Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 17 (25.4.1843)
- Article
- Polemik und Apologetik [Rezension]
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Spalte 263-264 (sequence 4)
- Language
- German
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263 264 Die Judenfrage von B. Bauer, näher beleuchtet v. Dr. G. Philippson. selbst sein, io) und in dem System der Bedürfnisse liegt die Lhellung der Arbeit der bürgert Gesellschaft,. Das Bedürft niß weist jede einzelne Person auf einen Stand hin, und so entspringen die Stände, die sich in substän tielle, r e fl e c t i r e n de und allgemeine theilen. Wenn daher ein Jndividum dem reflectirenden oder Handelsstande sich hingiebt, so arbeitet er schon in einem Kreise der bürgerlichen Gesellschaft, und seine Arbeit hat. eine sittliche Unterlage. Die Juden, die vorzüglich den Handelsstand vertreten, einen St a n d der Reflexion, machen ein Glied im Staatsorganismus aus und jeder Vorwurf, denn man den Juden macht, beruht auf Unkenntniß des eigentlichen Begriffs des Staates. Der Verf. hätte daher die Hegel'sche Rechtsphilos. zu Rathe ziehen sotten, namentlich von §. 189 — 209., und Bauer beweisen, daß die Juden, indem sie den Handelsstand vertreten, schon für 'hie bürgerliche Gesellschaft arbeiten. Der Verfasser will dann Bauers Ansichten über den Talmud widerlegen, theilt mit großer Schärfe den Talmud in Hagada und Halacha und sagt nun Bauer, als wenn es dieser nicht wissen mochte, daß die Halacha Lehren enthält und-die Hagada Sagen. (!?) Das ist die ganze Widerlegung und.selbst bei der wird die Gründlichkeit vermisst. Statt den Talmud rein von der begrifflichen -Seite zu fassen, und ihn als ein Stadium in dem Entwickelungsprocesse des jüdischen Bewußtseins zu bezeichnen, giebr er eine schülerhafte Einteilung des Talmuds. Doch wir wollen diese Kritik beendigen und dem Verf. bloß sagen, daß seine Verteidigung dem Judentum mehr schaden als nützen wird, und nur der gute Wille des Verf. ist anzuerkennen. — Was übrigens die Baucr'sche Judenfrage betrifft, so bemerken wir, daß ihr die wissenschaftliche Haltung und Gründlichkeit fehlt, daß Bauer mehr witzelt als beweist. Wenn er das Christenthum n e g i r t, so geschah dies auf eine wissenschaftliche und gründliche Weise, die wir selbst th e i ls anerkennen Lheils verwerfen z allein die „Judenfrage" ist nicht streng wissenschaftlich, es sind hingeworfene Sätze, welche die Herkulessaule des Judenthums nicht erschüttern kann, und wir werden die Quintessenz der I irden frage, n) so wie seine Kritik des A. L. Ln einem 10) Hegel's Rechtsphilos. § 201. Zusatz. 11) Die „Judenfrage" und seine „Kritik der Offenbarung" stehen offenbar im Widerspruche mit einander. Dort ist er ein eingefleischter alter, „rechter" Hegelianer, der das Judenthum so falsch verstanden hat wie Hegel selbst. Bauer treibt sich in diesem Buche in Widersprüchen herum, die wir ihm deutlich Nachweisen werden. . Hier in der Juden- : frage ist v er der absolute destruktive Iunghegelian e r, und wir möchten ihn den Jüngsten nennen. Hier nimmt er den Standpunkt des 3. Bd. der Synoptiker ein, d. h., hier ist er lnur destruktiv. Dies ist der Bauer, der die übernatürliche Z e u g u n g I e su in der Recmsion über Strauß Leben I e su auf eine höchst orthodoxe Weise erklärte. Wenn Bauer sagt, der jüdische Geist ist inkosequent, indem er konsequent ist, so trifft dies den Geist Bauers stark-.während.er Christ ist. Wer ferner die Judensrage zurückweisen will, der anderen Zusammenhänge prüfen. Für jetzt schließen wir mit dem Worte eines unserer größten Dichter: „D i e N a t i o n b e t Hebräer mu ß als ein wichtiges universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man dem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpf.e es zu verkleinern, werden uns nicht hindern gegen dasselbe, gerecht zu sein", r 2) Herrmann Jellinek. muß auf Bauers Kritik der Offenbarung eingehen. — Doch merke sich jeder was Bauer in der „Judenfrage" p. 60 sagt: „wer selbst nicht frei ist kann auch anderen nicht zur Freiheit helfen. Der Knecht kann nicht emancipiren u. s. w." Wenn es endlich im Verlaufe unserer Kritik scheint, als wollten wir B. in Schutz nehmen, und ihm ein wirklich eingehendes Quellenstudium der jüdischen Literatur zumuthen, so müssen wir bemerken, daß B., wohl Männer wie Maimonindes, Abarbanel, Jbn Esra u. s. w. dem Namen nach oder vom Hörensagen kennt (welche ihm der Verf. ohne vom Inhalte ihrer Werke ein Wort zu sprechen, vorführt), 1 aber von einem wirklichen Studium der jüd. Literatur kann bei B. nicht die Rede sein. Denn wie konnte er von dem g r o ß e n M a i n o n i d e s so pöbelhaft sprechen? wie konnte er von einem Manne, der in die Tiefen des Stagiriten so eindrang, der ihn so scharf in manchen Punkten kritisirte, dessen More Nebuchim die tiefsten spekulativen^ Blicke über Zeit und Raumz. B. enthält, so hohl und nüchtern sprechen? B. ist in unfern Augen ein scharfer Kritiker, wir verdanken ihm manche Belehrung, und unsere Hochachtung gegen ihn ist sehr groß; aber B. muß Nichts vom scharfsinnigen ^wahrhaft kritischen Geiste Aberbanels wissen, dessen Kommentar über die Bücher Samuel wir Bauer empfehlen, damit er sehe, wie Judenvor einigen Jahrhunderten mit Geist Kritik übten — an dem Heiligsten — Lese Bauer eine Partie in I b n Esra' s Kommentar über K o h e l e t oder den Pentateuch, und er wird staunen über die Schärfe dieses Mannes, den Spinoza in seinem tricoUitu^tdeol. pol. rühmlich erwähnt. Lese Bauer etwas von Rabbi Levy ben Gerson (Ralbag) und er wird seine Ansichten über die „Z ähigk e i t" des jüdischen Geistes ändern. Es. ist wunderbar, daß er in seiner Kritik der Offenbarung. Nichts als Fortschritte sah. — Warum hat B. Hirsch's großartige. Arbeit so ganz ignorirt? Zeigt das nicht, daß Bauer ein Judenfeind ist? Gerade Hirsch hat doch streng wissenschaftlich bewiesen, daß das Judenthum eine Entwickclungsfähigkeit in sich als seine wahre Substantialität trägt. Hirsch ging von dem tiefen Gedanken aus: Theologie ist Anthropologie und hat dies wissenschaftlicher bewiesen als Feuerbach, und ist nicht auf die Feuerbach'schen Konsequenzen getrieben worden. Hirsch that Großes — erkennt es an. — Wir verweisen Bauer auf Hirsch's Werke, die Religionsphilosophie und die Messiaslehre, und er wird sich von Hirsch's Wissenschaftlichkeit und der des Judenthums überzeugen. 12) Schillcr's Sendung. Mosis.