Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 17 (25.4.1843)
- Article
- Polemik und Apologetik [Rezension]
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Spalte 257-258 (sequence 1)
- Language
- German
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MeratuMatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte rnü> Literatur. JH 1^1» Leipzig, den 25. April , 1843» Polemik und Apologetik. Die Judenfrage von V. Bauer, naher beleuchtet v. Dr. G. Philipp so ff. Beurtheilt von Herrmann Z ellinek. Farolcs d’un Croyant Israelit«*. Far J. Anspach. (Fortsetzung.) Besprochen v. A. I. — Beitrage zum Rabbinenwesen. Von Dr. H. Werner. — Lit. Nachrichten und Miscellen. Am Geschichte der Zudenperfolgungen im 17. Jahrh. Von A. Ink. — Lit. Ankündigungen. Polemik und Apologetik. 3. Die Iudensrage von Bruno Bauer, näher beleuchtet von Dr. Gustav Philippson. Deßau, 1843. 8. Druck und Verlag von Fritsche und Sohn. Die Weltgeschichte ist die Philosophie Gottes. Sie ist die Entwicklung und Entfaltung aller Gestalten des absol. Geistes, wie Recht, Moral, Familie, Staat, Kunst, Religion, Philosophie Kux* ßfopjv. Aus dieser Enfaltung erblühen dann die schwersten und tiefsten Probleme für die Menschheit. — Die Weltgeschichte ist aber darum die Philosophie der Idee, weil sie es ist, die in ihrem ewigen Philosophien die Probleme stellt; dieses Stellen der weltgeschichtlichen Probleme gehört aber zu ihrem innersten Wesen, und die Lösung gibt die in den welthistorischen Individuen sich gebährende und anschauende Idee selbst. Dies ist der Proceß der Weltgeschichte, in welchem die Idee (oder nach Anaxagoras der vovg) sich abspiegelt.— Das Iudenthum ist auch nichts Anderes alsein welthistorisches Problem, welches die Weltgeschichte (die Sphinximmerwährend aufwirft, das aber noch kein Oedipus gelöst, und wer es falsch löst,-den tobtet die Sphinx, d. h. das schreckliche Weltgericht der Weltgeschichte trifft ihn. Das Iudenthum ist eine noch nicht entzifferte Hieroglyphe. Das Iudenthum ist aber wesentlich als ein Kr eis zu denken, der von einem Punkte der Weltgeschichte beschrieben wird, und nicht eher sich mit sich selbst zusammenschließen kann, als bis er die ganze Menschheit in sein Centnun gebracht h'ffben wird. Alle Wahrheit, das werden wir an einem anderen Orte beweisen, liegt in dieser Fassung des Iudenthums. Seitdem überhaupt alle ßonkrekre Wissenschaften durch die tiefen und genialen Silberblicke der Naturphilosophie einer geistigern Auffassung und Bearbeitung sich erfreueten, seitdem man den Werkmeister der schaffenden Natur belauschte, und ihm das Geheimniß, daß die Natur ein lebendiger Organismus ist, daß in ihr nur lebendige Kräfte wirken, und Nichts nach todten, mechanischen Gesetzen vor sich geht, abgewann: seitdem wurde auch das Wesen des Geistes tiefer erforscht, die Manifestationen des Geistes wurden nicht als zersplitterte Punktualitäten betrachtet, sondern auch er wurde alsein sich' entwickelnder Organismus begriffen, und so die Gestalten der Vergangenheit mit der Gegenwart in einen kontinuirlichen Zusammenhang gebracht, und vorzüglich Kunst, Mythlogie und Religion (die eigentlich gar nicht zu trennen sind, da Kunst und Mythologie integrirende Momente der Religion ausmachen) waren es, die auf eine höchst geistreiche Weise bearbeitet worden sind, und das Iudenthum wurde ganz natürlich mit in die Betrachtung gezogen. Je mehr sich aber das philosophische Element entwickelte, je mehr man sich des wahren Inhaltes der Spekulation bewußt wurde, und man nun ansing die Wirklichkeit als die alleinige Vernünftigkeit zu begreifen, wo alle ausgestellten Ideale dichterischer und philosophischer Köpfe wie Seifenblasen zerstoben, und das Kantisch-Ficht'sche „S ollen" in „es ist" umgewandelr wurde: war es zugleich die Aufgabe dieses Standpunktes, alle Gestalten des Geistes durch das zehrende Feuer der Dialektik zu führen, die Vergangenheit dialektisch zu zermalmen, und das Präsente als das Nothwendige und Wirkliche zu begreifen. Da hat nun.das Iudenthum einen dialektischen Schlag bekommen, ihm wurde eine Stelle angewiesen, wo zwei Welten sich scheiden, wo der Orient mit seinen dumpfen Naturreligionen von der Weltbühne des Weltbewußtseins scheidet und der Geist des Occidents zu dämmern beginnt. Daß aber diese Stellung des Iudenthums, die ihm vorzüglich Heg el gab, sogar begrifflich (logisch) falsch ist, 17