Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 27 (4.7.1843)
- Article
- Die Judenfrage [Rezension]
- Date
- 1843-07-04
- Page
- Spalte 429-430 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897880-2369793--2920-2369833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
430 429 Die Zuderifrage. — Lit. Analekter>. Volk hat daher das Gesetz jeden Augenblick so zu sagen ierfültt; denn es war sein Produkt. Hiermit ist eigentlich B's. Ansicht über Judenthum gründlich widerlegt und auch die christliche Orthodoxie sannnt der Paulinischen Theorie. Daß also Hirsch die „Voraussetzung" -gründlicher begriff als Bauer, brauche ich kaum zu erwähnen. Wie steht es aber bei Hirsch mit der Konsequenz? Auch dies habe ich schon im Laufe meiner Kritik angedeutet. Christus wird von Hirsch als der Schlußstein der heiligen Geschichte betrachtet, und sein Wirken haben uns die Evangelisten, die nach Hirsch auf jüdischem Boden stehen, aufbewahrt. Das Princip des Evangeliums also ist mit dem Principe des Judenthums. „Wenn das heißt Christ sein, w ie Jesus Christus leben, dann sind wir alle Christen," sagt Hirsch offen. Aber das spezifisch christliche Princip, d. h. das Paulinische Christenthum erklärt Hirsch nach Feuerbach's Methode. Um nun dies ganz kurz anzudeuten, so glaube ich, durch folgenden Ausspruch recht eigentlich seinen Sinn zu treffen: Paulus hat seinen subjektiven Zustand, sein inneres Seelenleben auf den Zustand der Gattung übertragen, und so entstand die Theorie von der Erbsünde und der Rom erbrief. Die Erbsünde ist aber nach Hirsch wieder dieselbe Redensart: „ich muß sündig en" also ein heidnisches Princip. Dieses spezifisch christliche Princip bildet einen Gegensatz zum Judenthum, aber nach Hirsch auch zum evangelischen Princip. Da dieses christliche Princip ans einem Glauben beruht, so mußten innerhalb dieses Princips doppelte Kämpft entstehen, erstens in Beziehung der Begründung dieses Glaubens, sowie der wissenschaftlichen Feststellung der Glaubensprincipien, der verschiedenen Dogmen u. s. w.; zweitens der Kampf des Glauben s mit dem Wissen konnte eben nicht ausbleiben. Die christliche Dogmatik ist das historische Zeugniß der Superstition und der Orthodoxie. Der Protestantismus soll die Negation dieses Paulinischen Christenthums sein und die Annäherung zum Offenbarungsglauben. Aber dessen ungeachtet, sagt Hirsch, liegt selbst im Paulinischen Christenthum eine Notwendigkeit seines Auftretens, da es zur Aufgabe hat, die Heiden zu bekehren, und die Heiden konnten nur durch ein solches Princip zum Bewußtsein gebracht werden. Hirsch erkennt daher die Konsequenz eben an, er begreift sie viel gründlicher als Bauer, obzwar in theologischem Sinne. Hirsch ist ein sehr konsequenter Geist; und die Konsequenz geht Bauer ab, obwohl er das Princip der Conl'equenz vertritt. Somit hätte ich H.'s Ansichten B. gegenüber gestellt, und Jedermann wird leicht einsehen, daß diese positive Ansicht gründlicher als die Bäuerische positive ist. diesen Ausspruch unbeachtet gelassen hätte. B.'s Ansicht vom Gesetze ist darum eine verfehlte, weil er das Gesetz in Egypten schon als im Volke seiend und lebend betrachtet. 9) Die Erbsünde ist nicht spezifisch heidnisch, dies hat Feuerbach bewiesen, s. dessen Bayle S. 190-—203. Ferner glaube ich gründlich bewiesen zu haben, daß B. die Judenfrage im Allgemeinen richtig-gefaßt hat, nur daß die Ausführung eine verfehlte, weil positive ist. Hirsch dagegen hat diese Allgemeinheit nicht gelten lassen können, und nur die einzelnen Ansichten Bauer's gründlich widerlegt, wofür ihm die Anerkennung gar nicht zu versagen ist. H. steht im Judenthum beinahe vereinzelt da, nur Wenige dürfen sich ihm an die Seite stellen *<>); das Judenthum sollte seine Principren in sich aufnehmen, denn nur diese Principien könnten es zur Einsicht einer Kritik führen. Spinoza hat zwar schon eine solche Kritik vorbereitet, er hat vorhergesehen was die'Geschichte vollführen wird"). Spinoza's Princip ist die Kritik des Judenthums, Ficht e's Princip der Wissen schuftslehre, das Princip des Bewußtseins, der Ichheit, die sich also weiß, ist die Kritik des Christenthums. Was Cartesius begonnen, hat Spinoza für das- Judenthum, und Fichte für das Christenthum vollsührt. Ich schließe meine Kritik mit den Worten Aristoteles ccvuyxTj y<XQ , XQOVG) 7C0T£ £K TCOV 'IpevdcoV dyCiQ'COV CCÄ7]<d'£g GV\lßrjval, HaKov. Polit. IV. 10. 5. Ausg. v. A. Stahr. Literarische Analekten Bemerkung. Im Literaturblatte des Orients Nr'. 22 stellt Herr Leop. Dukes die Behauptung auf, daß „die biblische Poesie weder Reim noch Metrum kenne". Meine Versuche, das letztere in derselben aufzufinden, haben ihn nicht befriedigt. Ich erkenne mit Freuden die Leistungen des Herrn Dukes in Bezug auf die neuhebräische Poesie an und Nichts könnte mir erwünschter sein, als eine gründliche Widerlegung der in meinem Buche „über die Form der Hebräischen Poesie" aufgestellten Ansichten, von seiner oder von anderer Seite. Ich habe es mir mit meinen Vorgängern nicht leicht gemacht. Ich habe ihre Hypothesen und mitunter dicken Bücher genau studirt, ihre Systeme auszugsweise mitgetheüt und dann zu zeigen versucht, warum und worin sie irrten. Ich glaube also, ein Gleiches auch für mich in Anspruch nehmen zu dürfen. Wenn Herr Dukes unter Metrum das wohlgemessene Versmaaß der Griechen verstehet, so gehet es aus meinem Buche selbst hervor, daß ich seiner Meinung sei. Aber außer diesem kann es auch eine feine Rhythmik geben, die doch ihrem Klange nach sich sehr weit von ungebundener Rede unterscheidet und auch der äußern Form 10) So z.. B. der wahrhaft humane Frankel, der in wissenschaftlicher Beziehung durch seine „Vorstudien zur Septuaginta" mit in die Zeit eingreift. 11) Siehe Spinoza Brief LXXIV. Desine, inquam, absurdes errores ni y s t e r i a a p p e 1lare etc. p. 699. Edit. Paulus.