Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 21 (23.5.1843)
- Article
- Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
- Date
- 1843-05-23
- Page
- Spalte 321-322 (sequence 1)
- Language
- German
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Mevatnrblatt des Orients. Berichte, Studie»» und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 21._ Leipzig, den 23. Mai 1843. Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karaer. Im Auszuge übersetzt. — Philosophie des Judenthums. Antikritik von Dr. Formftecher. Nebst einer Vertheidigung von Dr. Hirsch. (Fortsetzung). — Geschichte. Skizzen aus der jüdischen Geschichte. A. Der Apostat. Von S. Cassel. (Fortsetzung.) — Literarische Ankündigungen. Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karaer. (Im Auszuge übersetzt und mitgetheilt.) Kap. 1. Bisherige Unbekanntheit der Karäer. Seltenheit ihrer Schriften. Buxtorf sah keine, Joh. Morin eine, Joh. Selben zwei. Carpzovs Unheil. Alle Kunde von ihnen kam bisher fast nur von den Rabbaniten, welche ihnen einen spatern Ursprung zuschreiben. Sealigers bessere Ansicht, die mit Unrecht von Morin getadelt worden. Unser Vorhaben. In den Schriften der Gelehrten geschieht sehr häufig Erwähnung einer älteren Sekte unter den Juden, die, völlig entfernt von allen menschlichen Anordnungen in Betreff der geoffenbarten Religion, feindlich dem Talmud und den Ueberlieferuugen der Lehrer, zufrieden mit den Schätzen und der Offenbarung der Schrift, den Namen Karaer erhalten hat. Doch hat es bis jetzt, soviel mir bekannt, noch keinen Philologen gegeben, der ihre Abweichung nach ihrem ersten Ursprung, nach ihrer Zeit und ihren Hauptgegenständen gründlich untersucht hätte, was, wie ich glaube, nicht dem Mangel an Scharfsinn oder Fleiß, sondern nur der außerordentlichen Seltenheit der Bücher, in welchen die Karäer selbst über ihren Glauben und ihr Schicksal uns berichten, zuzuschreiben ist. Obwohl sie, im Verhältniß zu dem Zeitraum, nur wenige geschrieben haben, so sind doch noch viel wenigere, ja die allerwenigsten in unsere Hände gekommen; mag daran nun die weite Entfernung ihrer Aufenthaltsörter und der Umstand, daß die meisten nur handschriftlich vorhanden sind und wohl auch noch manche bei ihnen verborgen liegen, oder mag die List und Macht der ihnen feindlichen Rabbnaiten daran Schuld sein, welche ihnen solchen Haß und solche Verachtung zuzogen, daß man deshalb vielleicht weniger sorgfältig ihre Ansichten und ihre Denkmäler untersucht hat. Und doch würde man, bei größerer Bekanntschaft mit ihnen, sie eines fleißigen Studiums' für viel würdiger gehalten haben, als die Kommentare der Rabbaniten oder den Kram des Talmuds. Denn an Gelehrsamkeit kommen sie ihnen wohl gleich, an Schärfe des Urtheils aber, an Gewicht und Klarheit ihrer Gründe, an Gewandtheit in der Schrifterklärung, sind sie ihnen weit überlegen, und an Unbescholtenheit der Sitten und an Fertigkeit im Disputiren stehen sie "ihnen, selbst nach der Feinde Zeugniß, weit voran. Dies kann, bei Vergleichung Beider, Niemand in Abrede stellen. Aber daß eben diese nicht geschah, hinderte wie gesagt, die große Seltenheit der betreffenden Schriften. Es haben daher von den Koryphäen in der hebr. Literatur viele sie nicht einmal gesehen, und von denen, welche sie sehen konnten, haben sie, wie die Satyren des Persius, kaum einer oder zwei gelesen. Der berühmte Buxtorf sagt (Anm. zu Kusari, Absch. NI.), daß ihm noch kein Buch der Karäer zu Gesichte gekommen sei; Seiden erwähnt zwei, die er kennen gelernt habe: das eine war rnirp und handelt vorzüglich über Arajot und verbotene Heirathen, gedruckt zu Konstantinopel nach jüd. Zeitrechnung 5322, nach christl. 1562, das andere war handschriftlich und hatte zum Verfasser den Rabbi Elia ben Mose von Kreta. Kürzlich hat Carpzov sin der Introductio ad Kaijn. pug\ Fidei cap. IV.) so darüber geschrieben: Man klagt allgemein über Mangel an Schriften, und von Golms schreibt Hottinger im Thes. Philol. 1, v. 9. p. 41, daß er ihm erzählt habe, die Karaiten hielten zu Konstantinopel ihre Schriften verborgen; eine einzige erwähnt Buxtorf in der Rabbinischen Bibliothek p. 309, welche er aber nicht selbst gesehen hat; drei von den Karäern geschriebene Bücher hatte außerdem Anton Lazarus dem Buxtorf angezeigt — aber wozu die Aufzeichnung von 21