Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 4 (24.1.1843)
- Article
- Zur Geschichte der Exegese
- Date
- 1843-01-24
- Page
- Spalte 51-52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Specimen v. Tanchum's Commentar^ mitgech. v. D. Haarbrücker xu angez. v. Kämpf. 52 nehmen, in der Urschrift wiedergiebt, und so dem Leser volle Freiheit des Urtheils laßt. Wir theilen hier einige der kritischen Stellen nebst den darauf Bezug habenden Conjekturen des Verfassers mit, welche letztere im Allgemeinen glückliche zu nennen sind. Text p. 3 will der Verf. für das in Schnurrers Abschrift befindliche NHniD lesen; ebenso p. 4 2ofc> fucnn;n;p. 6 f. dd; p. 11 f. (d^d^n); p. 17f. Weniger glücklich ist die Conjektur p. 2. LgiLJ £ für 'O zu lesen, da die gewöhnliche, in den Lexicis angeführte Infinitiv-Form ist; auch bleibt die Construktion, trotz der Conjektur, nicht minder hart. — Oie Ueberfetzung ist frei, und zwar mehr dem Genius der lateinischen Sprache huldigend, jedoch nicht vom Sinne des Textes abgehend. — lieber den Charakter des Commentars Tanchum's laßt sich aus dem wenigen Mitgetheilten noch kein vollständiges Urtheil fällen; nur so viel ist daraus zu ersehen, daß Tanchum, ungeachtet er, wie bereits erwähnt, von den Schriften des Maimonides, des R. Jona u. A. starken Gebrauch macht, dennoch nicht selten selbstständige und originelle Erklärungen giebt. Dahin gehören z. B. seine Erklärungen zu Jud. 13, 17 (Spec. p. 4.); zu 14, 6 (Sp. p. 5.); 17, 5 (Sp. p. 12.); 18, 20 (Sp. p. 15.); 20, 28 (Sp. p. 16.), wo er gegen die Tradition, daß die Person des P i rieh as und die des Elias identisch seien, polemisi'rt 2). Uebrigens schließt er sich darin den bekannten rabbinU sehen Commentatoren an, daß er gern viele Parallel- SteL t en anführt 3), die er dann gelegentlich miterklärt. Bei einer solchen Gelegenheit giebt er eine scharfsinnige, wenn auch nicht ganz erwiesene, Erklärung über das problematische nyiDOT- (Deut. 14, 70/ die wir nicht umhin können, hier nn'tzutheilen. Zu lnyDBny (Jud. 14, 6) bemerkt er: -p£o:>2 miK yottn r/ p I f f nyiDi^n &xjcj ^aäj XaJJaaJ! & \ Ljiüo LgJ \ d. h. „er spaltete und theilte ihn in zwei Theile, nach yD&*l (Lev. 3, 17.), davon auch die Benennung (Denk. 14, 7.), das Getheilte (Thier) in Beziehung auf die Kennzeichen (der Reinheit), und zwar ein solches (Thier), das entweder wiederkauet, ohne gespaltene Hufe zu haben, — oder gespaltene Hufe hat, ohne wiederzukauen, — gleichsam als besäße es die Halste des Zeichens der Reinheit" — Dieser Erklärung gemäß wäre nymn passend zu übersetzen: „das Halbreine". — Merkwürdig ist die Vokalisation in den von Tanchum angeführten Schriftstellen, indem sie von der unfcigen stark ab weicht. Dcr aber der Verfasser selbst gesonnen ist. (X'raef. p. XX.), diesen Gegenstand einst ausführlich zu behandeln, so enthalten wir uns für jetzt einer nähern Erörterung desselben. Nicht minder merkwürdig sind auch die von dem masoretischen Text differirenden Lesarten vieler Schriftstellen in unserm Codex. Z. B. p. 3: p (Nach. 3, 17), anstatt es nach dem masoretischen Text heißt: ebenso p. 8. (Jud. 14, 15.) für pby; ibid. mp ny ny (Dan. 8, 14) für my iy; p. 12 Dy^ (1 Sam. 14, 25) für few4); p. 11 (Jes. 30, 1) für: ‘jo&i, — doch kann letzterer Differenzblos ein Schreibfehler zu Grunde liegen. —" Wir begnügen uns für diesmal mit den hier gegebenen Bemerkungen, und erlauben uns nur noch, den geehrten Herrn Verfasser zu bitten, mit der versprochenen Veröffentlichung der übrigen Theile des fraglichen Codex bald zu beginnen und dann ununterbrochen fortzufahren 5). Seine orientalisch-philologischen Kenntnisse, wie seine Bekanntschaft mit der rabbinifchen Literatur, die er im vorliegenden Specimen so unzweifelhaft an den Tag gelegt, können ihm als sichere Bürgen für die Anerkennung seiner Leistungen dienen. Von der Theilnahme aber, die sich von Seiten der Israeliten für diesen Gegestcmd kund geben wird, soll es abhangen, ob wir die Werke Tanchum's ins Hebräische übersetzen. Daß dies wünfchenswerth sei, wird Keiner.in 2) Bei dieser Gelegenheit beruft er sich auf s i_> Lx5^ (d.i.NMON "OO) des Rabbi Ch efez (vergl. zu die- (0' \f * (et Stelle Talm. Taanit fol. 30 b.), über welchen letzte rn der Vers, in dm ad den di 8 nähere Mittheilungen macht, die er, wie er daselost berichtet, — der Güte des Dr. Zunz verdankt. 3) Tanchum selbst spricht sich hierüber in seinem Commentar zu Jud. 1, 14 deutlich auch indem er sagt: „DD^y ddh tos^N rina p ab N'D n4p P'W^X 'VQ p anrnty Yxd^x p" (b. h^ Du weißt aber, daß die Bedeutung der Wörter nicht blos durch ihre Vergleichung mit verwandten Wörtern, sondern auch aus dem Sinne, den sie in den Parallel-Stellen haben, erkannt wird.). Schnurren R, Tanchunv 1-iierosolynutäni ad übros V. T. commcntarii arabici specimen una cum annotationibus ad aliquot loca libri Xudichm (Tubingae 1791. 4.), [>• 5. — 4) Nach der vom Herrn Redacteur dieser Zeitschr. mir mündlich mitgetheilten Ansicht, wären die fraglichen Differenzen daraus entstanden, daß der Commentator die betreffenden Schriftstellen blos nach dem Gedächtniß citirt, — was höchst wahrscheinlich ist. Indessen konnten wir nicht umhin, aus die Abweichungen aufmerksam,zu machen. — 5) Wie wir' aus authentischer Quelle erfahren, wird Tanchum's Commentar zu den Megillot gegenwärtig tn London gedruckt. — '