knecht eines Mannes), der für Geld gekauft ist, den beschneide, dann darf er davon essen. -Und wenn ein Fremder sich bestach aufhält — — so soll bei ihm beschnitten werden alles Männliche, dann darf er sich nähern es darzubringen — kein Unbeschnittener soll davon essen." Da ist die Beschneidung mehr als erwähnt, sie ist ausdrücklich gefordert und vorgeschrieben, und es bleibt dabei dem Verfasser nicht'die Ausflucht, daß von einem bloßen Herkommen die Rede sei, was wir übrigens auch bei der von ‘ ihm benutzten Stelle-nicht zugeben möchten; wir sehen durchaus keinen Grund, warum "^8} DTR) nicht ebensogut imperativisch genommen werden solle, als das vorhergehende Futurum HDEpFV und das nachfolgende wie es auch die Uebersetzungen von Luther, Mendelssohn, de Wette und Salomon auffassen, so daß der Verf. mit seiner „richtigen Erklärung" wohl ziemlich allein stehen würde. Also ist die Behauptung des Verfassers: „das Gebot der Beschneidung kommt gar nicht vor" erschlichen; zweimal ist zuviel, um gar Nichts , zu sein. Die Beschneidung ist ein mosaisches Gebot, und daß Moses dieselbe nicht ausdrücklich erwähnt, rührt vielmehr ganz einfach daher, daß dieselbe schon vor ihm von den Israeliten geübt wurde, und daß es für 'ganz überflüssig gelten konnte, dieselbe nochmals vorzuschreiben und einzuschärfen. * * * * * * * 8) , . Wir folgen unserm Verf. jetzt zu dem dritten und vierten seiner Beweise, die allerdings sehr speziös klingen, und in der einseitigen Fassung, die ihnen hier gegeben worden ist, blenden könnten. Moses selbst, heißt es, hat die Beschneidung an seinen eigenen Söhnen nicht geübt und die Israeliten während seiner Anführung sie nicht ausführen lassen. Die Beweise sind aber nichtig, sobald wir genauer zusehen. Gleich daß Moses seine Söhne nicht habe beschneiden lassen, ist falsch, es ist dort nur von einem Sohne9) aber ganz richtig in ihren Zusammenhang. „Sieben Lage soll die Wöchnerinn unrem sein, am achten werde das Kind beschnitten werden , und 33 Tage re. An eine Interpolation ist hier gar nicht zu denken.. Wir fragen hier mit v. Bohlen (Einleit. 86.): „©efyt man auf diese Weise mit den Schriften des Alterthums um, daß man einzelne Verse verdächtigt und hinwegschneidet, nicht etwa weil fte. nach den Gesetzen der Kritik sich als unächt erweisen, sondern weil sie der vorgefaßten Meinung entgegentreren"? " 8) Wir haben ein Analogon hierzu in dem' Gebrauche, die Spannader nicht zu essen (Gen. 32, 33V welcher sich, obgleich von Moses nicht wiederholt, dennoch erhalten hat; und je tiefer die Kritik die Abfassung der Genesis uns hinabrückt, um so mehr beweist die angeführte Stelle dafür, daß ein einmal angenommener Gebrauch, auch wenn er von Moses nicht besonders eingeschärst war, sich-erhalten konnte. 9) Man beschuldige uns hier nicht der Sylbenstecherei. Die ganze Form dieses Artikels, und die dieses Punktes insbesondere Ln der kurzen apodiktischen Redeweise, und. dem auf die Spitze-Treiben, läßt zuviel Absichtlichkeit bei solchen Feh- und ihre Gegner. ,532 Rede, mag dies nun der ältere sein, oder wie altere Ausleger mit ziemlicher Gewißheit,, annehmen, der jüngere, der dann wohl erst auf der Reise geboren, und eben aus diesem Grunde nicht beschnitten worden war. Aber gesetzt auch, es wäre hier von dem ältesten Sohne Moses die Rede, dessen-Beschneidung der Vater verabsäumt, so wurde derselbe doch deshalb so zurechtgewiesen, daß es ihm gewiß nicht einflel, bei dem zweiten wieder denselben Fehler zu begehen. „Als er auf dem Wege in einer Herberge war, da traf ihn der Ewige, und wollte ihn tobten 5 da nahm Zippora einen Stein und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und berührte seine Füße — da ließ er von ihm ab." Exod. 4, 24 zc, Sah also hier nicht Moses selbst seine Krankheit als eine Folge der vernachlässigten Beschneidung an? — Aber, fährt.unser Vers, fort, sämmtliche in der Wüste Geborne, waren nach Jos. 5. nicht' beschnitten worden. .Ganz wahr, aber an derselben Stelle lesen wir auch, daß sie von Iosua, auf Befehl Gottes, be-- schnitten wurden. Würde,, könnte die Schrift es unerwähnt lassen, wenn hier eine an-dere Ansicht herrschend gemacht wor- . den. wäre, wenn Iosua gegen die Absicht seines Meisters die Beschneidung restituirt hätte, und eine andere Interpretation lassen doch die Worte unseres Verfassers nicht zu. Lieber wollten wir noch mit andern Erklärern annehmen, daß Moses mit der, erst von ihm eingeführten, Beschneidung nicht ganz durchgedrungen fei, und daß erst Iosua das Werk desselben vollendet habe, das hätte boch wenigstens Sinn, während jene Behauptung sich selbst widerspricht.. Da aber der Text sagt, daß alle Israeliten, die in der Wüste geboren wurden, nicht beschnitten waren, während die aus Egypten Gegangenen es waren, bleibt also nur die alte einfache, durch die Worte „denn sie beschnitten sie' nicht auf dem Wege" (V. 7. cf. V. 4.) an gedeutete Erklärung, daß die in der Wüste Gebornen eben deshalb nicht beschnitten wurden, weil sie „auf dem Wege" waren. — So wären die Einwendungen des Verfassers, so weit sie sich auf den ersten der von uns schematisirten Punkt beziehen, nach unserer Ueberzeuguug vollkommen beseitigt; ja es bleibt aus dem Vers, der Vorwurf haften, daß er oberflächlich citirt, die Bibelstellen einseitig und schief aufgefaßt, unrichtig und durchaus bodenlos argumentirt hat; ja, es gewinnt den Anschein, als habe er mehr durch Scheingründe Ueberzeugungen erschüttern, als überzeugen wollen. Der Verf. bat einen ^Anlauf. zur Kritik genommen, aber er hat gefühlt, daß ein ernstlicher von einem Principe ausgehender Angriff auf die heilige Schrift, in der Art, wie wir ihn von der sogenannten historischen Kritik zu hören gewohnt sind, hier seinen Zweck verfehlen müsse, daß die große Majorität israelitischer Nichttheologen — auf die es hier abgesehen war, sich mit Unwillen lern vermuthen. Der Verf. sagt: Moses hat seine Söhne nicht beschneiden lassen, das soll heißen, sie sind nie beschnitten worden; wie ganz anders würde dieser Satz lauten wenn es hieße: Moses hat die Beschnerdung eines seiner Söhne ungebührlich verschoben.

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