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Der Orient · 1843-07-04 · 27 (4.7.1843) · p. Spalte 427-428

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
27 (4.7.1843)
Article
Die Judenfrage [Rezension]
Date
1843-07-04
Page
Spalte 427-428 (sequence 3)
Language
German
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Die Zudenfrage. 428 427 nun Bauer, nachdem er das Christentum als ein specifisch neues Princip erklärte, diese Erklärung zurückgenommen, so weiß ich wieder nicht, warum der Voraussetzung das Recht des Bestehens ganz abgesprochen wirdkurz B. dreht sich in einem Kreis von Widersprüchen, auf die Hirsch in dieser Schärfe nicht aufmerksam gemacht hat. Das statuirte Verhältniß Bauer's zwischen Iudenthum und Christentum und umgekehrt ist nun Jedem sehr einleuchtend. B. bedient sich auch, da er in das Verhältniß keine genaue Einsicht hat, oder besser, da er das Wesen der Religion nicht erfaßt, solcher Sophismen, die die Miene von geistreichen Wendungen haben, aber nur aus einem solchen Misverstande hervorgehm können. So z. B. behauptet er, daß der christliche Staat nur das thut, was die Juden selbst wollen, oder das christliche.Princip macht mit der jüb. Anschliejllichkeit Ernst u. s. w. Doch die Konsequenz, die mit der Voraussetzung Ernst macht, fährt B. fort, hat kein Recht zu bestehen und warum? Entwickelung, Entwickelung ruft B. und sonst Nichts mehr. Der menschliche Geist muß sich immer weiter entwickeln, seine frühern Momente müssen herabgesetzt werden, und ein neues Moment muß sich geltend machen. Diese Gründe sind sehr wahr, aber für eine 'so starke Negation, wie sie B. will, sind diese Gründe nicht triftig genug und die Orthodoxie kann ihm gar Vieles dagegen theologisiren. Solche Einwendungen werde ich aber mindestens machen, ich wollte dies blos erwähnen, um zu zeigen, daß B'n. eigentlich die Basis — fehlte) Wie verhält sich nun Hirsch zu diesen Ansichten? Es wird sehr paradox erscheinen, wenn ich auf diese Frage folgende Antwort gebe: Hirsch verhält sich im Verhältniß zu B's. Glut und Feuer hinsichtlich des Regicens beinahe indifferent. H. bekämpft eigentlich B. nicht in so hohem Maaße, sondern er stellt seinen lustigen Ansichten Positives entgegen. B. ist positiv, d. h. er hat blos die gewöhnlichen orthodoxen Ansichten in eine moderne Sprache übersetzt, seine Kritik ist eine moderne Uebersetzung der alten Orthodoxie, daher kann ihm H. mit Recht wieder Positives, das aber an sich wlssenschastlicher ist, entgegen stellen. Wie gestaltet sich nun nach Hirsch das Verhältniß der „Voraussetzung" zur „Konsequenz." Im Allgemeinen habe ich Hirsch's Ansichten angedeutet, und nun will ich das Nähere angeben. Die Voraussetzung, oder das Iudenthum, hat Hirsch, wie ich schon in Nr. 1 bemerkte, als ein absolut-nothwendiges zu begreifen gesucht. Diese absolute Nothwendigkeit will H. so auf folgende Weise geltend machen. Nach Hirsches Spekulation^) oder besser, nach seinen spekulativer Voraussetzungen, die er als -ewige 4) Nur F c u e r b a ch hat g rü nb I i ch negir t. b) Man soll, keineswegs dies so deuten als wollte ich sagen, daß Hirsch B. gar nicht bekämpft, sondern, daß er ihm nur die Widersprüche so prägnant uachweist. 6) Ich muß noch einmal bemerken, daß ich mich hier ganz referirend verhalte. Wahrheiten betrachtet, die also keiner Kritik unterliegen, soll das Böse nur bloße Dynamis bleiben. Das ganze Leben des Menschen soll eben dies bewähren, daß die Sünde eine bloße Möglichkeit, ein Sein können, um neu schell in gisch zu sprechen, aber diese Dynamis soll sich nie energiren, d. h. die Potentialität nie zur Aktualität werden. Weil aber dem Menschen der Weg zur Sünde offen steht, und er sündigen kann, weil er die Freiheit?) zu sündigen hat (höchst theologisch), so hat er auch wirklich gesündigt (er hat aber nicht sündigen müssen), er hat die bloße Möglichkeit energirt und diese wirkliche Sünde führte zum Heidenthum. Das ganze Heidentum also beruht nach Hirsch auf der falschen Voraussetzung, daß der Mensch die Dynamis zur Energie erheben muß. Das Heidenthum sagte: der Mensch * muß sündigen. Sowohl die heidnische Kunst als Philosophie waren von dieser falschen Voraussetzung insicirt, in ihnen konnte also die Menschheit kein Heil (?) finden. Aus welcher Quelle kann nun aber für die Menschheit ein neues frisches Leben fließen? Kann vielleicht der Menschengeist aus eigner Kraft ein neues Princip hervorbringen? oder muß nicht vielmehr eine höhere Macht in das Schicksal der verirrten Menschheit Eingreifen, um sie aus dem Sündenpfuhle zu ziehen? Allerdings. Gott muß sich selbst offenbaren, er muß in persona erscheinen. Das Iudenthum ist daher nach Hirsch eine völlige Negation des Heidenthums, nur die Position der absoluten.Religiosität. Um aber diese absolute Religiosität poniren zu können, hat sich Gott ein Volk zur.Erziehung für das ganze Menschengeschlecht erwählen missen, (wie es schon Lessing in seinem Aufsatze „über die Erziehung des Menschengeschlechts" aussprach), um der Menschheit den Weg zur absoluten Religion zu zeigen. Wie hat aber der Mensch die Absolutheit dieser Religion einsehen können? Ein Wundersystem, d. h. eine Reihe von übernatürlichen Wundern zwangen ihn dazu; diese aber sind an sich absolut, d. h. sind nicht wahr, weil sie im Pentateuch stehen, sondern sie stehen im Pentateuch, weil sie wahr sind, kurz, sie sind absolut. Dieses auserwählte Volk hat in einer Reihe von Jahrhunderten kraft dieses Offenbarungskeimes ein eben so abso.lutes Gesetz aus sich entwickelt. Das Gesetz (das ist.wohl zu beachten) ist das Produkt der Entwicklung, aber keineswegs ein von außen her an das Volk herangekommenes.7 8) Das 7) Diese Freiheit ist eine theologische; denn die wahre Freiheit ist die intellektuelle. Die intellektuelle Freiheit ist die Selbstgenügsamkeit, und nur die Theorie kann Selbstgenügsamkeit gewähren. 8) Hirsch gibt in diesen Briefen sehr anerkennenswerthe Proben zu einer Kritik des A. S., er iz\o>t dadurch indirekt, wie Paulus das jüdische Gesetz ganz misverstanden hat. Der Vorwurf B.'s, daß dem Gesetze die Moralität abgehe, hat Hirsch auf wahrhaft philosophische Weise durch seine kritischen Ansichten über den Pentateuch widerlegt. Er gesteht aber, daß Feuerbach's tiefer Ausspruch: Theologie ist Anthropologie ihn gefördert hat, und wirft B. vor, das; er

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