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Der Orient · 1843-08-15 · 33 (15.8.1843) · p. Spalte 515-516

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
33 (15.8.1843)
Article
Die Beschneidung und ihre Gegner
Date
1843-08-15
Page
Spalte 515-516 (sequence 2)
Language
German
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515 Die Beschneidung und ihre Gegner. 516 zwischen dM Sengte, -em Gemeindevorstande und dem Rabbiner Schriften gewechselt worden. sind, und der letzthin der allgemeinen O essentlichteit durch das Frankfurter Iourn.') preis gegeben, und — wir wissen nicht mit welchem Rechte mit dem projekrirten „Reformverein" Ln Verbindung gebracht worden ist. Wir haben bisher eine gründliche Besprechung dieses, Ln theoretischer wie in praktischer Hinsicht, höchst wichtigen und einflußreichen Gegenstandes, von einem unsrer Rabbiner vergebens erwartet, während wir sonst bei Gelegenheit unbedeutender Zwistigkeiten mit Gutachten überschüttet werden. Ja, während wir sonst, wo es den geringfügigsten Minhag gilt, dieselben Orach-chajim - stellen bis "zum Ekel widerkäuen müssen; während unsrer Iournalistist sonst keine Schulprüfung und keine Chasan-Ernennung &u unbedeutend scheint, ist hier, wo es doch fürwahr eine „Lebensfrage" gilt, Alles stumm geblieben-). und doch ist, gewiß der größte Theil der Rabbinen Deutschlands der Meinung, daß die Beschneidung nicht abgeschafft werden .könne. Scheuen sie sich denn, auch dem Konservatismus einmal das Wort zu reden; oder sollte das Vertheidigm viel schwerer sein, als das Angreifen? Aus diesen Gründen wollen wir jetzt das Schweigen brechen; denn obgleich wir sonst den Iournalbesprechungen und Broschürenstreitigkeiten aufs Höchste abgeneigt sind, und so sehr es uns auch diesmal geschmerzt hat, einen Gegenstand von so hingreifender Wichtigkeit in einem Blatte besprochen zu sehen, das selten reflektirende Artikel liefert, so glauben wir doch , daß es diesmal eine Zeit zum Reden sei. Es ist jedoch hier nicht unsere Absicht über den Verlauf des Streites zu referiren; es ist das Thatsächlichste und Wichtigste darüber in 'diesen Blättern bereits mitgetheilt worden wir halten uns zunächst an den letzte» der fraglichen Artikel des Fr. Iourn. (Beilage zu Nr. 188), den wir zuvörderst hierhersetzen, weit er wohl den meisten Lesern nicht zur Hand sein dürfte.. (Frankfurt, 7. Juli). „ In einem aus Franks, datirten Artikel des Journals vom 5. wird die Behauptung aufgestellt, daß der Jude, durch die Beschneidung ins Judenthum eintrete, und ohne dieselbe kein Jude sei. Diese Behauptung zeugt von großer Unkenntnis; des Judentums» 1) Die Beschneidüng ist kein mosaisches Gebor, sondern nach I M. K.17. ein ab r ah a m iti sche s, das sich keinesweges blos aus die Israeliten, sondern auf die Nachkommen Abrahams, auf Araber u. A. erstreckt. Durch die Befchneidung wird man also in keinem Falle Israelit', und kann auch ein Nachkomme 2) Ob eine Abhandlung über die Beschneidung in das Gebiet der politischen Journalistik gehört, hat die Redakt. zu, vertheidigen; der Oberlehrer einer Schule, dem besonders die Erziehung der weiblichen Jugend am Herzen liegt, hat die Decenz dieser Kontroverse seinen Leserinnen zu erweisen. 3) . Wir schreiben dies am 26. Juli, und es wird uns freuen, wenn wir sehen sollten, daß wir uns geirrt, der Vers, des Artikels vom 5. hat eine Widerlegung versprochen, die wahrscheinlich in einer andern Zeitung erscheinen wird. Ismaels, ein Araber, ein Midiamter sein. 2) Während im Pentateuch jedes mosaische Ceremonialgebot mehreremale vorkomme, und im 5. Buche alle Gesetze wiederholt werden, kommt das Gebot der Befchneidung gar nicht vor. Es gehört weder zu den zehen Grundgeboten, noch wird seiner in den Theilm des Pentateuchs, wo das Ceremomalgesetz weitläufig dargestellt wird, erwähnt. Nur an einer ganz fremdartigen Stelle (3.M. 12,3.) sind einige auf dasselbe sich beziehende Worte eingeschoben, die aber kein Gebot ausdrücken, sondern, richtig übersetzt, nichts Anderes heißen können, als: am achten Lage wird (dem Herkommen nach) die Vorhaut beschnitten. 3) Moses selbst hat, laut 2.M. K.4. seine Söhne nicht beschneiden lassen. 4) Sämmtliche, während des 40jährigen Zuges durch die Wüste Geborene waren, nach Jos. 5, nicht beschnitten worden. 5) Wodurch treten den die Töchter in das Judenthum ein? Die Wahrheit ist, daß, nach dem Principien des mosaischen Glaubens, die Geburt zum Juden macht, und daß der von jüdischen Eltern Erzeugte zur jüdischen Religionsgesellschast gehört, selbst wenn er kein einziges Ceremonialgebot beobachten sollte, so lange er nicht hie Grundl.ehre von einem einzigen . Gott und (die Offenbarung läugneU"- : Die ganze, hier kurz abgefertkgte Frage über die Beschneidung .zerfällt in zwei Theile, die streng auseinander gehalten werden müssen, die dem Vers, zwar vorgeschwebt haben, aber dennoch von ihm wieder untereinandergeworfen sind. Die eine der so entstehenden Fragen ist kritischer, die andere dogmatischer Natur; die eine betrifft die Beschneidung an sich, 'die andere ihr Verhältniß zum ganzen Judentum; die erste lautet: Ist die Beschneidüng überhau p L b ibli sch od e r „ m o sa i sch "? die zweite: H at dieB eschneid ung eine hol) ere Wichtigkeit, als.die übrigen b i b L L s ch e n G e b o t e, so daßmandurch ihre Beobachtung in das Judenthum eintritt, und durch ihre Vernachlässigung außer demselben bleibt?*) Der Vers» hat beide mit einem entschiedenen Nein beantwortet, die zweite freilich mehr implicite, doch hat er sie in Nr. 5 seiner Einwendungen besonders bedacht, in den 4 ersieren aber will er beweisen, daß Moses die Beschneidung nicht gewollt habe. Wir wissen — man verzeihe uns diese nochmalige Abschweifung — daß es Viele giebt, die von der Göttlichkeit der heiligen Schrift und der ewigen Verbind-' lichkeit der biblischen Gesetze durchdrungen, es für eine überflüssige, ja schädliche Koncession halten, wenn wir uns auf Widerlegung biblischer Kritik einlassen. Dieser Meinung sind 4) Oie übrigen, noch hierher gehörenden Fragen als: über den Ursprung der Befchneidung und ihr Verhältniß zu der Beschneidung anderer Völker einerseits, und über die Symbolik und Bedeutung der Beschneidung andrerseits hat der Vers» außer Acht gelassen, es war dabei freilich nicht mit einem bloßen „Nein" und ein paar halben Citaten auszukommen. Wir werden diese Fragen in unserm zweiten Artikel berücksichtigen.

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