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Der Orient · 1843-05-02 · 18 (2.5.1843) · p. Spalte 277-278

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
18 (2.5.1843)
Article
Dogmatische Literatur [Rezension]
Date
1843-05-02
Page
Spalte 277-278 (sequence 3)
Language
German
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277 Die Messiaslehre der Juden in Kanzelvorträgen. V. Dr. S. Hirsch. 278 dienen kann und darf, wenn es dieses rein des Staatszweckes und nicht eigener Voctheile wegen thun will. Dieser Staatszweck ist aber, kein anderer, als die- Verwirklichung des Göttlichen im weltlichen Staate, und da Israels Religion eben keinen andern Inhalt, Israel selbst keinen andern Beruf hat, als die Verwirklichung des Göttlichen in allem Weltlichen: sokann es nicht eher dem Staate dienen, bis es durch sein Leben beweist, daß es eben in seinem weltlichen Leben das Göttliche verwirklicht hat. Es ist unmöglich, diese Predigt in einer Skizze zu charakterisiren. Referent kann nur darauf aufmerksam machen und namentlich alle Staatsmänner bitten, dieselbe bei ihren Verhandlungen über Emancipation durchzulesen. Einzelne Stellen mögen hier ausgeschrieben werden: „Der Staat ist eine göttliche Anstalt, sein Lebensquell ist das Göttliche und sein Zweck ist Verwirklichung alles Göttlichen auf Erden. Der Staat kann daher uiemals ohne Religion bestehen, denn der Staat ist nur die Ausübung der Religion, die Verwirklichung der religiösen Zwecke. Das, was die Religion lehrt, will der Staat vollbringen; was die Religion fordert, will der Staat ins Leben rufen." Ferner: „Der wahre, seinem Gott treue Israelit weiß es, daß seine Ausgabe nur darin bestehet, die Seligkeit des heiligen Lebens,durch seinenWandel zur Anschauung und zur Erkenntniß zu bringen, zu zeigen was es heißt, Gott im Herzen haben, sich von Gott und von allem Göttlichen und nur von Gott und Göttlichem erfüllen zu lassen. Der wahre Israelit ist das vollkommene Ebenbild Gottes aus Erden, ist die freie Ecschauung des Göttlichen im Irdischen, ist das Bild der göttlichen Freiheit in allem Thun und in allem Reden. Sein Dasein wirkt daher befreiend und veredelnd auf seine Umgebung, macht die Menschen empfänglich für alles Hohe und Himmlische, und so erfüllt er den Zweck des Staates, auch wenn er nicht zu feinem Dienste sich angestellt findet und dient demselben, auch wenn er sich nicht zu dessen Dienste aufgefordett sieht. Der Staat hat ja keinen andern Zweck, als die Menschen zu veredeln, ihren Sinn für alles Himmlische zu erschließen, ihre Herzen mit Liebe zu allem Göttlichen -zu erfüllen, und dieser Zweck des Staates und kein anderer ist ja auch der Zweck des israelitischen Volksdaseins. Gott hat .ja Israel befreit aus niedriger Sklaverei, hat es getragen auf Adlersittigen, hat es erzogen, wie der Vater seinen Sohn erziehet, hat es wunderbar erhalten bis auf dem heutigen Tag, damit es das Werkzeug sei in der Hand Gottes, die Menschheit zu veredeln und zu befreien, damit alles Böse an ihm seine Nichtigkeit erfahre, alles Gute, Schöne und Göttliche aber in ihm die Bürgschaft für seine richtige Dauer finde." Ferner: „Nichts ist hindernd in unsrer Religion, wenn wir dem Staate dienen; aber Alles ist fördernd in derselben, diesen Dienst mit Treue zu verwalten. Auch die Ceremonien und religiösen Sitten der Juden, um dieses nur mit Einem Worte zu erwähnen, sind nicht hindernd. Des Staates Gesetz ist ja Gottes Gesetz; der Staat ist ja eine von Gott für alle Menschen verordnete Anstalt, und deswegen müssen die Gesetze, welche nur den Juden, um den israelitischen Beruf auszudrücken, von Gott gegeben sind, dem Gesetze weichen, das Gott für alle Menschen verordnet hat. Für den Fall, aber auch unr für den Fall, daß die Ausübung der jüdischen Ceremonien dem göttlichen Staatszweck, dem Wohle der Gesammtheit hindernd im Wege steht, ist daher jene Ausübung von Gott sogar verboten. Aber die Gesinnung, welche die jüdischen Ceremonien ausdrücken wollen, die Aufgabe, deren Bundeszeichen zu sein, die von Gott für Israel verordnet sind, ist dieselbe Gesinnung, die der Staat verbreiten soll, dieselbe Aufgabe, zu deren Erfüllung sich der Staat von Gott eingesetzt weiß." Bon dieser äußerlichen Lage Israels geht der Verfasser auf seinen innern Zustand über, und weist in einer ganzen Reihe von Predigten nach, wie sowohl das Wesen, als die Form des Judenthums keinen andern Zweck haben, als die innere wahre Freiheit, die Befreiung von der Sünde, die wahre Menschheit, die Herrschaft des geistigen Lebens zunächst in Israel und vermittelst desselben in der übrigen Welt, und zwar auf dieser Erde zu verwirklichen. Predigt 4 — 8 behandelt das Wesen des .Judenthums und sie geben eine Apologie der Wunder und Prophetie, was der Verfasser sehr ausführlich und speciell in seiner Religionsphilosophie der Juden nachgewiesen hat. Die vierte, fünfte, sechste und siebente Predigt haben zum Text: So spricht der Herr: Stellet euch auf die Wege und sehet und^vaget die Pfade der Wett, welches der gute Weg sei und wandelt darauf und findet Ruhe für euere Seelen; und sie sprachen: — Wir wollen nicht darauf wandeln.- Und da bestellte ich euch Wächter, merket auf der Posaunen Schall; und sie sprachen: — Wir wollen nicht darauf merken. Die vierte Predigt vergleicht zunächst Israels geistiges Leben in Egypten mit dem unscigen, und sinder, daß so wie Israel in Egypten nicht Gott danken wollte, sondern nur über sein hartes Loos sich beklagte, so auch heute es nicht das geistige Leben, der wahre Gottesdienst, die wahre Freiheit ist, welche Israel ganz durchdringt, sondern ihm mehr sein irdisches Schicksal, mehr das Irdische als das Geistige am Herzen liegt, sowie Israel damals Götzendienst trieb und sagte, ein Gott zwinge es zum Sündigen, es müsse vermöge seiner Natur sündigen. So wie aber Gottes Zweck bei der Befreiung Israels aus Egypten kein leiblicher, sondern ein geistiger war, indem Israel zum Bewußtsein gebracht werden sollte, daß die Natur' keine 18*

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