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Der Orient · 1843-08-15 · 33 (15.8.1843) · p. Spalte 513-514

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
33 (15.8.1843)
Article
Die Beschneidung und ihre Gegner
Date
1843-08-15
Page
Spalte 513-514 (sequence 1)
Language
German
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des Orients. Berichte, Studie» ir»d Kritiken " für . ■■■ ■■ '■ Mdische Geschichte und Literatur. 33i -; Leipzig, den 15. August 1843» D i e B eschn e i d UN g u n d i hr e G e g n e r. — N e uh ebr äl sch e P o e sl e. Notiz über die äußeren Formen der ''Piintim. Von L. Dukes. (Forts.) Seftine. Zusammengesetzte Strophen. Pismon. Machrach. Moftegas. — Kurz e Anz eige n. -0v0L8i0Ncti.-.?06M8 anä ßh^tmieal Iranslat.ions, in vaiious : Languages. By S. >1. D rach. — Literarische Ankündigungen. Die Beschneidung und ihre Gegner. ,,CD'rraN vnM tb ins anpo d'Wi", Seitdem freie Forschung in der Mitte des Judenthums erwacht ist, seitdem seine Bekenner aufgehört haben, in einem Lest und eng abgegränzten Kreise zu leben, um an der allgemeinen Bewegung derzeit und der bürgerlichen Gesellschaft Lheil. zu nehmen, - ist Weniges in dem religiösen Systeme, wie in dem religiösen Leben der Juden unverändert „beim Alten.geblieben." Die Autorität des Talmud's u. das Ansehen der Rabbinen wurde durch.Worr u. Schrift angegriffen, hier durch ernste Forschung, dort durch leichtfertigen Spott, die, Observanzen des talmudischen Ceremonialgesetzes wurden durch das Leben und im Leben einer großen Anzahl von Juden abolirt, bei dem Einem oder Andern aus Nachahwungssucht und Bequemlichkeit. Die Autorität und Göttlichkeit der Bibel ist, unseres Wissens, noch von keinem deutschen Juden, am Wenigsten von jüdischen Theologen öffentlich bezweifelt oder angegriffen worden; ja selbst die biblische Kritik, höhere wie niedere, gegen die auch die orthodoxen christlichen Theologen sich nicht abschließen , ist in unserer Mitte noch von keinem Werke *) eigentlich vertreten, und die in neuester Zeit erschienenen Bibelübersetzungen sind streng „nachdem wasoretischen Texte", obgleich die eine Uebersetzung von einem Prediger bei einer reformirenden, gleichsam „kritischen" Gemeinde, die andere unter der Redaktion eines sonst kräftigen Kritikers erschienen ist. Woher das kommen mag? Wir wollen es gern einer gewissen Pietät gegen die heilige Schrift beimeffen, die ihre Zweifel auszusprechen scheut, und keines- 1) Abgerechnet etwa die Bemerkungen über die Bb. Esra u. d. Chronik in Zunz's G. V., Herzfeld's Bearbeitung des Kohelet u. Krochmal's Arbeiten im Kerem Chemed. weges blos einer feigen Heuchelei, die ihre Ueberzeugung kund zu geben fürchtet. Nicht so glimpflich ist das Leben und die Praxis mit der Bibel umgegangen; unter den Ceremonialgesetzen, über die Viele sich leicht hinwegsetzen, sind auch unbezweifelt biblische, wie die Speisegesetze und die Heilighaltung des Sabbats und der Festtage. Woher das kommen mag? Zunächst weil man sie für rabbinisch ausgab, weil man Biblisches und Talmudisches unter einander warf, weil man mit der „Unzäunung" auch den Garten niedertrat. Wir erblicken darin das überall gleiche Walten der Vorsehung, den überall gleichmäßigen Gang der Geschichte, wenn ihr wollt, die stets ein Extrem durch das andere bekämpft u. aufhebt. Hatte man so lange den Talmud für die Bibel ausgegebm, so heißt jetzt alles Hindernde, Unbequeme, talmirdisch; man spricht gegen den Talmud und man handelt gegegen die Bibel. Ein einziges biblisches Gebot war — wenigstens in Deutschland — bisher unerschüttert vom Umschwünge der Ideen geblieben, und von allen Juden gleichmäßig beobachtet worden: die Beschneidung; sie ilich auch aus d e m Grunde, weil die deutschen Regierungen das Bekenntnis' einer positiven Religion von Jedem .ihrer Unterthanen verlangten, und weil sie, die Peschneidung der christlichen Taufe gleich erachtend, sie als Zeichen des Eintritts in das Judmthum ansehen. Aber es scheint!, als ob auch die Beschneidung jetzt — mit B. Bauer zu reden — „ihr Privilegium verlieren" sollte; auch diese bis jetzt überall hochheilig gehaltene Observanz ist von der reformirenden Partei, deren Wortführer ein Literat und ein Oberlehrer an einer jüdischen Schule, in den Kreis ihrer abolirenden Bestrebungen gezogen worden. Em Jeder unsrer Leser wird bereits errathen haben, daß wir hier an den Streit denken, der zu Frankfurt a.M. geführt wird, über den bereits vor einem halbenJahre 33

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