Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 31 (1.8.1843)
- Article
- Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
- Date
- 1843-08-01
- Page
- Spalte 481-482 (sequence 1)
- Language
- German
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srrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 31. Leipzig, den 1. August Die Menschenopfer der alten Hebräer. Eine geschichtliche Untersuchung v. Ghillany. Beurtheilt tf. R. Kirchheim. — N e uh e br ans ch e Poesie. Notiz über die äußeren Formen der Pijutim. Drei-, vier-, fünf-, sechsu. siebenzeilige Strophen. Von L. Dukes. (Forts.) — Briese über eine Encyklopadie der Wissenschaft des Judenthums. (Forts.) — Lit. Nachrichten und Miscellen. — Lit. Ankündigungen. H§ Pie Menschenopfer der alten Hebräer. EZ Eine geschichtliche Untersuchung von Dr. F. W. Ghillany, Professor und Stadtbibliothekar in Nürnberg. Nürnberg, 1842. 8. np,^ riN d.) )xhr\ o Dmx ni^n cdd toyon Ies. 7, 13. Als Israel, um den großen Zweck seiner Gottessendung hier zum zweiten Male auszuführen, den Wanderstab ergriff und gedrückt und gequält, verhönt und verspottet, wie ein aus seinem Neste verjagtes Vöglein irre und unstät umherflatterte, einen Ruhepunkt suchend, der ihm aber nirgends zu Theil ward, da fand es Trost und Hoffnung in seinem Glauben, und schöpfte neue Lebenskraft aus dem unerschütterten Vertrauen auf den Gott seiner Väter. Mochten ihm auch Schwerter und Dolche, vom Fanatismus mit sicherer Hand zu seinem Untergang oder Abfall gezückt, entgegenblitzen, seine Habe geraubt, seine Lieblinge hingeschlachtet, und rauchende Trümmer die Spuren seiner jüngsten Größe bezeichnen, so gab ihm das Wort des Lebens, der Glaube an seinen Gott, dm es im Busen hütete und verwahrte, Lebensdauer und Lebenskraft. Und man fing endlich an, diesen Glauben zu würdigen, seine würdevolle Vergangenheit zu ehren, und Israel ging einer bessern Zukunft entgegen. Frische Keime und Blütchen entsproßten aus dem mit Blut und Asche gedüngten Boden Israels, die, wenn auch zuweilen vom kalten Frost eines fanatischen Gestöbers gedrückt, vom milden Sonnenlichte der Humanität wieder erwärmt, gleich allen heimatlichen Gewächsen zu lebenskräftigen Stämmen im europäischen Boden ausschossen. ‘ Da erhob sich aber eine schwarze Wolke im fernern Dstcn und <\nc Katastrophe, von unreinen Elementen hervorgerufen, gab den Verräthern an Wahrheit und Recht Veranlassung, längst vergessene Ammenmührchen aus den finstern Gängen hekaetifcher Werkstätten ans Licht zu ziehen. Und abermals erschien der Fanatismus, diesmal unter der Hülle der Wissenschaft, bedeckt mit dem Staub todter Bücher, und suchte blutige Spuren an den heiligen Denkmälern von Israels Vergangenheit aufzuweisen. Unter dem Schwarm des blutigen Gefieders, das zerrend, und nagend an den religiösen Wahrheiten des Iudenthums, das reine Sonnenlicht des Glaubens verfinsternd umhcrkreiste, zeichnete sich durch eine besondere Gier des Zernagens und Zerreißens, Hr. Dr. Ghillany aus. Die Fülle des eigenen Wewußseins, das Höchste und Reinste, das allein Israel aus den Stürmen seines vielbewegten Lebens hoch erhoben und rein erhielt, der lebende Glaube, an den es sich festklammerte, wenn der Abgrund der Zeiten es zu verschlingen drohte, Alles dies sott ihm meuchlings entrissen werden § vor dem blutigen Molochgespettst soll es bang zurückweichen, das ein nürnberger Professor aus den verwesten Grüften des Heidenthums heraufbeschwor. Der Gottesfunke, der von Israel ausging und alle Völker der Erde mit dem reinen Lichte des Glaubens entzündete, soll von den erbleichten Dünsten, die aus der nürnberger Bibliothek aufsteigen, vesinstert werden. Und um dieses Wunder zu bewirken, erschien im Jahre 1842 die oben rubrizirte Schrift, ausgerüstet mit einer Fülle Materials *), geschmünkt mit einem Reichthum archäologischer 1) Die gelehrten Notizen und das reiche Material lieferten dem Verfasser Spencer, R o s e n m ü l l e r, V a t ke v. Bohlen, Währ, Gesenius, nameutlrch der nichtgenannte Nork und Andere. Die Früchte ihres Fleipes und ihrer Gelehrsamkeit verwendet aber der edle Vers, nur dazu, Israels Heiligthümer zu besudeln und auf seinen reinen Glauben eine blutige Dornenkrone zu setzen. 31