Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 27 (4.7.1843)
- Article
- Die Judenfrage [Rezension]
- Date
- 1843-07-04
- Page
- Spalte 425-426 (sequence 2)
- Language
- German
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425 Die Juden frage. 426 rnüthe zur innern Befriedigung dienen, denn die Erfüllung ist ein Ding der Unmöglichkeit — sondern es müssen übernatürliche Begebenheiten eintreten, die Mitwirkung eines hohern Wesens muß sich manifestirm, um 1. das Gesetz einmal in Erfüllung bringen zu lassen, und 2., um einen neuen beseeligenden Glauben zu verkünden. Aber ist das meine Ansicht über das Gesetz, über das Judenthum überhaupt kann B. erwidern? Diese Ansicht'ist ja die gllergew ähnlichste, orthodoxeste, also eine unkritische? So kann allerdings W. fragen, aber nichtsdestoweniger liegt sie in dem Ausdrucke „das Judenthum ist die Voraussetzung der Konsequenz," diese echt p au,lr Nische und seit damals gang und gäbe gewordene Ansicht über Judenthum; abgesehen davon, daß Bauer in seiner Auseinandersetzung des jüdischen Gesetzes dieses „Wort" selbst so interpretirre. Um ein Exempel zu geben, daß Bauer mit seiner „Voraussetzung." die ganz unkritische Ansicht über Judcn.rhum verknüpft, hebe ich aus seiner „Judenfrage" folgenden Punkt heraus: B. ist d.er Ansicht, daß die Speisegesetze der Juden doch nichts Anderes sein können als eine Folge der Herabsetzung oder eines Abscheues gegen die Natur. Da schon Hegel in seiner Neligionsphilosophie sagt, daß die Natur im Judenthum als ein verschwindendes, unberechtigtes Moment Gott gegenüber erscheint, daß in dieser Religion nur dem Einen Herrn absolutes Sein zukommt, die Geschöpfe,^ und die Natur vor seinem Zorn und Blicke vergehen müssen: so mußte doch B. die Konsequenz ziehen.(weil er bis jetzt nichts mehr als Konsequenzen gezogen hat), daß die Natur den Juden als eine ungöttliche, den Geist verunreinigende erscheint. Die Produkte der Natur müssen diese Ungöttlichkeit in sich koncentriren— und hier habt ihr das Räthsel der Speisegesetze. Freilich wäre die Konsequenz einer solchen Ansicht, daß der Jude verhungern müßte. Doch ich Liebe nicht Konsequenzen zu ziehen. Im Judenthum also ist die Ungottlichkeit der Natur ein Hauptmoment. Das Christenthum hat daher Nichts mehr thun können, als wieder die Konsequenz dieser jüdischen Ansicht ziehen — und hier habt ihr .das ch r i st l i ch e Do gm a der Erbsünde. Und aus diese Wei se h at das Chr istenthum ni chts mehr als Conseqmenzen gezogen, ganz a la Bau e r. In dieser Erklärung der Erbsünde liegt Nichts mehr als die gewöhnliche Ansicht, nur daß Bauer diese Ansicht auf moderne Weise zuputzt. Denn die gewöhnliche Ansicht sagt: durch die Sünde des ersten Menschen ist das ganze Menschengeschlecht verschuldet, das Gesetz sollte diese Schuld zum Bewußtsein bringen. Bauer nimmt die Erbsünde eben bona2) /fiele an, nur macht er das Mittel, wodurch jdie Orthodoxie, glaubt, daß die Sünde zum Bewußtsein kommt (und den Ursprung leitet sie aus andern 2) Bauer sollte als philosophischer Kritiker die Erbsünde nicht als eine Konsequenz erklären, sondern sie aus sich selbst erklären, wie es sehr genial Feuerbach in jeder Beziehung thut. Gründen ab) , zur Quelle. Das Gesetz, sagt die orthodoxe Ansicht auch, kann nicht erfüllt werden," und statuirt dadurch eine Kluft zwischen Gott und den Menschen. B. sagt dasselbe, und so könnte ich noch viele Exempel der Bäuerischen Orthodoxie anführen. Wenn man nun die Ansichten summirt, .die Bauer unter dem Worte „Voraussetzung" begreift, so kommt nichts Anderes heraus, als daß er noch jetzt bei aller Kritik befangen ist, daß er einem geschichtlichen. Faktum seine Gedanken unterschiebt, daß er keine Sache, so wie Feuerbach, aus ihrem Ursprünge kritisch-genetisch erklärt — folglich kein philosophischer Kritiker genannt werden kann. Die „Voraussetzung" also ist der alte aufgewärmte Kohl der Orthodoxie des Katholizismus — die paulinische Theorie, kurz die gewöhnliche Ansicht über das jüdische Gesetz. Nun aber behauptet B. weiter, die Voraussetzung ist in der Konsequenz enthalten und aufgehoben, die Konsequenz ist das innerste Mark der Voraussetzung, und ist sie einmal da, dann sott die Voraussetzung sehen, wie sie mit sich fertig werden kann. Jedes fernere Recht zur Fortexistenz hat ihr die Konsequenz abgeschnitten. Das Christenthum ist die Konsequenz" des Judenthums, und so ist der jüdische Egoismus gebrochen, die'Universalität siegt über den Egoismus, d. h. das christliche Princip siegt über das jüdische. In dieser Ansicht B's. liegt eben die Orthodoxie, wie ich es schon bemerklich wachte. Die Orthodoxie sagt: Gott hat die Menschen aus dem sündenhaften Zustande erlöst, er ist selbst erschienen, dieser Erlösungsakt ist etwas Übernatürliches — Gott hat sich geoffenbart. B. läßt nur diese theologischen Salbadereien weg — und macht daraus eine geschichtliche Entwickelung, im Ganzen erkennt er das Christenthum als einen wesentlichen Fortschritt an. Diese Konsequenz — das Christenthum nämlich, welches die Wahrheit des Judenthums sein soll, kann nach dieser Ansicht nichts wesentlich Neues sein, denn es ist ja nur die Erfüllung des ersteren. Wenn man aber den Standpunkt, von dem Bauer, namentlich im 1. Bande seiner Synoptiker ausgeht, ins Auge faßt, so sieht man, wie er hier ein neues Princip herausdemonstrirt, wie Bauer streng zwischen dem Neuen und Alten Testamente scheidet, wie ihm die Evangelisten reine produktive Geister sind (freilich im 3. Bande ist schon wieder eine andere Welt), wie sie aus dem A. T. höchstens einzelne Wendungen entlehnt haben u. s. w. Bauer stellt sich in seinen Synoptikern Strauß und auch Weißen entgegen,, weil Strauß das Christenthum überhaupt aus persisch-palastinensisch-alexandrinischen Ieitvorstellungen' entstehen läßt, daher bildet B.'s Kritik recht eigentlich nur einen Gegensatz zu der Strauß'schen. In seiner Kritik der Synoptiker wird das christliche Princip als etwas specisisch Neues ausgegeben, und indem es wenn nach B. eine Konsequenz sein soll, so kann es durchaus nichts specisisch Neues sein, und dies hat B. selbst ausgesprochen?). Hat 8) Diesen Ausspruch habe ich einmal schon angeführt.