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Der Orient · 1843-06-20 · 25 (20.6.1843) · p. Spalte 387-388

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
25 (20.6.1843)
Article
Die Judenfrage [Rezension]
Date
1843-06-20
Page
Spalte 387-388 (sequence 2)
Language
German
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387 Die Iüdenfrage. - 388 als das absolute prius der Religion überhauptmuß betrachtet werden, als der absolute Quellpuirkt, aus den alle lebendige und frische wahre Religiosität heraussprudeln muß. Dies ist, wie ich schon oben andeutete, ein theologischer priveligirter Standpunkt, der vor das Forum der Spekulation und der Kritik £ctne. Gnade findet. Denn die wahre Philosophie ertheilt keine Privilegien, ihr ist jede Erscheinung nichts mehr als Erscheinung des menschlichen Geistes, sie erkennt keine im theologischen Sinne sogenannte Offenbarung. Die speku-. lative Religionsphitosophie löst alle religiöse Gestalten auf, die Religion muß sich der Philosophie opfern, aber nicht die Philosophie der Religion. Es wird jeder leicht einsehen, daß unsere Ansichten toio eoelo von denen des Vers.'s verschieden sind, daß also die hier ausgesprochene Ansicht nicht blos den Vers., sondern die ganze Theologie in Bausch und Bogen trifft. Wenn nun der Vers., wie wir sahen, das Iudenthum als die absolute Religion anerkennt, und auch das Christenthum als die extensive Religiosität, als einen Standpunkt bezeichnet, der die Ausbreitung und Förderung der Wahrheit, d. h. die absolute Religion zur weltgeschichtlichen Aufgabe hat^): so wird es Jedem einleuchten, daß die Bäuerische Judenfrage bei ihm keine Anerkennung finden kann und darf. Hier ist es aber jetzt wesentlich darum zu thun, zu zeigen, wie der Vers, die Iüdenfrage aufgesaßt. Der Vers, bemerkt selbst, er hat aus der Judenfrage nach Belieben herausgelesen, und so wieder nach belieben widerlegt. Die Judenfrage also in ihrer Allgemeinheit will der Vers, gar nicht widerlegen, denn die allgemeine Fassung hat eo ipso nach des Verf's. Standpunkt keine Geltung. Der Vers, gicbt einen Grund an, der Bauer veranlaßte, die Judenfrage zu schreiben. Dieser Grund ist folgender. Bauer hat eine Kritik des A. L. geschrieben, welche mit seinem gegenwärtigen kritischen Standpunkte nicht zusammenstimmt, er wollte das Judenthum daher von seiner jetzigen kritischen Höhe betrachten. Diesen Grund schiebe ich Bauer aus folgender Ursache nicht unter, weil er das Judenthum, das Gesetz des Judenthums nämlich noch aus demselben Gesichtspunkte betrachtet, wie er in seinen früher» kritischen Schriften es thata), und daß also die Iüdenfrage ihr eignes Interesse haben muß. Dieses allgemeine Interesse ist dem Verfasser entweder ganz entgangen, oder er hat es gar nicht seines Standpunktes halber der Berücksichtigung Werth . 2) Die .evangelische Kirche hat nach dem Vers, mit dem Judenthum eine Mission, nur daß das Iudenthum sie auf jüdische Weise vollbringen muß. Die katholische Kirche hat die Mission, die Heiden zu bekehren (siehe Religionsphilosophie p. 832—833). Der Vers, erkennt ferner einen christlichen Staat an, d. h. einen Staat, der auf eine Offenbarungsreligion gegründet ist, und ein solcher Staat kann den Juden nicht ausschließen. Dies ist also des Verf's. Fassung der Judensrage überhaupt. 3) Dies bemerkt auch der Vers, in seinen Briefen sehr oft, und es wundert uns daher, daß er diesen Grund angcben konnte. gehalten. Er hat daher das Einzelne der Bauer'schen Judenfrage angegriffen,.'die einzelnen Ansichten über das jüd. Gesetz z. B. glücklich widerlegt, aber wie gesagt, das allgemeine Interesse hat er nicht berücksichtigt, d. h., er. hat. mit theologischen Mitteln den antitheologischen Zweck Bauer's bekämpft, er hat diese antitheologische Fassung W's. nicht gelten lassen. Die Bauerssche Judenfrage will aber nicht theologisch, sondern menschlich, allgemein gefaßt werden, und man kann die einzelnen Ansichten widerlegen, ohne doch den Kern der Allgemeinheit, der in der Judenfrage liegt, zu verwerfen. Es ist grade so wie mit. .der Hegel'schen Philosophie. Ihre Grundansicht ist eilte richtige, b. h. sie hat das Problem der Philosophie wohl erfaßt, die Religion wohl desinirt, und eben so den Staat, nur ist die syst ema tische Ausführung nicht gelungen, weit erstens : hier die Form, welche das sekundäre ist, als ein prius ausgegeben wird, und weil, zweitens: die ausgeführte HegeLssche Ansicht, den Widerspruch der Transcendenz und Immanenz zurückgelaffen hat*,. Eben so bei B's. Judenfrage. Die Grundansi'cht ist unstreitig richtig, nur die Ansführung läßt viel zu wünschen übrig, und diese hat der Vers, der Briefe widerlegt, die ich auch berücksichtigen werde. Es handelt sich jetzt also, die richtige und allgemeine Fassung der Judenfrage wiederzugeben, wie sie Bauer selbst gefaßt hat. II. Bauers Fassung der Judenfrage. Um die Bauer'sche Judenfrage in ihr gehöriges Acht zu - setzen, muffen wir einen Seitenblick in die Vergangenheit werfen, weil nur durch den Gegensatz das Nichtige erkannt wird.- Seit Mendelssohn bis auf B. herab, ist diese Frage von einseitigen Gesichtspunkten besprochen worden, weil sie unkritisch behandelt wurde. Mendelssohn hat sich die Frage vorgelegt : ist das Wesen des Juden mit dem eines Staatsbürgers harmonirend, kann der Jude ohne mit sich selbst in Kollision zu kommen ein gesundes Glied im Staatsorganismus sein? M. hat uns die Antwort Ln seinem „Jerusalem" Hintersassen. Staat und Kirche sind nicht zwei sich deckende Größen, der Staat ist eine weltliche, die Kirche eine göttliche Anstalt, und er hat auch den Koincidenzpunkt dieser beiden Reiche nicht aus den Augen verloren, indem er behauptete, daß gerade die Religion ein förderndes Mittel zur Ausübung 'der Staatspflichten ist. Die Tendenz dieser beiden Reiche sind zwar himmelweit von einander unterschieden, doch unterstützen sie sich gegenseitig. Wir können hier auf die Fassung des Mendelssohn'schen Staats und der der Kirche nicht weiter emgehen, und ziehen blos aus dem Jerusalem folgendes Resultat: M. hat beweisen wollen, daß der Jude als solcher ein guter Staatsbürger sein kann, daß die Religion ihm keine 4) Jeder billige Leser wird es in der Ordnung finden, wenn ich diesen Punkt nicht auseinandersetze, weil es den Zusammenhang dieses Aufsatzes nur stören würde.

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