Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 18 (2.5.1843)
- Article
- Dogmatische Literatur [Rezension]
- Date
- 1843-05-02
- Page
- Spalte 279-280 (sequence 4)
- Language
- German
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279 Paroles d’un Croyant Israelite. Macht gegen Gott, sondern dieser, freier Herr der Natur sei, und daß der Mensch, im Ebenbilde Gottes geschaffen, daher ebenfalls nicht Sklave der Natur, sondern diese geistig beherrschen könne und solle: so sollen auch wir, die wir noch von Sinnlichkeit und Leidenschaften uns beherrschen lassen, uns immer freier zu machen streben, damit der Zweck Gottes mit uns und der .Menschheit erreicht werde. ,Das ist nach des Verfassers Ansicht der Zweck unsers Pesachftstes; es will dies daher nicht blos als eine Erinnerung an jenes einst stattgehabte Ereigniß gefeiert werden, sondern es will zugleich als Sinnbild einer Erinnerung dieser Befreiung betrachtet sein. Nachdem er so den Zweck der Erlösung Israels aus den Sklavenbanden Egyptens ausgeführt hat, stellt er die Mittel dar, welche Gott dazu hat anwenden wollen und welche er heute noch anwendet, um seinen ewigen Zweck zu erreichen. So wie dies bei dem einzelnen Menschen keine anderen sind, als das Leben, das er lebt, das Schicksal, das ihm geworden, seine Lebenserfahrungen, so sind es auch die Lebenserfahrungen Israels, die Wunder, durch welche Gott seine Geschichte von Anfang an bis heute geleitet hat, welche ihm Gottes Geist zum Bewußtsein bringen sollen. Es ist daher sowohl in dieser fünften, als auch in der sechsten Predigt, in welcher letztem er insbesondere die Nothwendigkeit der Wunder darthut, eine Apologie der Wunder enthalten und eine Vertheidigung gegen das Laugnen derselben von Seiten der modernen Philosophie. Was hier nur im Allgemeinen, angedeutet ist, hat übrigens der Verfasser im vierten Abschnitt seiner Religionsphilosophie der Juden speciell und systematisch durchgeführt. Auf ähnliche Weise behandelt der Verfasser in seiner siebenten Predigt die Erscheinung Gottes auf dem Berge Sinai, welche, selbst ein Wunder, zugleich seine Bedeutung und damit die Deutung der Wunder überhaupt in sich enthalt, somit auch das Wesen der Prophetie ausdrückt. (Fortsetzung folgt.) Polemik und Apologetik. 2. Paioles d’un Croyant Israelile. Par J. Anspach, Traducteur du Riluel des prieres Israelites. Paris. 1842. 8. Au hureau des Archive s Israelites, rue Pavee, Nr. 1, au Märais, (Schluß.) Solche Verbesserungen müssen die Rabbinen realisiren; denn nicht allein daß sie es können, ohne, den Buchstaben des Gesetzes zu verletzen, sondern sie müssen es auch, so sie nicht wollen, daß unsere Tempel öde werden; da die Jugend sich vom Besuche derselben zurück'hätt, wenn sie Par I. Anspach. (Schluß.) 280 Nichts dort findet, woran sich Ohr und Auge ergötzen könnten. Vorzüglich ist ihre Aufgabe, die Quelle reinen und frischen Wassers von den Hindernissen und dem Schutte zu reinigen, welcher sie verstopft, zu zeigen, daß man vor Allem, um ein wahrer Israelit zu sein, gut, rechtschaffen, gerecht und gegen Jedermann mildthätig sein müsse; diejenigen zu brandmarken, welche Abends und Morgens in den Tempeln die Augen drücken, die kleinlichsten Vorschriften des Kultus befolgen, und dann die gesellschaftlichen Pflichten durch Haß, Verläumdung und Doppelsinn verletzen, und so die Geißel der Religion werden, deren heilsame und liebevolle Principien sie verkennen machen. Es genügt auch nicht, daß man diese Prineipien ein oder zwei Mal des Jahres in pomphaften Reden verkünde, sondern sie müssen oft,itäg(ich wiederholt werden; man nuch sie den Kindern beiderlei Geschlechts durch einen ihnen angemessenen religiösen Unterricht einprägen. Diese Bedürfnisse, welche von den extremen Ansichten sowohl des Obskurantismus als der Irreligion frei sind, werden vorzüglich von denjenigen Israeliten lebhaft gefühlt, welche ohne gläubig zu sein aufzuhören, in der Gesellschaft so leben, wie sie heute besteht. Um diese Verbesserungen zu vollziehen, bedarf es vor Allem einer großen Vorsicht in. der Wahl der Rabbinen, und auch bei diesem Punkte müssen wir über die wenige Sorgfalt klagen, welche bis jetzt bei dieser Wahl vorgeherrscht hat. Fast immer ist sie vorgenommen worden unter dem Einflüsse der Rücksichten auf Verwandschaft, Familie und Stellung z man hat den Hauptzweck aus den Augen verloren, um dessen Willen die Wahl eigentlich vorgenommen werden sollte. Sie hat gewöhnlich solche getroffen, die in Betracht ihrer Sitten als Privatmänner, ihrer persönlichen Eigenschaften und ihres theologischen Wissens wohl alle Achtung verdienen, die aber zu furchtsam sind, um nicht vor der unbedeutensten Neuerung zurückzuschrecken und daher für unsere Epoche zu schwach, anstatt daß sie beherzte Männer, Männer', die von einer Ueberzeugung ganz durchdrungen sind, und die Fähigkeit besitzen, durch Predigten sie auch der Masse einzuflößen, Rabbiner, welche sich nicht ausschließlich mit der Ausübung des Kultus beschäftigen, sondern auch die Wohlthaten zeigen, welche die Religion den Menschen verschafft, hätte treffen sollen. Wenn wir uns über die Untüchtigkeit unserer Rabbinen, über die Apathie unserer Konsistorien beklagen müssen, so müssen wir ebenso sehr die sträfliche Indifferenz der Großen in Israel bedauern, welche sie, bis auf einige wenige ehrwürdige Ausnahmen, gegen Alles, was die Interessen der Religion (und wir würden hinzusetzen des Iudenthums) betrifft, zeigen. Während wir daher in den verschiedenen christlichen Sekten hochgestellte und ehrwürdige Männer, wie Montmorency, Montalembert etc. durch ihren Einfluß und durch ihr Vermögen die moralische Verbesserung ihrer Glaubensgenossen fordern, durch die Abfassung religiöser Werke und durch Wohlthätigkeits- und Lehranstalten die Interessen ihres Kultus vertheidigen sehen, ziehen sich solche Männer ganz zurück, denen