Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-06-20 · 25 (20.6.1843) · p. Spalte 385-386

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
25 (20.6.1843)
Article
Die Judenfrage [Rezension]
Date
1843-06-20
Page
Spalte 385-386 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9897774-9897876-2369651--2873-2369682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Meratnrbtatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Fiteratur. MIA. Leipzig, den 20. .Juni 1843. Die Judenfrage. Judenfrage v. B. Bauer. Briefe zur Beleuchtung der Judenfrage v. Dr. S. Hirsch, Rabb. Beurth. von H. Jellinek. — Die Erbfolge bei den alten Hebraern. Ein Beitrag zur füd. Alterthumskunde, nack) rabb. Quellen bearbeitet von L. Boden he im er, Landrabbiner. —- Literarische Analekten. 1. Berichtigung einer Lesart in Dr. Haarbrückers R. Tcmchurm rc. 2. Das Buch Tarir. — Bibliographische Skizzen, mitgetheilt v. M. Sider, M. Schwarzauer, E. Cohn, A. Ink und I. Fürst. — Literarische Ankündigungen. Die Judenfrage. 1. Judenfrage von Bruno Bauer. Braunschweig u. Leipz. 1843. 8. 2. Briefe zur Beleuchtung der Judenfrage von Dr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Leipz. 1843. 8. Heinr. Hunger. Beurtheilt von Hermann Jellinek» I. Hlrsch's Fassung der Bauec'schen Iudenftage und seine Fassung der Iudenftage überhaupt. Der Verfasser dieser Briefe hat sich durch seine Religionsphilosophie der Juden sowohl als Philosoph wie als Theolog bekundet. Als Philosoph, da er das in seiner geschichtlichen Erscheinung ausgetretene Judenthum als ein notwendiges Produkt der weltgeschichtlichen Entwicklung zu begreifen suchte. Er hat allen anderen religiösen Erscheinungen eine Nothwendigkeit zugesprochen, freilich eine blos relative, und dies klingt schon leise an die Theologie an. Das orientalische und occidentalische Heidenthum hat sich dem Vers, in seiner sich selbst auflösenden Dialektik gezeigt, und weil es aus eine falsche Voraussetzung fußte, mußte es zu Grunde gehen. Das Heidenthmn also in Bausch und Bogen mußte das Loos des Zugrundegehens treffen, um der absoluten Religiosität — das auf einem Wundersystem — beruht, folglich eine Ausnahme von der Regel und eine Abweichung von der gewöhnlichen Kategorie der Religion macht, Platz zu machen. Dies charakterisirt den Vers, als Theolo gen; denn erstellt eine bestimmte, geschichtlich gewordene Religion, also eine Religion, die zu einer gewissen Zeit in die Geschichte eingetreten ist so gut als jede andere zeitlich gewordene Religion, als absolut hin, ohne die Kategorie der Religion überhaupt — die Natur derselben, d. h. die Natur der Vergänglichkeit, die doch jede religiöse Manifestation trifft, bei dieser vermeintlich absoluten Religion in Anwendung zu bringen. Der Vers, war kritisch gegen das Heidenthum, hier war er freier Denker, hier hat er den Stoff bemustert; das Judenthum aber darf nicht als ein Heiliges angetastet werden, die Kritik muß weichen, denn diese Religion ist absolut — sie ist eine geoffenbarte. Die Philosophie darf es nicht wagen, diese bestimmte Religion anzugreifen; sie bekommt ein theologisches Privilegium. Der Vers, war also nicht gegenssich selbst kritisch, denn das Judenthum soll über das gewöhnliche Loos der Religionen erhaben sein. So hat es aber auch Hegel gemacht. Er hat alle Religionen als Philosoph kritisirt, alle sind unter den Streichen der Dialektik gefallen — er war aber nicht kritisch gegen sich, d. h. gegen die christliche Religion. Dies ist aber die Schwäche des ganzen Hegel'scheri Systems, weil er sein Resultat nicht bezweifelt hat, weil seine Philosophie, d. h. die sp ecifi sch Hegel'sche, die absolute sein soll. Hegel war nicht darauf bedacht, daß die Philosophie überhaupt nicht in einem Individuum sich incarniren kann, sonst müßte die Jncarnation der Gattung in einem Individuum möglich sein *). Zwischen Hegel und dem Vers, ist aber noch ein wesentlicher Unterschied. Hegel erkennt nur das Christenthum als die allein absolute Religion an, das Judenthum hingegen ist ein von der Geschichte längst kritisirter Standpunktder Vers, hingegen, da er das Wesen der jüdischen Religion tiefer als Hegel erfaßte, auch ganz konsequent das christliche Princip im vollem Maaße anerkennt, nur daß das Judenthum wohl 1) Wer sich über diesen Punkt genau ins Klare setzen will, der lese Feuerbachs geistreichen Aufsatz in den Halleschen Jahrbüchern für Kunst und 'Wissenschaft 1839. Sept. „zur Kritik der Hegel'schen Philosophie." 25

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.