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Der Orient · 1843-05-23 · 21 (23.5.1843) · p. Spalte 325-326

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
21 (23.5.1843)
Article
Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
Date
1843-05-23
Page
Spalte 325-326 (sequence 3)
Language
German
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325 Jakob Lrigland's Abhandlung dasselbe von den Sadducäern behauptet! Die Veranlassung zu solchem Irrthum ist aber die Bosheit der Rabbaniten, welche sowohl die Karäer als die Sadducä'er Samaritaner nennen, und von diesen ist es bekannt, daß sie von den heiligen Büchern nur den Pentateuch annahmm. Kap. 3. Scaligers Meinung über den Ursprung der Karaer. Die entgegengesetzte Ansicht von Ioh. Morin. Sein Zweck. Schon vorher wurde hierüber von Seiten der Lehrer beider Sekten gestritten. Es ist getrennt zu untersuchen das Alter der Lehre, des Schisma's und des Namens der Karäer. Das Alter der Sekte wird bewiesen aus handschriftlichen Zeugnissen von den Karäern selbst, aus den vorzüglichsten Rabbinen, mit Verschließung der Ausflüchte des Morin, endlich aus dem Talmud. Untersuchung über den Anfang des Namens cwp. Nachdem wir dieses vorausgeschickt, wollen wir sogleich zu dem Hauptgegenstand, zu der Untersuchung über das Alter und den ersten Ursprung der Karäer fortschreiten, indem wir die Meinung des berühmten Morin hierüber (in den Exercitationibus sacris) einer bescheidnen Prüfung unterwerfen. Joseph Scaliger hatte ihnen in dem Lienobus 'l'rüraeresii (Kap. 22. p. 169) ein hohes Alter zugeschrieben, aber nur in einem bestimmten Sinne. Er sagt mämlich, es habe unter den Juden nach dem babylonischen Exil eine doppelte Lebensart und zwei Klassen von Menschen gegeben: eine, welche das Gesetz, die Propheten und die Hagiographe auf schlichte Weise befolgte, und eine andere, die außer dem, was das Gesetz verlangte, freiwillige und überverdienstliche Verrichtungen übernahm. Jene nennt er Karaim in dem oben erklärten Sinne, diese sagt er, seien die Chasidäer gewesen, von welchen 1 Makk. 2, 42. 7, 13. 2 Makk. 14, 6 sprechen. Er setzt . hinzu, daß, so lange jene freiwillige Uebernahme blos in Privatübung und freier Leistung vorhanden war, es eigentlich noch keine Sekte unter dem Volke Gottes gegeben habe; als aber die über das Gesetz hinausgehenden Vorschriften zu allgemein verbindlichen erhoben und eine Nothwendigkeit, sie zu beobachten, behauptet wurde, da seien Zweifel entstanden und Streite und Zänkereien haben sich nach und nach erhoben; aus der erstern Klasse, die sich blos auf die H. Schrift stützte, sei durch üble Anwendung eines trefflichen Grundsatzes die Gottlosigkeit der Sadducäer hervorgegangen, die weder Unsterblichkeit der Seele noch Ewigkeit der Belohnung und Bestrafung annimmt, unter dem Vorwand, daß sie durchaus nicht deutlich im Gesetze gelehrt würden. Die Chasidäer meint er haben den Pharisäern den Ursprung gegeben. Zufolge dessen stellt er den Satz auf: Die Karaim sind früheren Ursprungs als die Sadducäer. Diese durchaus nichts Ungereimtes enthaltende und mit den eignen Meinungen der Karäer völlig übereinstimmende Ansicht Scaligers suchte nun Morin nicht nur zu widerlegen, sondern auch in sehr bitterer Weise zu schmähen, und hierbei legt er dem Scaliger Aussprüche in den über die Sekte der Karäer. 326 Mund, an welche dieser gar nicht gedacht hat. Er selbst will die Karäer so jung als möglich machen. Sie sotten erst 260 Jahr nach Abschließung des ganzen Talmuds entstanden sein, dies wäre nach gewöhnlicher' Annahme um's Jahr 760 nach Christi. Aber nach Morin's Meinung ist die Vollendung des Talmuds um fast drei Jahrhunderte später geschehen, so daß der Ursprung der Karäer beinahe bis an's Ende des lOten Jahrhunderts heruntergesetzt wird. Und anders konnte der kluge Mann nicht, wenn er seine Hypothese 'von der vielfältigen Korruption des heiligen Textes retten wollte; denn er sah wohl, daß derselben kein größerer Schaden zugefügt werden könnte, als wenn den Karäern ein hohes Alter vindicirt würde. Ich will nun, abgesehen von der Zeit der Abschließul.g des Talmuds, in Bezug worauf seine Gründe gar zu unhaltbar sind, lieber Einiges von dem, was man bei der Lectüre der Karäer und der Rabbinen zu bemerken Gelegenheit hat, dem Leser zur Betrachtung vorsühren. Schon ehemals wurde dieser Streit über das Alter zwischen den Karäern und einigen Rabbaniten verhandelt; diese setzen jene gewöhnlich tief herab, jene dagegen schieben ihren Ursprung und ihre Vorgänger so weit als möglich hinauf. Um also über die ganze Sache sicherer zu urtheilen, wollen wir die Lehre, das Schisma und den N a m e n der K a - rä'er von einander trennen. Die Meinung Scalingers, daß die Lehre der Karäer von der Zureichcnheit der Schrift zum Heil, mit Ausschluß des Beiwerks der Traditionen (welches der Fundamentartikel ihrer Abweichungen ist) alter sei als alle Sekten unter den Juden und sogar als die der Sadducäer, ist den Karäern selbst eigenthümlich. D’WhO, sagen sie, ür\D, nämlich als die Pharisäer. Als Urbeber ihres Glaubens nennen sie die Propheten. Das Buch Chilluk sagt: p yunrv'-nrvän) rriijn man bwr\ rvbn p rmtn iddh rnijn bwrbxw p bmi? /di mn nm d.-phn -rmNtso D'*ojn ca Gegen diese Lehre aber kamen nach und nach menschliche Erfindungen auf und nichtiger Aberglaube, und so lange derselbe noch nicht Gesetzesform erhalten hatte und die Beobachter nur für vorzüglich fromme (bvron) gellen wollten, gab es noch keine abgeschiedene Sekte unter dem Volke Gottes. Nach und nach aber, jemehr die Meinungen auseinander gingen , kam der Streit zum Ausbruch, und es entstand ein offnes Schisma, nach der Ueberlieferung der Karäer zur Zeit des Johannes Hyrkan, des jüdischen Hochpriesteus und Ethnarchen und seines Sohnes,' Jannäus Alexander, ungefähr/100 Jahr v. Chr.; indem scitdem Rabbi Jehuda -ben Tabbai, dann R. Simeon ben Setach das Zeichen erhoben, und der Kampf von Zeit zu Zeit sich heftig erneuerte, wovon unten. Wann aber der Name Karäer entstanden sei, ist so zweifelhaft, daß es besser ist zu sagen, es lasse sich dies nicht ermitteln. Was wir hier aufgestellt haben, wollen wir nun etwas genauer untersuchen. Das hohe Alter, welches ich angegeben habe, schreiben allerdings die Karäer sich und ihrer Lehre zu. Das Buch 21*

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