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Der Orient · 1843-04-25 · 17 (25.4.1843) · p. Spalte 261-262

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
17 (25.4.1843)
Article
Polemik und Apologetik [Rezension]
Date
1843-04-25
Page
Spalte 261-262 (sequence 3)
Language
German
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,261 Die Judenfrage von B. Bauer, näher beleuchtet v. Dr. G. Philippson. 262 „Vernuftstaat", wie ihn die zwei letztem Philos. aufgestellt haben, ist bei Hegel und Bauer gar keine stede.5) Weiß der Verf. nicht, daß Hegel den berühmten Satz aufgestellt hat: „Was vernünftig ist, das ist wirklich, und umgekehrt^. Wie konnte daher dem Verf. einfallen, Bauer's Staat ein Ideal zu nennen, da gerade Bauer und alle.Iunghegelianer mit diesem Satze Ernst machen. Der Verf. hätte sich an Bauer's eigne Konsequenzen hatten sollen, und beweisen, der Staat hat nur auf das rein Menschliche (auf Freyheit) zu sehen. Doch weiter. Bauer macht es dem Judenthum zum Vorwurf, daß es ihm nicht allein an eigner selbstständiger Kritik fehle, sondern daß das Judenthum keine Kritik dulde. Wie räumt der Verf. dies aus dem Wege? Er zählt unsere Kritiker, die Bäuerin seinen Schriften selbst citirt, in einem solchen Tone her, als wenn Bauer sie nicht einmal dem Namen nach kennen möchte o) und überhaupt ist ein solches Herzählen höchst unwissenschaft- Lich. Warum hat der Verfasser gerade hier nicht gezeigt, daß Bauer's kritischer Standpunkt nicht streng mit dem logischen und wahren Standpunkte Hegel's5 6 7 8 9) sich verträgt, und das die Kritik eigentlich nicht die „letz te Lh at«) der Philo sophie ist", wie Bauer behauptet, und das also die letzte That desIudenthums auch nicht die Kritik sein kann? Warum hat der Verf. Bauer's kritischen Standpunkt, der nur an einem Faden hängt, so nicht selbst kritisirt, uud somit seine ganze Kritik mit einem Schlage zurückgewiesen? Er hätte nur Strauß Tradionshypothese «) fest ms Auge zu fassen 5) Kant hat in seinen „Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht" (kleine Schriften Bd. 3.) und Fichte „in seinen Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters" einen Vernunftstaat als Ideal aufgestellt. Hegel bekämpft auf jedem Blatte seiner Rechtsphilos. einen solchen erst „se in so lLende n" Staat. Ja sogar d. Unsterblichkeit des Geistes ist nach ihm nicht eine Realisation in die Zukunft, sondern als eine „g egenwartig e Qualität des Geistes anzusehen." In diesem Punkte haben''die Jungheglianer ganz recht. -(S. Religions-Philos. LH. II. S. 220.) 6) Der Verf. meint Mendelssohn habe den Theologen die Bahn zu einer Kritik des A. L. gebrochen. Dies ist nicht wahr und zeigt von grober Unwissenheit. 7) S. die geistreiche Parallele zwischen Bauer und Strauß vom scharfsinnigen Philos. Weiße in Fichte's Zeitschrift für speculative Pyilos. und Theologie Bd. 10. Heft 1. Michelet th ut sehr unrecht, den spekulativen Denker Weiße einen Pseudohegelianer in seiner jüngsterschienen Schrift zu nennen, da Weiße's Standpunkt ein recht antihegelischer ist. — 8) S. Bauers Synoptiker Bd. 1. Vorrede S. XX!. 9) Strauß nimmt in seinem „Leben Jesu" mit Recht an, daß auf die Ausschmückung und Ausbildung des Messias- Hildes das A. T. sehr viel Einfluß gehabt hat. Wirke und Weiße haben es zwar zurückgewiesm, auf welche Bauer seine Kritik weiter bauete, und er läßt aus dem Bewußtsein der Schriftsteller (Evangelisten) erst die Idee des Messias hervorgehen, und behauptet die Juden hätten von einem persönlichen Messias Nichts gewußt. — S. Bauers Nebrauchen, um Bauer zu beweisen, daß die Evangelisten nicht rein schöpfer ssch in Bauer's Sinne waren. Ferner, wenn der Vers. Bauer vorhält, er gehe mit Stillschweigen über die Leistungen der neuern Juden hinweg, und die naive Frage an ihn richtet, ob er sie denn kennt; so ist dies um so lächerlicher, als Bauer Zun z in seinen Synoptikern (Bd.IS. 413) selbst citirt. Und warum schweigt der Verfasser gerade von Spinoza, den Bauer als einen N k ch t j u d e n bezeichnet? Warum beweist er hier nicht, daß Spinoza ein Jude war, daß seine Philosophie aus dem Einflüße des Judenthums entsprang, daß Spinoza'ö großartige Schöpfung innerhalb des Iudenthums steht, das Spinoza, der große Philosoph, ein Jude war, den der Weltgeist durchdrang? Freilich war Spinoza kein gewöhnlicher Jude, und darum wollen ihn die christlichen Philosophen zum Christen schlagen; aber nimmermehr! Spinoza ist und bleibt ein jüdischer Philosoph, und das werden wir in einem andern Zusammenhänge beweisen, und wahrlich Börne wäre auch nicht Börne gewesen, wenn Börne nicht ursprünglich ein Jude gewesen; nur der Jude Börne konnte der Freiheit solche Opfer bringen, nur er konnte sie ,fo in Worte verkörpern, weil er, der gewesene Jude Borne, den Becher der Unfreiheit bis auf die Neige leerte. — Warum hat nicht ferner der Verfasser Bauer auf Hirsch's System gewiesen? Hier hätte doch der Verf.-zeigen können, daß das Judenthum sich mit dem Principien der abs. Philos. verträgt, daß Hirsch durch eine scharfe Dialektik das Iudenthum konstruirt, und es zur Wissenschaft erhoben? — Der Verf. hat, wie wir zur Genüge zeigten, nirge n ds den rechten Weg eingeschlagen. Unsere Kritik möchte aber zu sehr anwach sen , wenn wir so fortfahren würden; wir wollen daher noch folgenden Punkt hervorheben. Der Vers, macht Bauer den Vorwurf, daß er zu gemeinen Mitteln seine Zuflucht greife, um den Juden dadurch sittlich herabzusetzen. Bauer tadelt an den Juden, daß sie ausschließlich dem Handel sich zuwenden, ohne an anderen Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft miczuarbeiten. Wie stellt es nun der Vers, an, dieses zu beseitigen? Er sagt: „Gehen wir Ln das eigentliche System der Bedürfnisse ein" (ohne daraus einzugehen), citirt aus Luxus eine Stelle aus Hegel und demonstrit aus dieser Stelle etwas.ganz Antiheglisches, welches zeigt, wie wenig der Verfasser in dm rechtsphilosophischen Standpunkt Hegels eingedrungen ist.. Der Vers, meint: „Da der Einzelne, durch seine Bedürfnisse an irgend eine Arbeit gebunden ist — muß er sich von der Totalität losreißen". Falsch Herr Verf. Der Staat, schärst Hegel überall ein, ist ein Organismus, der aus den einzelnen Individuen, die die Glieder des Organismus sind, besteht; da aber jedes Glied im Staate, also jeder Staatsbürger Bedürfnisse hat, so muß notwendigerweise das System der Bedürfnisse, so wie die Familie,^ eine Basis des Staates ligion des A. T. in der geschichtlichen Entwickelung u. s. w. Bd. 1!. p. 304. Anmerkung; Synoptiker Bd. l. p. 392—416. Diese Behauptung ist nur Behauptung. — 17 *

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