Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 21 (23.5.1843)
- Article
- Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
- Date
- 1843-05-23
- Page
- Spalte 323-324 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Zakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. 324 Büchern, zu denen man doch wohl me wird gelangen können? Dann-erwähnt er §. 3. von Ioh. Morin, daß dieser, als er zu dem ersten Theile seiner Exercitationes biblicae einen Index der Gegenstände, die im zweiten Vorkommen, Hinzuge fügt und darin die vierte exercitatio „de Karaitis, Judaeorum Haereticis, tarn Judaeorum quam. ipsoruni Karaitarum seriptis iliustrata“ überschrieben fyatte, von Buxtorf über die Bücher der Karaiten, welche er besäße gefragt worden sei, und in einem Briefe, der unter den Alter- Lhümern der morgenländischen Kirche aufbewahrt wird, geantwortet habe: er besitze ein einziges, welches ein Kommentar zum Gesetz sei. — So ist es gekommen, daß das Meiste, was den Gelehrten über die Karäer bekannt geworden, aus den Berichten der Rabbinen, ihrer geschworenen Feinde, entlehnt ist. Wie wenig man aber Notizen von feindlicher Seite, besonders wo religiöser Eifer hinzukommt, Glauben schenken darf, ist bekannt; doch hat man nicht immer gehörig darauf geachtet und daher die Karaiten für weit schlechter gehalten, als sie sind, nämlich für einen unglücklichen Sproßling der verworfenen Sadduca'er, und so wider Willen durch Schuld derer, welchen man folgte, in den Wind geredet. Da es mir nun geglückt ist, zum Besitz und Studium nicht eines, sondern mehrer Bücher der Karäer zu gelangen, so glaube ich ein für die Kenntniß der heiligen Literatur nicht unnützes, dm Liebhabern verborgner Gelehrsamkeit nicht unwillkommnes und meiner Stellung nicht unwürdiges Werk zu unternehmen, wenn ich eine umfassendere Kenntniß von dieser noch wenig bekannten Sekte zu bewirken mich bemühe. Vorzüglich habe.ich dem Ursprung und dem Alter der Karäer nachgeforscht, wovon die Einsicht und Entscheidung der übrigen Fragen zum großen Theil abhängt. , D.ie Rabbinen werfen ihnen hin und wieder einen sparen Ursprung vor, und ihnen sind viele christliche Gelehrte gefolgt, vor allem Ioh. Morin, der ihr Schisma sogar erst nach der Bekanntmachung des Talmud entstehen läßt. Viel höher hinauf setzt sie Joseph Scaliger, deshalb von Morin heftig getadelt. Ich habe daher beschlossen, das harte Urth.eil des Morin zu prüfen und durch Behauptung eines höheren Alters jenem großen Manne eine Verteidigung, soweit diese in meinen Kräften steht, angedeihen zu lassen. Kap. 2. Die verschiedenen Namen, die sie vorzüglich bei den alten Rabbinen führen. Die Handschrift Chilluk. Die Namen: MierosolymUani3 Exconimunicati3 Sadducaei, Baithozaei3 Haeretici, Epicuraci, Samaritani. Grund der Benennung. Weshalb sie Karäer hießen. Nutzen dieser Kenntniß der Namen. Irrthum des Bartolocci. Vor Allem isi über die Namen und Beinamen dieser Sekte eine Untersuchung anzustcllen, unter welchen sie m den Schriften der Alten, vorzüglich der Rabbaniten, «Vorkommen oder angedeutet werden, da in. gehässiger Ausprägung dieser sich vorzüglich dl> Feindschaft ergangen hat; denn ohne gehörige Erklärung dieser wird man viele Stellen der Alten theils nicht verstehen, theils falsch beziehen und oft im Finstern tappen. Die Karäer selbst kennen dieses ihr Schicksal und beklagen es mit Recht. Das Buch, welches ich habe, betitelt DUlin DJ/ D'N-ipn pV?n, sagt p. 2: ptDU m UDD P’Din’Dl pprai I’TIWI po^nr; der Talmud, Maimonides, Abraham Ben David u. a. nennen sie ODNIpDtt, D^HD, □TO. Ilm - Ezra nennt sie etwas bescheidner by pp^n WnUN, aber auch bitterer D^rDQn. Hierosolymitani hießen sie nach dem Buche Chilluk pNJQ npon niN'H \3DD OLD) Dlb 1DDQ Dtiy, also wegen ihrer großen Liebe zum Tempel und zur heiligen Stadt, die so weit ging, daß sie auch nach der Zerstörung so lange als möglich darin blieben. Epikuräer hießen sie nach der Definition, die Maimonides von einem Epikuräer aufstellt.' HDOT HTf DDtl, D^DDri heißen nämlich die Vertheidiger der Traditionen. Samaritaner, Sadducäer, Baitosa'er hießen sie nur der Gehässigkeit dieser Namen wegen; es verwarfen jene das mündliche Gesetz als eine neue und alberne Erfindung, und hierin allein kamen die Karäer mit ihnen überein. Billiger Denkende unter den Juden verwarfen daher auch die Ungerechtigkeit, ihnen deshalb, sagte ich, jene Schimpfnamen beizulegen; Rabbi Asaria sagt z. B. w D niDipb »1DDD ttjn» )bx p by "itcrN ns byw mim d^dd n niDjjb n niron llfinn ODO pmtwb irr p:)T) Die übrigen Benennungen haben keine Schwierigkeit. Die gewöhnlichste ist jetzt ü'tnp, und sie kommt daher, weil sie sich blos an den Text, welcher gelesen wird (v>np), ja sogar nur an das geschriebene Gesetz, mit Verwerfung aller Traditionen, anschließen. Ioh. Morinus behauptet, sie hätten sich selbst diesen Namen bekgelegr, aber sie selbst behaupten mit allgemeiner Uebereinstimmnng das Gegentheil. Das Buch Chilluk sagt p. 1; ton tib ’3 UDO OlfOp D’TiN DUnp n& 'M -O iOpD 03 rniro tf?i dd byz min owupn nannn mrra um’ rnn-D dud wui min -bvjo jdtd dn o mm nuu ’dd ihn in DU3i □’jopjn oni dh1? mi3n3i mmm msnp -in. Es wurde, ihnen folglich der Name, wie es scheint, ursprünglich aus Verachtung beigelegt; denn jene großen und tiefen Lehrer, welche mehr, als das Gesetz verlangt, thun wollten, verabscheuten jene, die zu ihrer alleinigen Richtschnur das Gesetz wachten. Der Name nwp war vorzüglich in Egypten üblich (Maimonides' Kommentar zu Pirke Abot DWp b'l m$nNn INpp')* Wenn man dies genauer festhält, so wird man viele Stellen der Alten besser verstehen und namentlich die bei den Juden so weit gehende Verwechselung von Sekten und Dogmen vermeiden, und sich vor Irrthümern, in die auch die gelehrtesten Männer verfallen sind, hüten. So sagt z. B. der in dieser Gattung der Literatur unsterblich verdiente Giulio Bartolocci in der Magna ßibliotlieca Rabbinica: Karaita Judaeorum Haereticorum sectae genus est .... rejiciunt omnes Codices sacros praeter Pen tateuchum. Wie viele berühmte Theologen haben