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Der Orient · 1843-04-25 · 17 (25.4.1843) · p. Spalte 259-260

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
17 (25.4.1843)
Article
Polemik und Apologetik [Rezension]
Date
1843-04-25
Page
Spalte 259-260 (sequence 2)
Language
German
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259 Die Iudenfrage von B. Bauer, näher beleuchtet v. Dr. G. Philippson. 269 werden wir später zu beweisen suchen, r) und daß dieser große Denker mit sich selbst im Widerspruche steht, da er dem Iudenthum in seiner Philosophie der Geschichte ganz einen anderen Platz anweist.— Hat nun das Iudenthum von diesem philost Standpunkte einen religiösen Schlag bekommen, so bekam es auch yon demselben einen politischen. Denn der Staat, der als die Wirklichkeit der sittlichen Idee, .der an dem Bewußtsein der Einzelnen, deren Wissen und Thätigkeit derselben seine vermittelte Existenz hat, dieselbe Idee, die sich im Staate Weltlichkeit gibt, manifestirt sich im GemüLhe und im Innern des Geistes. Staat und Kirche stehen daher auf einem Grund und Boden der Idee der Freiheit, und die Idee eines christlichen Staates mußte Anklang finden. Den Kämpfern für die Gleichstellung der Juden mußten diese PrLncipien hinderlich in den Weg treten, und namentlich den jüdischen Verteidigern der Emancipation, die aber gewöhnlich an die Geschichte appellirten, ohne sich auf das Princip näher eingelassen zu haben. Denn die Idee eines christlichen Staates kann nur pcincipiell bekämpft werden. — Der Wekämpfer der Bäuerischen Iudenfrage hätte allerdings auf das von Hegel aufgestellte Verhältnis' von Staat und Kirche eingehen sollen, um diesen dunklen Schleier der Hegel'schen Ansicht, als müsse der Staat ein christlicher sein, zu lüsten. Denn gerade aus den Hegel'schen Principien läßt sich die strengste Konsequenz ziehen, daß der Staat nicht zu sehen, hat, ob man sich, wie Strauß 2) sagt, als Himmelsbürger bat einschreiben lassen, sondern nur daraus, ob das Individuum fähig ist, als Glied dem Staate sich er'nzuverlicben. 1 2 3 4) Der Verfasser vorliegender Schrift hatte dies um so mehr thun sollen, als Bauer von einem christlichen Staate Nichts wissen mag, und alle Iun ghegelianer wollen von einem christlichen Staate Nichts hören; ja Einige haben den Austritt») aus der Kirche schon längst ausgesprochen. Daß aber gerade einer von den Iunghegelianern und namentlich der leidenschaftliche Kritiker Bauer es sich zur Aufgabe gestellt hat, nachdem er jeden Geschr'chtsstreifen des Christenthums mit dem Sichel seines kritischen Princips abgemäht, ja kein Atom geschichtlichen Inhaltes gelten ließ, und die Produkte der Evangelisten in gleicher Reihe mit denen Hesiod's und Homer's stellte, die nach Herodot den Griechen ihre Götter gemacht haben sollen (ovtoi slGir ol 7toirjGotvT£$ d'Eoyoviav 'Ell7}Gi tu s. w.), so ist es ganz natürlich, daß er auch dem Iudenthum sein kritisches 1) In einem Aufsätze: Philos. und Iudenthum. 2) Dogmatik U. S. 616—17. und S. 520-21, sagt er: „Es gewöhne sich der Staat aus eigne Füße zu stehen, und stütze sich immer weniger auf eine Krücke, die ihm leicht unter der Hand zerbrechen, und noch obennein durch ihre Splitter verwunden, Ikmn." 3) S. Hegels Rechtsphilos. S. 348 ganz unten. 4) S. deutsche Jahrbücher für'Wissenschaft und Kunst 1842, den Aussatz „Christenthum und Antichristenthum, unterzeichnet^ ein Philosoph, der seinen Austritt aus drr Kirche offen zugesteht." — Auge neuerdings zuwenden mußte, um es mit ein em Blicke zu durchbohren. Sehen wir nun, wie es dem Verfasser gelungen ist, die Bauer'sche Kritik zurückzuweisen, und ob der Verfasser wirklich die Tendenz Bauers durch sch aut.hat. Daß sie aber dem Verfasser ganz unbekannt blieb, und er die eigentliche Pointe nicht getroffen hat, geht daraus hervor, daß d. Vers. Bauer so widerlegt, als würde Bauer vom Wesen des Iudenthunis und von den Leistungen der Juden nichts wissen, und aus Unkenntniß das Iudenthum kritisiren. Daß aber Bauer ein gelehrter Theolog ist und die Schriften des alten Bundes in seiner Darstellung der!Religion des A. T. (1818) sehr genau studirte und in seinen Synoptikern auch talmudische Quellen benutzte, ist jedem, der seine Schriften gelesen, wohl bekannt« Bauer hat daher nicht aus Unkenntniß das Iudenthum kritisirt, sondern er hat kritisirt weil er es kennt, und dennoch war Bauers Tendenz nicht, nur das. Iudenthum zu kritisiren. — Dies scheint dem Vers, entgangen zu sein. Da dem Verfasser nun dies entging, ruft er wehmüthkg aus: „die Ehre des Indenthums, die Ehre der Juden steht auf dem Spiel". Zeugt dieser poetische Ausruf von der.Gemüthlichkeit des Vers., von dem Schreck, den ihm Bauer'6 leidenschaftliche Iudenfrage eingejagt, zeugt er auch zugleich, daß der Verfasser sie überschätzt, d. h. nicht verstanden hat. — Da nun der Vers. Bauer nicht verstanden, nennt er dessen Kritik eine „gediegene" (p. 4.), und rechnet es dem Iudenthum zur Ehre (?), daß ein Mann wie Bauer dem Iudenthum „kritische Existenz" gewährt. Diese'' Aussprüche stehen mit des Vers. Widerlegung im Widerspruche. Denn er erkennt Bauers Kritik als „gediegen" an, und widerlegt sie doch. Wem kann es einfallen, das als „gediegen" Anerkannte zu widerlegen? — D. Vers, sagt ferner: „Bauer's gediegene Kritik macht dem Iudenthum Ehre". Das muß jeder, der Bauers kritische Arbeiten näher kennt, nicht anders als so verstehen: da Bauer das Christenthum kritisch aufgelöst, macht er es dem Iudenthum auch so. Schöne Ehre.' bekanntlich wenn man jemanden den Kopf abhaut, wird er sich dies nicht zur Ehre anrechnen lassen. Ferner sagt der Verf.: er gewährt dem Iudenthum „kritische Existenz". Im Gegentheil, was kritisch behandelt wird, verliert seine Existenz durch die Kritik, und namentlich gehr Bauer's Kritik dahin, dem existirenden religiösen Bewußtsein keine Existenz einzuräumen. — Wenn der Verf. seinen Gegner Bauer nicht so gelobt hätte, so hätten wir ihn nicht so kritisirt. — Sehen wir jetzt wie 'der Vers. Bauer's Ansichten widerlegt. Der Verf. giebt eine „Kritik" des Bauer'schen Staates, indem er ihn ein „Ideal" nennt. Dieses einzige Wörtchen „Ideal" reicht hin', um dem Verf. seine Unkenntniß zu beweisen. Bauer, weiß jeder, ist ein Hegelianer mit.einer Konsequenz. Nun weiß auch jeder Kenner der Hegel'schen Philosophie, daß sie jedes Ideal d e s a v. o n i r t, ja stark bekämpft. Sie will doch das Wirkliche >rls das Vernünftige, aber nicht das Sein sollende, wie Kant und Fichte. Von einem solchen schimärischen

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