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Der Orient · 1843-03-14 · Heft 11 (14.3.1843) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 11 (14.3.1843)
Article
Die sächsischen Kammerverhandlungen über die Petition der Dresdner isr. Gemeinde
Date
1843-03-14
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 chers vor ihm an, er müsse auch daran erinnern, daß Das, was die Kammer beschlossen habe, auf gleichem Fuße mit Dem stehe, was die Negierung an die Kammer bringe, deshalb sei der Tadel des Gesetzes wohl nicht recht am Ort. Im Interesse des Handwerksstandes wünsche er, daß der Antrag der Deputation älsPrin.cip aufgefaßt, keinen Anklang finden möge. Abg. Dr. von Mayer: Die Achtung vor dem Gesetze schließe den Tadel desselben nicht aus, sonst müsse man bei allen Beschlüssen stehen bleiben, wenn die Einsicht und die Gesinnung noch so sehr vorwärts schreite. Es komme Alles darauf hinaus, daß man das Bessere für die Juden wolle, das Schlechtere für die Christen. Nachdem der Referent Abg. v. Gablenz zur Vertheidigung des Deputationsgutachtens noch gesprochen hatte, folgte die Abstimmung und es wurde dasselbe in diesem Punkte mit 38 gegen 21 (Stimmen abgelehnt. — Bei der Berathung des dritten Punktes ergreift zuerst der königl. Commissar Dr. Günther das Wort. Die Regierung habe sich entschlossen, die Repartition der Meisterzahl auf die einzelnen Innungen in der Folge nicht so schlechterdings beizubehalten, sie zweifle indeß, ob ein Antrag, wie ihn die Regierung unter Beibehaltung des Grundprincips des Verhältnisses der christlichen zur jüdischen Bevölkerung stellen können werde, den Juden einen erheblichen Nutzen gewähren werde. Abg. Jani: Die Verstandespräponderanz des Juden, woraus man so viele Gefahren für die Christen ableite, habe man Ihnen durch die harten Verfolgungen aufgedrungen; habe man Geld gebraucht, so habe der Fürst, der Ritter und der Würger es nicht verschmäht, sich es bei ihm zu holen, selbst unter Anwendueg der härtesten Zwangsmittel; habe der Jude ohne Sicherheit dem Christen Geld geliehen, so sei es auch kein Wunder, wenn er sich durch hohe Zinsen gegen Verluste zu decken gesucht habe. Die Nothwendigkeit, die Reichthümer vor den christlichen Nachforschungen zu verbergen, habe zu Genügsamkeit und Sparsamkeit geführt, der Zwang, immer bei demselben Geschäfte zu verbleiben, zw einer ganz tiefen Kenntniß aller Vortheile desselben, und zu Kundschaften, die Familieneigenthum geworden seien; das Reichwerden derselben sei daher kein Wunder; wolle man sie vom Handel ablenken, so müsse man ihnen volle Gelegenheit geben, sich andern Gewerben zu widmen. Vicepräsident Eisenstuck: Er müsse sich auch in diesem Punkte gegen die Deputation erklären; die Befürchtung der Nachtheile der. jüdischen Konkurrenz, der Umstand, daß die.Aufnahme der Juden in .christlichen Innungen als Beschwerden angesehen werde, bestimmten ihn dazu. Das Gesuch der.jüdischen Petenten finde er übrigens durch nichts begründet; daß das Verhältniß der christlichen Bevölkerung zur jüdischen die Zahl der jüdischen Meister bestimme, sei für sie kein Beschwerdegrund, da das nämliche Princip auch bei andern.Angelegenheiten, z.-B. bei der Repartion der Zolleinkünfte, maaßgebend sei. Uebrigens hätten die Juden Mitte! des Erwerbes noch genug, z. B. Handarbeit, r Herrendienst, aber kein Einziger betreibe das Eine oder das Andere. Es könne jeder Judenknabe Lehrling werden, denn wenn er auch hier nicht Meister werden könneso könne er auf die Wanderschaft und dahin gehen, wo ihm ein besseres Glück lächele. Würden in der Folgezeit Modisicationem des Gesetzes in diesem Punkte nöthig, so werde er sich nicht dagegen aussprechen. Abg. Müller: Da er nicht wünsche, daß die jüdische Bevölkerung sich vermehre, so könne er um so weniger für das Deputationsgutachten stimmen, als es keinem jüdischen Gesellen verwehrt sei - sein Fortkommen im Auslande zu suchen. Abg. Brockhaus r Die den Juden zum Vorwurf gemachte Scheu vor schwerern Arbeiten gereiche ihnen deshalb nicht zum Tadel, weil sie wegen schwächlicherer Körperbeschaffenheit zur Handarbeit nicht tauglich seien; es hätten dies die von dem Referenten aus den Rekrutirungslisten gezogenen Resultate dargethan, und die zeitherkge Ausschließung der Juden von den Handwerken trage von dieser Erscheinung die Schuld.. Der Judenknabe, der Handwerker werden wolle, sei in der übelsten Lage : bei seinen-Glaubensgenossen könne er es nicht werden, wegen Beschränkung des Gesetzes, und bei dem Christen nicht, wegen der Vorurtheile desselben gegen den Juden; die nämlicher Vorurtherle hindere diesen auch, seinen Erwerb durch den Herrendienst zu suchen; man beschwere sich über die Neigung der Juden zum Handel, und doch ziehe man ihnen gleich eine Schranke vor, wenn sie ein anderes Gewerbe ergreifen wollten. Vicepräsident Eisenstuck: Zur Widerlegung bemerke er, daß man vor den Thüren der Juden wohl christliche aber keine jüdischen Holzhacker erblicke, in jüdischen Häusern wohl christliche Dienstboten, aber keine jüdischen. Referent von Gablenz: Nach den eingezogenen Erkundigungen suchten mehre Juden ihren.Lebensunterhalt durch Dienen und Handarbeit, z. W. durch Stieselputzen und als Laufburschen. Vieepräsident Eisenstuck: Diese statistischen Notrtzen bestätigten seine Behauptung, daß die Juden lieber mit den Füßen als mit Hand und Arm ihren Verdienst suchten. Referent von Gablenz: Er habe noch nicht gesehen, daß Jemand mir den Füßen Stieseln geputzt habe. Abg. Meisel: Zur Berichtigung einer Bemerkung des Abg. Wrockhaus, daß auch Judenknaben als Lehrlinge sich bei christlichen Meistern befänden. Abg. Brockhaus: Er habe einen speeiellen Fall vor Augen gehabt, der beweise, daß Judenknaben aus den gedachten Voburtheilen von christlichen Meistern nicht so leicht als Lehrlinge angenommen würden. Abg.Leuner: Er finde den Antrag der Deputation unbedenklich; denn wolle man die Juden vom Handel abbringen, so müsse man ihnen Gelegenheit zu andern Gewerben geben. Der Einwand, sie könnten ins Ausland gehen und dort ihr Fortkommen suchen, sei deshalb unhaltbar, weil die Niederlassungen im Auslande durch Heimathsgesetze und Vermögensnachweise erschwert werdem Abg. von Watzdorf: Er stimme dem Redner vor ihm bei, es sei. dem Juden aber auch nicht zu verargen, wenn er an seiner Familie und Heimath hänge, es sei dies eine achtbare Eigenschaft; man möge aber auch nicht übersehen, daß die Vor- 11 *

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