Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 18 (2.5.1843)
- Article
- Dogmatische Literatur [Rezension]
- Date
- 1843-05-02
- Page
- Spalte 273-274 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897852-2369174--2740-2369207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte un- Meratur. M!§• Leipzig, den 2. Mai 1843. Dogmatische Literatur. Die Messiaslehre der Juden in Kanzelvortragen. Von Dr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Anp^eipt von %. — Polemik und Apologetik. Parolus ci’un Croyant Israclite. *lJar 5. Anspach. (Schluß.) Besprochen v. A. Ink. — Literarische Analekte. Berichtigung über Hrn. Dr. Bodenheimer's Notiz: Das Testament des Huschenk. Von A. Ink. — Geschichte. Skizzen aus der jüdischen Geschichte. A. Der Apostat. Von S. Cassel. Dogmatische Literatur. Die Messiaslehre der Juden in Kanzelrorlragen. Zur Erbauung denkender Leser herausgegeben von Dr. Samuel H i r s d), Rabbiner. Leipzig, 1843. 8. Heinrich Hunger. Dies ist b«r Titel eines so eben in Form von Kanzelvortragen erschienenen Buches von Dr. Hirsch. Es bedarf gewiß nur des Titels, um das allgemeine Jntereffe des Juden sowohl als des Nichtjuden darauf zu leiten; denn unstreitig ist es gerade die Lehre des Messias, welche das wichtigste Moment des Judenthums bildet, und so vielfache Anfechtungen sie auch schon erfahren hat, dennoch vom Judenthum fest behauptet werden muß, wenn dieses nicht seinen ganzen welthistorischen Werth verlieren soll. Auch der Verfasser hält diese Lehre nicht nur fest, sondern findet in ihr alle Wahrheit, welche über die ganze Erde zu verbreiten und an ihrer Erfüllung zu arbeiten, der einzige und einstige Beruf des Judenthums sei. Wir wissen aus seiner früher erschienenen Religionsphilosophie der Juden, wie er diese Lehre vom Messias philosophisch zu begründen sucht, und was er dort im System giebt, dasselbe giebt er zum Thei! hier in populärer Darstellung, belehrender und zugleich erbauender Form einzelner Kanzelvortrage, die aber dennoch wieder ein Ganzes und für den aufmerksamen Leser ein System bilden, worin zugleich auch ein Theil seines versprochenen zweiten Theils der Kultusphilosophie der Juden dargelegt wird. Ehe wir uns daher aufs Einzelne einlassen, müssen wir vor Allem die Verdienste des Verfassers um eine wissenschaftliche Darstellung, und philosophische Begründung des Judenthums im Allgemeinen anerkennen, besonders in einer, Zeit, wie die unsrige, in welcher die Frage, ob die Juden ein Recht ihres Bestehens für sich anführen konnten, von christlichen Gelehrten von Neuem ausgestellt und mit einem entschiedenen Nein beantwortet worden ist. Und doch ist es gerade dies allein, was uns als Juden zu einer bürgerlichen Emancipation führen kann; denn nur wenn wir gründlich und kritisch Nachweisen, wie das Judenthum ein wesentliches Moment der Welt- und Staatengeschichte bildet, müssen uns die Staaten, in denen wir leben, emancipiren. Diese Aufgabe hat sich der Hr. Dr. Hirsch gestellt, und sehen wir nun im Einzelnen, wie er in dieser Messiaslehre sie zu erfüllen sich bemüht. Er behandelt dos ganze Judenthum in seinen Grundzügen mit seiner Messiaslehre, dem Grund- und Ecksteine desselben, ohne welchen das ganze Gebäude zusammenfallt, in vier Abschnitten. Der erste Abschnitt behandelt die Messiaszeit und die Geschichte der Juden in ihrer Bedeutung; der zweite das Wesen des Judenthums; der dritte die Form desselben; und endlich der vierte oder Schlußabschnitt dm besondern Glauben Israels an seine Rückkehr nach Palästina und an einen persönlichen Messias. Geben wir nun in einzelnen Zügen eine Charakteristik jedes einzelnen Abschnittes, so werden wir sehen, wie der Verfasser das Judenthum auffaßt, und wie nolhwendig Eines das Andere hervorbringt, wie das Ganze so gegliedert ist, daß die Messiaslehre nothwendig der Schlußstein des Judenthums und daher die Verbreitung dieser Wahrheit noch heute die Aufgabe desselben sein mußsomit der welthistorische Beruf des Judenthums noch keinesweges sein Ende erreicht hat. Drei Wortrage bilden den ersten Abschnitt; von denen der. erste die Freuden und Leiden der messianischen Zeit im Allgemeinen schildert, der zweite über Israels 18