Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 3 (17.1.1843)
- Article
- Immanuel
- Date
- 1843-01-17
- Page
- Spalte 35-36 (sequence 2)
- Language
- German
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35 Immanuel. Piograph. und literarhistorische Skizze. Won M. Sider. 36 Vogel aus seinem Nest v er sch eud)t" (@pr. 27, 80$ da befand er sich meist zu Fermo in der Marca d'Ancona, hochgestellt und geehrt bei den Vorsitzenden im Rathe der Weisheit und Kunst. An einem Purimfcste '(?), als Wein und Freude die Herzen erweiterte und die Zungen löste, da wurde beschlossen, eigene Dichtungen wetteifernd vorzutragen, und auch von fremden berühmten zu berichten. Da begannen nun viele, um der Schande künstlerischer Unfähigkeit zu entgehen, fremde Dichtungen — darunter auch von den fcU neu — für ihre eigenen auszugeben. Mitunter eignete man ihm die elenden Machwerke Anderer, und. Fremden seine besten Gedichre zu. Als er sich nun schwer und bitter hierüber beklagte, forderte ihn einer der „Fürsten" auf, alle seine Gedichte zu sammeln, und nach der Anordnung Ch arisi's zweien gewählten Helden in den Mund zu legen. Als Immanuel einwendete, daß dieser sein Werk gleich von vorne herein als ein Ganzes zusammenhängend gedichtet, seine eigenen Gedichte aber, ohne Absicht, sie einst zusammenzustellen, bei den verschiedensten Gelegenheiten, in den verschiedensten E p o ch e n seines Lebens verfaß t, eines durchgehenden Fadens c n L b e h'r t e n, auch „von der Spitze des Senir und aus dm Löwengruben schwerer alü die Zerstreuten seines Volkes zu sammeln wären", da überredete ihn der Fürst mit schmeichelhaften Worten, es dennoch zu versuchen, und seine, selbstverfaßten Dichtungen so aneinanderzureihen, als ob sie vom Dichter und einer andern Person, wie im We.ttgesange, oder in Weift von Frage und Antwort, vorgetragen wären, und obschon er, der Fürst, selbst niemals zu dichten versucht, so wünschte er doch, daß es sein eigener Name sei, der burd> die Zueignung des Dichters mit dessen Buche der Unsterblichkeit theilhaftig werde 5 .zugleich sollten auch durch diese Sammlung die Plagiate der Schmach übergeben sein. Immanuel befolgte diesen Nach-und aus den ihm noch erinnerlichen oder vorhandenen (ft S. 208) nebst manchen muhinzugedichreten Stucken entstand sein berühmtes Werk, die Mechabberot (rrnSHO Bindebalkern oder Klammern?) 74), mit deren Inhalt und Form wir uns später mehr beschäftigen werden; hier nur Einiges über Zeit und Ort ihrer Abfassung und Zusammenstellung (Redaktion) und ihre Beschaffenheit als Quelle für Immanuels Biographie. Wie wir gesehen, ist die Anordnung derselben die bekannte 74) oder auch rrpnD (so daß es dann im.Plural gebraucht Machberot heißen müsse), welches schon im Sing, in der Bibel vorkommt. So heißt-auch die Ueberft des Hariri bei .Charifi iXDTO „ Machberet Itiol" nach Dukes: ' Ehrenft S. 31. Den Sing, hat auch bei diesem Werke Sabba ta i sub. tit. vj'ißxin (S. 88)! während er S. 41.. bN’n’K nreno und 5n'»oj? rrono hat! Auch Parchon hat (i.b.) den Titel nrono. Man vergl. u. ft w. nach dem arab. t, für den Titel unsres Werkes aber insbesondere das Bild von den „Schleifen und Haekeil" im ersten E. des Tachkemonft der Makamen. Der Held (hier der Autor selbst) erzählt in rhetorischer R e i m p r o sa - seine -Abentheuer, diezugleich als Anlässe zu eingelegten Versen oder anders geformten Halbpoesien dienen. — Die eingelegten Stücke der Mechab^ berot sind aber, wie erwähnt, aus den verschiedensten Lebensperioden des Dichters zusammengelefcn, und ob auch im Wettkampf der 6. Mechab. (s. weiter unten §. 11) das Jahr 1290, in der 24. und 27. Mech. (S. 217. 241) das I. 1328 angegeben sei, so Ist doch bei dieser Vertheilung keine chronologische Aufeinanderfolge veab sichtet. Hingegen fällt die Redaktion sämmtticher 27 Mechab. vor Immanuels 60. Lebensjahr (1332). Denn als. er dies überschritten, verfaßte er die 28. und Schluß - Mechabberot mit der Ueberschrift „Toset und Eden", eine Nachahmung von Dante's divina cmmneciia, mit bem er auch die Idee eines Führers aus der Vorzeit gemein fyat75). — Durch Immanuel ist vielleicht erst der eigentliche jüdische Dante, Mose Nie t i (geboren 13887 6) angeregt worden. — §♦ 10. Wie und warum kam aber Immanuel nach der Mark d' A n c o n a? So weit wir bisher (1321) Imm.'s Leben und Wirken als Mann nach sichern Spuren verfolgten, führten diese kaum über Rom, nirgends über den Kirchenstaat hinaus. Bei seinen jugendlichen Ausflügen aus Rom erwähnt er nur der Stadt Fabriano an dm Apmnüien in der Marca d'Ancona (S. 2(4). Die angebliche Reise nach Spanien, der Berberei, Türkei und Palästina (M. 9) gehört offenbar zu den scherzhaften Uebertreibungen des selbst lobenden Gedichts, in welchem er — dem lateinischen oder italienischen eines Christen77) den Rang ablaufend —. sich auch aller Handwerke, Künste, Wissenschaften und Sprachen, aller Ehren, Würden und Reichthümer in demselben Tone rühmt. Hingegen stellt er sich an einem andern glaubwürdigern Orte den Vielgereisten gegenüber7^). Es sind aber fünf Hauptstellen seines Werkes, in denen er von sich und seinem Schicksale spricht: nämlich außer dem 76) Zunz: Anal. 6. Anm. 1. 76) Ders. Anal. 4. S. 321. nach Reggio bei Aedner: Auswahl S. 268 ft dagegen nach Luzzatto und Dukes: Ehrens. S. 50. geb. 1416. — ft unten Anm. 83 b.). 77) Delitzsch. S. 144 entscheidet dies nicht 5 vergl. nn-inni n). — 'dhni ]v ’Dn \\vh (S. 89)5 ^21 pafai •»-Dy jiafo ■»my (S. 266) nimmt auch Zilnz ('Anal. 6. S. 197) für hcbr. late in. und arabisch, was wir oben §. 8 nachgeschriebcn haben. "8) ^.1 IIDN'1 DJ) 31 *?{■$ rrai (S. 11). — SSoix t'cm Fremden (oben Anm. 67) heißt cs ^>11 h>tt N'3 332 N'iH (S. 268). — “D”N ’fiNQ "rriM in der Grabschrist (S. 193) ist metNPhorisch; und 'MIN '133^1 NIpINN NIQ'pQI (S. 191) gehört gewiß nicht seiner frühern Lebenszeit a».