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Der Orient · 1843-08-01 · 31 (1.8.1843) · p. Spalte 483-484

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
31 (1.8.1843)
Article
Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
Date
1843-08-01
Page
Spalte 483-484 (sequence 2)
Language
German
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483 484 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. Notizen, deren wissenschaftlicher Zweck es war, darzuthun: „daß die im Morgen- und Abendlande lautgewordene Beschuldigung, die den Hebräern eine Fortsetzung der alten Menschenopfer zum Vorwurf macht, nicht aus der Luft gegriffen sein könne, vielmehr den bedeutendsten Beleg in dem Umstand fände, daß der Menschenopferdienst bei den vorexilischen Hebräern nicht etwa eine eingeschlichene verpönte Neuerung, sondern gesetzlicher, durch das Ansehen Mo sis begünstigter Kultus wäre, der sich als ein wesentliches Ding des Gottesdienstes die ganze Dauer der Kirche Juda und Israel hindurch bis in die babylonische Gefangenschaft erhielt, und erst von den spätern Propheten angefochten wurde." Der sehr humane Zweck dieser Schrift ist aber der Aufruf des Vers, „die aufgeklärten Männer unter den Juden selbst sollen durch ein schonungsloses Hervorziehen dieses n o ch bestehenden Unwesens an das Tageslicht, den Wahn selbst auszurotten suchen". Um nun diese so nützliche Wahrheit jedem gebildeten Leser zugänglich zu machen, sagt der Vers., habe er sich bemüht, den Stoff in einer Form zu bearbeiten, die ihn für Jedermann genießbar mache 3 Sind auch die Motive der Abfassung dieser Schrift eben so verwerfllich, wie sie selbst in literarisch-wissenschaftlicher Beziehung eine gänzlich verfehlte genannt zu werden verdient, so haben wir dennoch nur das gegebene Objekt vor Augen, und abstrahiren von allen humanen Anwendungen, die der Vers, an die Spitze stellt, und deren Verwerflichkeit die Zeit hinreichend dargelegt hat. Die Grundsätze, auf die Herr G. sein System baute, die er aber nicht als vorsprmgende Aushängschilde den Lesern vor die Augen stellt, und wodurch er sich die hundertfältigen Wiederholungen erspart hätte, sondern die als Grund- und Bildung die ganze Schrift hindurch gehen, lassen sich ans folgende Principim reduciren: n) Die ursprüngliche Religion der Hebräer war die der verwandten kanaanitischen Stämme, mit demselben grausamen Kultus, die der Baal- und Moloch-Dienst verlangte. Von Moses wurde diese Religion ein geführt, jedoch von den spätern, .reformatorischen Propheten bekämpft. d) Es ist erwiesen?), daß die mosaischen und überhaupt alle alttestamentlichen Schriften im Geiste jener spätern Propheten bearbeitet wurden, und nur ein Rest vorexilischer Gebote *) — die sich aber der Vers, nach Belieben wählte — blieben unverändert. e) Wenn i.m alten Testament zwei sich widersprechende Eigenschaften Gottes oder mannigfaltige göttliche Attribute oder religiöse Begriffe und Gebräuche erwähnt oder gelehrt werden, so ist diejenige für die alte und somit wahre 2) Vatke's Bib. TheoL. 323. 681. 692; von Byhlens Genesis 51. anzunehmen, welche den spätern, prophetischen Ansichten und Lehren wider spricht. cl) Jede Stelle und jeder Ausdruck in der h. S., die wörtlich verstanden, einen Sinn gibt, der — nach des Verf.'s Ansicht — vollkommen in das angegebene System paßt, ist auch in der That nur wörtlich auszulegen. (S. 40. 54. 313. 323. 325. 371. 606. 631.) Die Einheit und Geistigkeit Gottes, das chrarakteristische Princip des Mosaismus, welches aus unzähligen Stellen der h. S. hervorgeht, wurde schon vor dem Vers., von den neuern Kritikern, wie von Vatke und von Bohlen, ganz oder theilweise, bekämpft; von diesem selbst, der Einheitsglaube, und von jenem nur die Erkenntniß der Idealität Gottes, dem Mosaismus abgestritten. Vatke suchte aus analogen Kultusgebräuchen der alten Völker darzuthun, daß der ganze mosaische Kultus den egyptischen, und von Bohlen, daß solche den phönicischen entnommen sek. Des Verf.'s Originalität besteht daher nur darin, daß er gar kein System hat, und alle Einzelheiten des mos. Kultus bald mit der egyptischen, bald mit der phönicischen Kultusinstitution identificirt. Um nun die diesem System widersprechenden Stellen der h. S. kraftlos zu machen, wirb diesem Hypothesenwirrwarr eine kritische Abhandlung über die Abfassung der alttestamentlichen Schriften vorausgeschickt, und alle Stellen, die auf den Emheitsglauben Hinweisen, den reformatorischen Propheten zuertheilt. Schon Win er sagt von diesen und ähnlichen Kombinationen: „Ich fürchte, daß, wenn Jeder nach seinen leicht hingestellten Hypothesen über die Abfassung der biblischen Bücher den Stoff der biblischen Archäologie ordnen will, diese Wissenschaft zuletzt alle Sicherheit verlieren wird". (Winer R. W. B. U, 7; Bahr li, 664). Wir werden im Verfolg dieser Abhandlung öfters Gelegenheit haben, die großen grammatischen und exegetischen Kenntnisse des Verf.'s anzustaunen, die daher seiner Kritik einen besondern Werth geben. Wenn er z. B. (S. 582) inDIN "W1 übersetzt: „Er bedeckt mit ihrem Blut sein Volk", so müssen wir, die immer geglaubt haben, übersetzen zu müssen: „Er sühnt sein Land, sein Volk", solcher tiefen Sprachkenntniß huldigen, und die überlegene Geistesschärfe des Bibliothekars anerkennen. Mußte ja selbst der Prophet Amos seine meisterliche Zurechtweisung hinnehmen, von dem er selbst vertrauensvoll (S. 440) jagte, daß er (Kap. 5, 25) nach seiner reformatorischen Ansicht mit Unrecht Saturn von Iah unterscheide! Einem Gelehrten gegenüber, der auf solch' verrätherische Weise seinen Gegnern die Hauptwaffen ihrer Vertheidigung zu entreißen und ihre heiligen Urkunden, die wohlerhaltenen Denkmäler ihrer Religionsgeschichte in andern Substanzen zu zersetzen versucht, so daß der Grundstoff seine eigenthümliche Materie verlieren, und nur noch aus fremdartigen Elementen bestehen soll, einem solchen Feinde gegenüber müssen wir

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