Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1843)
- Article
- Die Judenfeindlichkeit der Presse in Baiern
- Date
- 1843-02-21
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 Grund zu trauern als die ^uben, und zu beten, daß Gott die Schmach von seiner geliebten Stadt hinwegnehme, die unsere Schuld auf sie geworfen; und den christlichen Fürsten stünde es nicht minder schön als dem Baron Rothschild, für diesen Zweck die Hand zu regen." Erklärung. Der Eingangs erwähnte Korrespondenz-Artikel - von , hier ' d. 6. 6. ds. Monats giebt den Lesern der Augsburger Postzeitung so viele Albernheiten und Unwahrheiten zum Besten, die ich, so ungerne ich mich in dergleichen Polemik einlasse, nicht mit Stillschweigen übergehen kann. — Der Herr Einsender sagt zuvörderst: „Man hat neuerdings das Projekt wieder ausgenommen den Tempel zu Jerusalem wieder aufzubauen re." — -Wann ist denn das erste Projekt von den Juden hiezu gemacht worden? — Wissen Sie es Herr Berichterstatter? Haben sie authentische Nachrichten hierüber? — Ich ließe mich gerne belehren! Selbst der Versuch, der unter Kaiser Julian gemacht worden sein soll, ging gewiß nicht ' von den Juden aus, sondern war Befehl des Kaisers, gegen den Willen Gottes und darum wurde er.vereitelt und zwar auf ganz natürliche Weise, und doch nicht durch unterirdisches Feuer, sondern durch den Tod des Kaisers, in Folge einer im Perser Kriege erhaltene Wunde .herbeigeführt. ’) Von d en Juden selbst ging ein solcher Versuch nie aus: sie wissen und glauben mit dem Psalmisten, daß wenn der Herr den Tempel nicht bauet, die Bauleute vergeblich sich bemühen (117, 1); sie wissen und glauben — wir sprechen von Orthodoxen und nicht von Häretikern —, daß der Herr und nur der Herr Jerusalem wieder cmfbauet, (Ps. 146, 2.) und der Allmächtige bedarf nicht unserer Beiträge hiezu. Das neue Jerusalem und der neue Tempel wird auch, daß sind wir gewiß, kein gemeines Menschenwerk sein; er wird auch von Menschen nicht „vorbereitet" werden, sondern wird durch das schöpferische Wort Gottes ganz unvorbereitet erscheinen. Wir meinen natürlich nur die Vorbereitungen zu dem äußern Bau; der innern aber, der moralischen und sittlich guten Vorbereitung und Vervollkommung hiezu, bedürfen wir und Andere allerdings. Wir wollen dieses Thema nicht weiter ausführen, und verweisen lediglich auf die Tillmudstelle Ketubot Fol. 1U.» bezüglich des 7. Verses, Cap. 2. des Hohenliedes * *), die zur Genüge darthut, daß die Juden kein derartiges Unternehmen beginnen werden, beginnen dürfen. Ich kann Ihnen getrost im Namen sämmtlicher Juden Ihren eigenen Ausspruch bestätigen; „Wir greisen dem göttlichen Rathschlusse nicht vor, er wird von selbst sich erweisen." Ich,-der Ewige, werde es zu seiner Zeit *) S. v. Rotte.cks Weltgeschichte 1. B. S. 496. und Zemach David ed. Fürth. 11 Th. Bl. 20. — *) Siehe auch Midrasch Nabba zu der a. St. schnell vollführen (Jes. 60, 22.). Daß aber die Zeit jener Weissagungen der Propheten noch nicht gekommen, beweiset die geschäftige Schlange der Bosheit und der V e r l ä u m d u n g, deren Kopf noch lange nicht zertreten ist, so wie die mangelhafte Erkenntnis' Gottes, die bei so vielen Menschen noch zu finden ist, während die Propheten Wahrheit und Friede unter den Erdbewohnern einheimisch wissen wollen, bevor das himmlische Jerusalem erbauet werden kann. Überhaupt scheint der Herr Verfasser mit den Bestrebungen der jetzigen Juden nicht recht vertraut zu sein. Wenn die religiöse Gährung der Neuzeit auch in die jüdische Gemeinde eingedrungen ist, so.handelt es sich mehr um ,ganz andere Dinge, als um den irdischen Tempelbau in Jerusalem, so handelt es sich mehr um Geistiges als Materielles, mehr um N e ch t und W a h r h e i t, als um unerklärliche Wund er der Vergangenheit und.der Zukunft. — Doch zur Sache : Das ganze Facktum, sammt allen den „albernen" und feindseligen Erdichtungen, ist einfach dieses. Die deutsche Gemeinde — Kehal Aschkenasim zu Jerusalem beabsichtiget daselbst eine Synagoge und ein Lehrhauszu bauen, zu welchem Ende die erwähnte Gemeinde eines ihrer Mitglieder, Namens Rabbi Ähron Selig nach Europa schickte, damit dieser Rabbi seine Glaubensbrüder um ihr Scherflein zu diesen beiden frommen Werken anspreche. Die Aechtheit dieser Mission ist unter Andern vom Hr. Montefiore, der sich an Ort und Stelle von der Wahrheit persönlich überzeugte, bestättiget, und daher fand genannter Herr Selig in seinem Vorhaben aller Orten, in London, Hamburg, Frankfurt a. M. und And. gehörige Unterstützung, und auch die hiesige für alles Gute empfängliche und zur Förderung desselben bereitwillige Israel. Kirchengemeinde schloß sich nicht aus, aber ohne alle Störung der in derselben, Gott sei Dank, herrschenden Einigkeit, ohne allen und jeden Zwist. Dreß die ganze Thatsache, aus der man wieder Verdächtigungen ziehen und Mährchen aufrischen möchte, aus einem „Geheimschatze von jüdischen Sagen." Dieser Geheimschatz ist mir ebenso fremd, als die erdichtete „höchst alberne Anzüglichkeit auf Christus" in einem angeblich von mir verfertigten hebräischen Circular. „Sie ist lächerlich, sagen Sie, mit. sie herzusetzen" Und ich sage Ihnen, es ist höchst empörend, solche Unwahrheiten in die Welt hinaus zu schicken, auf das bloße Hörensagen hin» — Denn einer absichtlichen Lüge möchte ich Sie doch nicht zeihen! — Daß Sie aber meine hebräischen Worte, mit denen ich dem Hr. Selig die Wahrheit seiner Angaben, auf den Grund der producirten Original - Schreiben aus Jerusalem und London, beurkundete, nicht selbst gelesen haben, geht klar und deutlich aus dem einzigen hebr. sein sollenden Worte in ihrem Berichte hervor, das Sie falsch schreiben und falsch erklären. Ein Tholach giebts nicht in dem hebr. öffentlichen und geheimen Wortschätze. Schlagen Sie gefälligst nach 'in der Buxtorf'schen oder Fürst'schen Concordanz und Sie werden kein Tholach finden. Für „Wurm" in der von