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Der Orient · 1843-05-30 · Heft 22 (30.5.1843) · p. Seite 171

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 22 (30.5.1843)
Article
Altona: Dr. G Cohen's Entgegnung auf eines Judenfeindes Artikel ...
Date
1843-05-30
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 wie alle andere Bewohner des Königreichs, sondern sie nehmen auch sehr häufig freiwillige Dienste.. .. Sie betragen sich stets gut und lobenswerth in ihrem verschiedenen Rang und Aemtern, ohne jemals Ursache zu mehreren Klagen oder gar Unzufriedenheit zu geben, als andere Militärs von anderm Glaubensbekenntniß, so daß man in der Niederländischen Armee keinen Unterschied, keine Ausnahme in Betracht ihrer macht, und >junge Mosaisten auf gleichem Fuß mit anderen jungen Leuten, Söhnen von Bewohnern des Königsreichs, um Zulassung zu der Königll Militärakademie, bestimmt, Officiere im Armeedienste und Beamte in der Marine zu bilden, im Königreich und in den Kolonien konkurriren. List. V. Schreiben des Präsidenten van Hall, den 28. April 1842. .... Ich erkläre demnach, daß die Erfahrung eines halben Jahrhunderts mir die positive Ueberzeugung gegeben hat, daß sich die Juden seit vielen Jahren immer mehr der politischen Gleichstellung nnt ihren andern Mitbürgern würdig gemacht haben. Als ich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mit der Aufrechthaltung der Justiz und Polizei hier beauftragt wurde, hatte ich überflüssige Gelegenbeit, wahrzunehmen, daß der israelitische Theil der Bevölkerung durchgehends friedlich und dem Gesetz und den Behörden gehorsam ist. Seitdem war ich sehr häufig in dem Falle, sie gegen den Haß und die Verachtung einiger sogenannten Christen, die voller Vorurtheile waren, unter ihren Mitbürgern zu beschützen, aber niemals habe ich irgend außerordentliche Maßregeln gegen Juden anzuwenden gehabt. .... Das Resultat meiner Ueberzeugung, gestützt auf meine Kenntniß der Thatsachen, ist, daß der Akt, die Juden aus dem Stande der Erniedrigung, in welchem sie ehemals in unserm Lande gewesen, zu erheben, die Uebergabe gleicher Rechte mit den andern Bürgern des Staats, in der Wählbarkeit'zu den Würden und Aemrern und in der Ausübung der Künste und Gewerke, und vor Allem die intellektuelle und moralische Civilisation, deren sie seitdem genossen und in einem fortschreitenden Verhältniß genießen, sie aller Rechte, welche ihre anderen Mitbürger beanspruchen können, würdig gemacht haben. . . . van Hall, Staatsrath, Präsident des Tribunals von Amsterdam. VI. Schreiben des Generals Chasse, den 25. April 1842. .... Zwei Jahre hindurch habe ich in der Citadelle von Antwerpen eine große Anzahl von Israeliten unter meinen Befehlen gehabt. Während dieser ganzen Zeit haben sie die b e st en B e w e ise von Muth, Treue, Di sciplin und Ausdauer gegeben. Als Mann von Ehre kann ich mit Ueberzeugung hin zufügen, daß, wenn meine Lebensdauer nicht beinahe abgelaufen wäre, und ich noch einen Feldzug zu beginnen hätte, ich m i ch se h r glücklich schätzen würde, den Befehl über einige Tausend dieser braven Soldaten zu'haben. Der General der Infanterie: Baron Chasse. Wie steht es nur, bei solchen Zeugnissen (4 und 6) mit dem von Mayer beigebrachren Meineide der mosaischen Rekruten? Kurz andeuten will ich heute nur, daß allerdings kein Eid mich verbinden kann, ohne Grund ein göttliches Gesetz zu übertreten, daß unsere Religion uns befiehlt, lieber den Tod zu dulden, als Götzendienst und Blutschande zu treiben und einen Mord zu begehen, daß aber dieselbe Religion uns nicht an der Erfüllung unserer Bürgerpflichten hindert. Denn sie erlaube uns, wenn das Vaterland unsere Dienste fordert, sie ihm zu Leisten, ohne Rücksicht auf Cerem onialgesetze, die dabei übertreten werden. Und so wenig die Religion uns ein Hinderniß in den Weg legt, wenn wir einem Menschen das Leben retten wollen, indem sie jede Übertretung der Ceremonialgesetze erlaubt, wenn ein Leben, selbst das Leben eines Thieres, in Gefahr ist, so wenig hindert sie, welche Liebe und Treue gegen das Vaterland befiehlt, welche d i e G ese tze des Staates als Gottes Gesetze zu beobachten lehrt, welche vor Gott und dem König Ehrfurcht zu haben gebietet, so wenig hindert sie uns, wenn die Erhaltung des Staates solcher Leistungen bedarf. Uebermrungen nur, ohne daß sie zum Wohle des Vaterlandes nothwendig waren, verbietet unsere Religion, und welcher -Landesvater würde wohl so grausam sein und sie von seinen Kindern fordern? Auch ich fordere, gleich Ihnen, die hochachtbaren Leser d» Bl. auf, selbst recht darüber nachzudenken. was hier und an den angeführten Stellen behauptet worden, dann aber auch ihre Gedanken darüber laut werden zu lassen. Nur die Bitte noch: das Urtheil sei kein Vorurtheil! Elmshorn, den 23. April 1843. Dr. Cohen. Hamburg 10. Mai. Hr. Dr. G. Sa l omon hat dem Wunsche der zahlreichen Anwesenden gemäß, seine am 6. Mai d. I., dem ersten Jahrestage der ewig denkwürdigen Hamburger Feuersbrunst, im neuen israel. Tempel daselbst gehaltene Predigt unter dem Titel: „Denk- und Dankfest" gedruckt erscheinen lassen. Leipzig, 23. Mal. Der Dichter, Leopold Schefer in Muskau in dem schlesischen Theile der Lausitz, ein religiös-socialer Enthusiast, gedenkt nach einigen Monaten an die Ausarbeitung eines neuen Werkes zu gehen, welches den Titel „Allgemeine Duldung" führen soll. Das erste Kapitel wird übecschrieben,fein: Die Emancipation von den Juden. — Bei Schefers reinemund tolerantem Gemüthe laßt sich trotz dieser sonderbar gewählten Ueberschrift doch nur eine wahrhaft humane Behandlung des wirklichen Emancipationsthema's erwarten. Köln- 18. Mai. Während die Petition der Dresdner jüdischen Gemeinde, obgleich sie nur die Abnahme einiger allzudrückendm Lasten und Beschränkungen bezweckte, durch die Zustimmung der zweiten Kammer zu dem Beschlüsse der ersten wieder völlig fruchtlos gemacht wurde, reden in andern Staaten christliche Bürger der völligen Emancipation in ihren Petitionen und Landtagsmandaten das Wort. So im Biharer Comirat in Ungarn; so auch in dem als ultra-katholisch und engherzig-provinzialisch verschrieenen Köln. Mannheim, 16. Mai. Die Mannheimer Abendzeitung Nr. 103 vom 4. Mai d. I. hatte folgende Korrespondenz enthalten: „Heidelberg, 28. 22 *

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