Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1843)
- Article
- Altona: Dr. G Cohen's Entgegnung auf eines Judenfeindes Artikel ...
- Date
- 1843-05-30
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
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170 gegen jede Anordnung, die des Landes Fürst und Obrigkeit zum Heile des Ganzen treffen; gerecht und freudig an Vermögen, an Kraft und Einsicht Alles zu spenden, was das Ganze zum Wohte Aller von dem Einzelnen fordert, und selbst das Leben hinzugeben,, wenn zur Verteidigung das Vaterland seine Söhne ruft. Aber zu dieser äußern Gesetzmäßigkeit muß auch noch die innere kommen: mit Herz und Gesinnung treu zu sein dem Lande, treu dem Fürsten, mit Liebe und Stolz zu bangen an des Landes Ehre, eifrig zu streben, wo und wie du kannst, auf daß die Anstalten des Landes blühen, auf daß jeder Zweck erreicht und gefördert werde, den der Staat, in dem Du lebst, als Ziel seiner Einigung setzt; überall aber für die drei Gcundsäulen jedes menschengesellschaftlichen Vereines, des Staates sowohl wie der Gemeinde, für Wahrheit, für Recht, für Frieden thatig zu sein, und für Gemeinsinn in jedem Einzelnen. Und diese Pflicht ist Dir unbedingte Pflicht, unabhängig davon, ob mild oder herbe gesinnt der Staat gegen Dich sei. Mag. man Dir ■ das Recht verkümmern, das Recht, Mensch zu sein und gerechtes Menschenleben zu entwikkeln ans dem Boden, der Dich geboren, — Du lasse nicht von Deiner Pflicht — sei Dir gerecht, sei gerecht dem Namen, den Du trägst, der Pflicht, die Gott von Dir fordert: Treue gegen Fürst und Land, und Heilesförderung, wo und wie Du kannst!" Hat der Staat Schaden zu fürchten, wenn ec die Israeliten, welche das Staatsgesetz wie das göttliche betrachten, emancipirtN Sie scheinen überhaupt in der Emancipationsgeschichte der Israeliten, obgleich Sie sich den Anstrich eines Kundigen geben wollen, nicht recht bewandert zu sein, sonst hätten Sie sicher Polen nicht für einen emcmcipirten Staat gehalten. Oder haben Sie auch dies in einem Ihrer judenfeindlichen Werke gefunden? Ich versichere Ihnen, Sie wimmeln von Lügen! Hatten Sie nicht vernünftiger gehandelt, wenn Sie statt nach dem fernen Polen, das die Juden nicht emancipirte, Ihr Auge nach dery nahen Dänemark gerichtet hatten, wo Sie Licht gefunden, wenn Sie dort Kunde emgezogen, wenn Sie unter Andern sich bei einem. Allg re e n- U ssing, bei einem Bisby erkundigt hatten, ob Dänemark es zu bereuen^ Ursache habe, die Mosaisten seit 30 Jahren emancipirt zu sehen? Ich hoffe, Sie hätten dort eine bessere Antwort erhalten, wenn nicht die Antwort Ihnen die bestescheint, welche sich Ihrem Vorurtheile günftig zeigt. Dieselbe Unkunde ist Ihnen hinsichtlich der übrigen Völker, welche Sie aufzählen, nachzuweisen, und will ich für heute, um nicht den Raum d. Bl für andere Gegenstände zu sehr zu beschränken, Ihnen das widerlegen, was Sie von Holland sagen, verspreche Ihnen indeß, bald über Frankreich, Sachsen und andere der Emancipation wohlwollende Staaten Aehnliches zu liefern. Ich will Ihnen nur für heute die Zeugnisse*) mittheilen, welche im vorigen Jahrevon Amsterdam ' *) Diese Zeugnisse sind mir im vorigen Jahre unmittelbar nach deren Bekanntwerden von meinem dortigen Korrespondenten zugekommen, aber durch dm schlecht gewählten Weg der Versendung um 8 Tage verspätet angekommen, und die A. Z. d. F. sie schon früher gebracht hatte. Red. aus und zwar von vier. Ministern, von dem Ae'ltesten der Magistratspersonen, von dem Präsidenten des Tribunals von Amsterdam und von dem Ehrwürdigsten und Berühmtesten der Holländischen Generale nach Cbristiania geschickt wurden, als der Norwegische Cvnsul zu Amsterdam vecläumdend gegen die Israeliten aufgetreten war. I. Schreiben des Ministers des Innern, den 19. April 1842. ♦ . ... Nachdem die Israeliten während 47 Jabre Theil genommen an allen Rechten und Pflichten, der Niederländischen Bürger, auf einem völlig gleichen Fuße mit ihren anderen Mitbürgern stehen, hat die Regierung oft Gelegenheit gehabt, die sociale Veränderung wahrzunehmen, durch welche dieser Theil der Bevölkerung, aus seinem alten Standpunkte der Jsolirung hervorgehend, zu einer vollständigen Teilnahme an der Niederländischen Nationalität berufen ward. Diese politische Emancipation hat nach meiner -Meinung vollkommen der Erwartung ihrer ersten Urheber entsprochen, und der Niederländische Staat hat niemals diese Reform zu bedauern gehabt. Sie haben den Beweis geliefert, sowohl 1813 bis 1815, als 1830 und nachher, daß sie bereit sind, die Interessen ihres Vaterlandes mit Kraft und als gute Staatsbürger zu vertheidigen. Der Minister des Innern: Schimm elpennink v. d. Oye. II. Schreiben des Ministers der Finanzen, den 20. April 1842. .... 'Es ist für mich eine angenehme Pflicht, der Wahrheit zu huldigen, indem ich erkläre, daß die Zulassung der Israeliten zu denselben politischen Rechten, wie die andern Staatsbürger, die in diesem Lande seit einem halben Jahrhundert geschehen, die glücklichsten Resultate hervorgebracht, und daß sie -.sich als treue und loyale Unterthanen, besonders in den schwierigen Verhältnissen, in denen sich das Königreich der Niederlande befunden, ausgezeichnet haben..... N o ch u s s e n. III. Schreiben des Justizministers, den 21. April 1842. .... Es ist für mich eine angenehme Pflicht, der Forderung zu genügen, die Sie an mich gerichtet haben, indem ich Ihnen die schriftliche Erklärung zukommen lasse, daß, wie die Niederländer im Allgemeinen sich durch ihren ruhigen Charakter und ihre treue Anhänglichkeit an Vaterland und König auszeichnen, ebenso diejenigen unter den Niederländern, welche die jüdische Religion bekennen, sich dadurch ehrenvoll unterschieden haben. — In den letzten Jahren gab es in diesem Lande Gelegenheiten genug, Beweise von Patriotismus und Bürgertreue zu geben. Die Juden haben sich ihrerseits auf eine Weise hierin betragen, die gleicher Weise ihr Herz und ihren Geist ehrt. Deshalb sind sie auch in unserm Vaterlande a l lg e m ei n a ls gute Bürger anerkannt und betrachtet. Die Regierung ehrt sie als solche gern, und persönlich empfinde ich ein wahrhaftes Vergnügen, daß Ihr Wunsch mir Gelegenheit giebt, dies Zeugniß zu Gunsten einer zahlreichen und achtungswerthen Klasse von Niederländern abzugeben. Der Iustizminister: van Hall. IV. Schreiben des Kriegsministers, den 23. April 1842. .... Die Israeliten dieses Landes erfüllen nicht allein ihre militärischen Verbindlichkeiten mit derselben Treue,