Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1843)
- Article
- Die Judenfeindlichkeit der Presse in Baiern
- Date
- 1843-02-21
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 Geisteöv erdumpfung und Proselytcnmacherei. Wären die Juden durch diese Siegesfeste des Romanismus nicht aufgeschreckt, von den übermüLhkgen Siegern in ihren Rechten gekränkt und in ihrer politischen Existenz bedrohet worden, und hätten die Mittelalterhelden in ihrer Skegestrunkenheit nicht durch fanatischen Spott und Hohn den Israeliten so oft den Stachel zugekehrt, so wäre es gewiß sehr unklug, wenn die Bekenner des Mosaismus auch nur ein Wort über diesen katholischen Karneval verlören. Die Juden Baierns waren aber nicht so glücklich; der ultramontane Haß begnügt sich nicht 'mit dem Protestantismus allein, sondern auch die jüdischen Ketzer fühlen die Schläge desselben. 'Am zügellosesten ist die Presse, wo die Furien des Hasses und des finstern Aberglaubens zu Gerichte sitzen, um Alle zu begeifern, die zum Eingehen in den Schaafstall der alleinseligmachenden Kirche keine Lust haben. Ein Vorfall der neuesten Art möge hier für die Leser des Orients einen Platz finden. Die Beilage der Augsb. Postzeitung Nr., 11 enthält einen judenfeindlichen Artikel über den neuen Synagogenbau zu Jerusalem, ^der den Ingrimm, den Haß und die Lüge an seiner Stirne trägt. Gegen diesen feindlichen Artikel sandte Hr. Dr. Aub in München eine Erwiederung ein, wozu er noch ein besonderes Recht hatte , da sein Name darin auf das Gemeinste verunglimpft wurde; aber die Redaktion der Postz. verweigerte die Aufnahme mit dem Bemerken, die Erklärung in eine jüdische Leitung zu senden. Dieses ist nun von Seiten des, Hrn. Dr. - Aub, ohne alle Nebenbemerkurig geschehen, und die Redaktion erlaubt sich den Artikel sammt der Erklärung in dem Oriente abdrucken zu lassen: Red. Jerusalem. „München, 6. Jan. An der religiösen Gährung, welche ganz Europa ja fast alle Erdtheile aufregt, nehmen nun endlich auch die Juden ihrerseits lebhaften Antheil. Man hat neuerdings das Projekt wieder aufgenommen, den Tempel zu Jerusalem wieder aufzubauen, und die „verfallene Hütte Davids wieder auszurichten.". In diesen letzten Lagen wurden dahier mittelst motivirenden Circulars, vom Oberrabbiner Aub verfertiget, Beiträge zu diesem religiösen Zwecke bei sämmtlichen Juden eingebracht. Allein gleich Anfangs führte das Werk der Einigung Zwist mit sich. Ein erstes hebräi sches Circular von derselben Hand enthielt eine höchst alberne Anzüglichkeit auf Jesus Christus aus dem reichen Geheimschatze von jüdischen Sagen über unfern Erlöser. Sie ist zu lächerlich, um sie herzusetzen. Ein angesehener Jude, M., welcher mit der Sammlung sich beschäftiget, veranlaßte daher auch den Rabbiner zur Zurücknahme des ersten Circulars gegen ein zweites, worin von der Person unsers Herrn ganz Umgang genommen ist. Beiträge sind übrigi'ns sehr reichlich, geflossen. Binnen Jahresfrist soll Alles vorbereitet sein. — Es sind nun etwas über. 1770 Jahre, daß der zweite, der herodianische Tempel in Feuer aufge gangen ist.. Unter Begünstigung des Kaisers Julian des Abtrünnigen,(363) machten die Juden mit großem Aufwande den Versuch, den Christen zum Trotz den Tempel wieder herzustellen. Die Vorarbeiten waren bereits weit vorangeschrit- Len. Als man aber die Grundmauer entblößte, um den Bau zu erweitern, da-fuhr Feuer aus der Erde hervor, und verzehrte die Arbeiter. Alle Mühe war vergeblich, der heidnische und jüdische Trotz war beschämt und man gab ein Unternehmen auf, gegen welches der Zorn Gottes die Elemente selbst bewaffnete. Mögen die jetzigen Juden an einer Zeit, die so vielfach des Glaubens an den christlichen Gott ledig geworden ist, den Versuch erneuern, — den Versuch, , die Weissagung ihres Propheten Daniel und die unseres' und ihres Messias einer Probe zu unterstellen! Wir greifen dem göttlichen Rathschluß nicht vor; er wird sich von selbst erweisen. Auch die feindseligen Gegenbestrebungen der Menschen fördern den Triumph der göttlichen Wahrheit. Der gehaßte To lach *) wird, —- die Juden dürfen ^deß gewärtig sein — zum zweiten Mal auf Sion sein Recht behaupten! ' Merkwürdig ist nur, wie sich dermalen fast der ganze religiöse Streit in der alten Bundesstadt concentriren will. Dort ringt der Katholik mit dem Schismatiker um den Besitz der mit dem Blute des Erlösers getränkten heiligen. Stätten. Dort baut der abendländische mit dem orientalischen Häretiker seine Hütte an. Dort will der flüchtige Jude mit seinem allen Heiligthum die alte Heimath ' wieder gewinnen. Dort gebietet endlich der Fremdling christlicher Gesinnung und Gesittung, der Türke zur Schmach für Alle. (?) Er ist im Besitz vom Palladium der Christenheit, vom Kreuz, von welchem unsere Freiheit und jeiw geistige Bildung ausgegangen, welche den christlichen Europäer nach allen Seiten hin über die übrige Bevölkerung der Erde so hoch erhebt. Und es ist das Gericht über uns: So lang 'soll der Ungläubige und Fremdling dort das geheiligte Kleinod des Christenthums, uns zur Strafe und zur Schmach, wie dereinst Herodes der Jdumäer und nach ihm der Heide Pilatus den oberpviesterlichen Schmuck des alten Tempels unter ihrem Schloß und Riegel hatten, in seinem Gewahrsam halten, bis die häretische und schismatische Zerstücklung -er Einen untheilbaren Kirche enden, und^Einheit des Glaubens den Namen Jesu Christi und des Christen wieder^ zur gebührenden Ehre bringen wird. Als der Orient treulos das wiederholt geknüpfte Band zerriß (1438), fiel Jerusalem mit seinen Heiligthümern in die Macht des Sarazenen. So fügte es Gottes Weisheit und Erbarmen, damit nicht das rheuere Palladium den Feinden der kirchlichen Einheit Ln die Hände käme; ^sondern auf so lange in neutraler Hand verbliebe, bis die geeinigte Kirche des heiligen Schatzes wieder würdig würde. .Möge Gott es lenken--daß auch.das neue Bestreben der Juden, obwohl in anderer, in ihrem Sinne guter Absicht unternommen, so oder so das große Ziel mitfördern helft. So viel bleibt gewiß, wir Christen haben um nichts weniger *) Ein gemein üblicher Schimpfname' für unfern Herrn Jesus .Christus im Munde der Juden, so viel als „Wurm." —!?