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Der Orient · 1843-05-02 · 18 (2.5.1843) · p. Spalte 275-276

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
18 (2.5.1843)
Article
Dogmatische Literatur [Rezension]
Date
1843-05-02
Page
Spalte 275-276 (sequence 2)
Language
German
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275 Die Meffiaslehre der Juden in Kanzelvortragen. B. Dr. S. Hirsch. 276 leidensvolle Vergangenheit und deren religiöse Bedeutung spricht, und der dritte Israels Zustand in her Gegenwart und sein Verhältniß zum Staate darstellt. Der erste Vortrag weist nach, wie das Judenthum mit seiner Messiaslehre zugleich sein Dasein aufgeben würde, widerlegt die Vorwürfe, die gegen diese Lehre aufgestellt wurden, dadurch, daß er unter Anleitung des Jesaja (Kap. 40, 1 — 26) im Allgemeinen nachweist, wie das Judenthum diese Lehre auffaßt, und wie sie daher philosophisch begründet und mit der wahrhaft menschlichen Natur innig verwachsen ist. Es wird nämlich die Zeit sein, wo die Gotteserkenntniß allgemein über die ganze Erde verbreitet sein, der Monotheismus also überall Wurzel gefaßt haben wird, und zwar nicht blos im Kopfe, sondern auch im Herzen; wo demnach Wissen und Wollen bei Jedem übereinstimmen, Gott und Mensch, oder mit andern Worten, der Mensch mit sich selbst, mit seinem eigenen wahrhaft menschlichen Wesen einig sein wird. Daß dies das Ziel aller Weltgeschichte ist, kann gewiß von Niemanden geleugnet werden, und daß dann, wo das Böse gänzlich verschwunden sein, wo hahrhaft menschliches und somit göttliches Leben überall angetroffen wird, eine höchst freudenvolle Zeit sein muß, ist unstreitig eine unbezweifelbare Wahrheit. Eine solche Zeit kann aber nach der Ansicht des Verfassers nicht ohne schwere Kampfe herbeigeschafft werden; denn da die Wahrheit freiwillig anerkannt werden soll, weil sonst die Freiheit des Menschen verloren ginge und somit die ganze menschliche Natur zerstört würde, so ist ein immerwahrender Kamps zur Vernichtung des Bösen und der Sünde, da das einmal aus der Erde sich verwirklicht hat, nothwendig, bis das Gute durch seine eigene innere Kraft allgemein gesiegt haben wird. Dies sind die Leiden vordem Eintritt der messi'anischen Zeit, das diesem vorausgehende Weltgericht nach dem Propheten. Es ist dies nichts Anderes als die Entwickelung der Weltgeschichte, oder mit andern Worten, die Entwickelung des menschlichen Geistes in ihr, das mühsame Erringen seiner selbst, seiner Freiheit oder Gottlosigkeit. Die Wahrheit einer solchen Messt'aslehre wird gewiß Niemand bestreiten wollen; die wahre Philosophie kann nicht anders als eine solche anerkennen. Worin sich aber nun unser Verfasser von der neuern Philosophie unterscheidet, das ist, daß dieser Kamps nur ein relativ nochwendiger ist, da das Böse sich nicht mit absoluter Nochwendigkeit auf der Erde verwirklichen mußte, sondern, vermöge der von Gott geschaffenen menschlichen Natur, auch hatte unterbleiben und eine auf Wahrheit begründete stetige Entwickelung des menschlichen Geistes hatte stattsinden können, und daß eine solche auf dieser Erde auch noch eintreten wird und muß. Dies ist zugleich die charakteristische Unterscheidung zwischen dem Judenthum und Ehristenthum, und es ist nach des Verfassers, so wie auch nach des Referenten Ansicht, die wesentliche Ausgabe des Judenthums, diese Wahrheit, daß die wirkliche Sünde auf dieser Erde nicht sein soll, und auf dieser Erde als das Nichtige allgemein anerkannt und das Gute als das allein Geltende ausschließlich gewollt und vollführt werden wird, festzuhalten, gegen alle falsche Philosophen zu vertheidigen und überallhin zu verbreiten. Daß dies der wahre Beruf des Judenthnms sei, und wie es diesen Berus zu erfüllen habe, sucht der Verfasser nun in folgenden Wortragen ausführlich zu beweisen. Referent mußte bei diesem ersten Vortrage weitläufiger sein, weil in ihm das ganze Princip des Judenthums enthalten und seine ganze Aufgabe im Allgemeinen schon angegeben ist, von welchem die übrigen Vorträge nur eine speciellere Ausführung sind, bei deren Charakterisi'cung wir uns daher kürzer fassen konnten. In der zweiten Predigt sucht der Verfasser die Leiden Israels in ihrer religiösen Bedeutung darzustellen, und weist nach, wie gerade in diesen sich das Bündniß Gottes mit Israel bewahrt; denn wie Gott jedem Einzelnen Menschen durch Leiden die Nichtigkeit des Eitlen zum Bewußtsein bringt, so zeigt er dem Volke Israel insbesondere, daß sein Beruf kein anderer sei, als die richtige Wahrheit zu verbreiten, und daß, so wie es dem Nichtigen nachstreben will, es sogleich das Nichtige desselben erfahrt, daß aber Gottes Gnade gerade darin besteht, daß er Israel nicht sterben läßt, sondern väterlich erziehet, damit nun einestheils die übrigen Menschen und Völker in Israels Geschichte erkennen, wie Gott einen jeden Menschen erziehet; anderntheils aber auch — die zweite wichtige Bedeutung von Israels Leiden :— durch sein standhaftes und geduldiges Ausharren in der Wahrheit die Nichtigkeit des Bösen gegen das ewige Bestehen der Wahrheit erkennen und zur freiwilligen Anerkenntniß des wahren Gottes und des wahren Wesens des Menschen, der Freiheit, kommen. Die dritte Predigt behandelt Israels Gegenwart/ hat' somit einen Theil der Emancipationsfrage zum Gegenstände, und zum Texte: Was ihr im Sinne habt, soll niemals geschehen, daß ihr sprechet: Wir wollen sein wie die übrigen Völker, dem Holze und dem .Steine zu dienen, so wahr ich lebe, spricht der Herr, mit ausgestreckter Hand und aus-; gegossenen Grimm werde ich über euch König sein. Oer Hauptinhalt dieser Predigt ist, daß Israel nicht äußerlich emancipirt werden kann, bis es sich innerlich selbst frei gemacht hat, und namentlich durch Festhalten seiner Religion und durch Leben nach seiner Religion zeigt,; daß diese eben Nichts weiter beabsichtigt, als diese Freiheit zu verwirklichen. Wohl sagt Israel, daß auch die , Nichtjuden nicht weiter sind in der Bildung und Freiheit als sie, und dennoch am Staatsleöm Theil nehmen; . aber dies ist ja eben die göttliche Liebe zu Israel und seine Aufgabe, daß es den übrigen Völkern in der Frei-' heit vorangehen und zu ihr durch Entbehrungen erzogen werden soll, und daß es daher erst dann dem Staate

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