Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 2 (10.1.1843)
- Article
- Immanuel
- Date
- 1843-01-10
- Page
- Spalte 21-22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Immanuel. Biograph, und literarhistorische Skizze. Won M. Sider. Indem wir uns nun mit diesem näher bekannt machen wollen, müssen wir bemerken, daß von den biographischen Daten nicht einmal die Zeit, in der Immanuel lebte, in den bibliographischen und historischen Werken bis aus das letzte Decennium richtig angegeben ist. Erst den Studien der neuern Kritik war es Vorbehalten, großtentheils aus den gelegentlichen Notizen seines zu schildernden Werkes, in welchem man freilich oftmals Fakta von dichterischer Einkleidung kaum zu unterscheiden vermag, hierüber Licht zu gewinnen; und wir haben uns bemüht, in den Fußtapfen der Kritiker fortschreitend, die Elemente zu einer Biographie möglichst vollständig zu sammeln, daher der einsichtsvolle Leser ein öfters wiederkommendes „vielleicht" „es scheint" u. dgt. uns zu Gute halten wird4"). §. 7. Immanuel43) Ben Salomo erblickte zu Rom44) um 1272 das Licht der Welt-"). Seine Familie, angeblich die der Zifronaer, gehörte, wie es scheint, zu den angesehenen Noms 4G). Sein Vater Salo m o, so wie seine Mutter Justa erlebten schwerlich sein 50. Jahr, und dürften nicht einmal sein Mannesalter gesehen haben4'). Jener, ein einsichtsvoller verständiger Mann, gab dem Sohne eine weise und zeitgemäße Erziehung 43), der auch sehr früh viel Talent zur Wissenschaft, besonders aber zur Poesie, entwickelte"). Er selbst rühmt noch als Greis sein ausgezeichnetes Gedächtniß (S. 152), nennt sich einen „Schüler der Verskünstler . (wJN!"!), einen anhänglichen gehorsamen Jünger der Rabbinen, der großen und geringen" (S. 16), besonders gedenkt er als seines befreundeten I u g e n d l e h t e x S (?) in „Tora" (Bibel, Gesetz?) eines Rabbi Binjamin, mit welchem Na- 42) '''Die Aufmerksamkeit lenkte zuerst hierauf Jost in Geigers Aeirschr. I, S. 358 f. Die scharfsinnige Lösung vieler dort aufgeworfenen Fragen verdanken wir Aun z's Anale kten (4—6). 43) Der Name weist auf das byzantinische Reich hin (Zunz: Binjamin II, S. 37, Nr. 69), wo also vielleicht der Ursprung der sonst unbekannten Zifronim (2^N2L) in einem Ortsnamen zu suchen wäre. 44) S.89. lT>?P nennt er Rom (©.16) nach Targum Ierusch. zu 4 M. 24, 24; vgl. unten Anm. 66. 45) nach einer trefflichen Combination Aunz's Anal. 4. S. 326. 46) S. 11. ptf Qw-Dj/n wh hy den1 npi d’O'-id1? ^n p• mo p niDyfenß^Tininm dto? (S. 194). 47) S. 4. 120. Unerklärlich bleibt es aber, daß er nur 'seine Mutter (S. 262), nicht aber seinen Vater im Paradiese sieht. 48) 'ruo dj ru>n nxi .... *on bim rhym Tpby nw wo pwi w ■on Twmm, pN wh mnry NIH (S. 12). 49) Dmyjn wi Tnnn O (S. 163). — mn D'Jlfcu&TI p3 W P T Dm (S. 164). men mehre Gelehrte aus jener Zeit bekannt sind 20). Als Grundstein für seine Iugendbildung gibt er die Werke des Marmon ides an (S. 99) und rühmt sich den More Nebuchim, wenn auch nicht auswendig zu kennen, doch gar wohl zu verstehen (S. 79). Seine spätere Bildung erhielt aber auch Manches aus dem Umgänge und den Schriften seines, von ihm gefeierten, jüngern Vetters Jehuda Ben Mose Ben Daniel, genannt Leo Romano (geb. 1292), der die Schriften des Albertus Magnus, Thomas, Alexander des Minoriten und Angelus übersetzte oder bearbeitete, und auch als Exeget bekannt war, und als dessen Plagiator Immanuel sich selbst anklagt (S. 10G)51). An seiner Erziehung betheiligt war auch Daniel, ein Bruder jenes Jehuda, oder ein Vetter desselben so wie Immanuels5-). Mit Ernst und Vorliebe beschäftigte sich Immanuel mit dem ausgebreiceten Gebiete der he bräischen Sprach k un d e und biblischen Auslegung, wo wir sogleich von seinen Leistungen darin sprechen wollen.. Er eommentirte, mit Ausnahme der ersten und kleinen Propheten, die ganze heilige Schrift, verbindete darin nicht nur grammatische und reale Erklärung, sondern suchte oft geistreich in den liefern Sinn einzudringen, gleich seinem ältern Zeitgenossen Menachem Ben Salomo dem Provenyalen, und wohl zunächst von Moses Jbn Tibbon angeregt, wie er im Commentar zum Hohenlieds.selbst bemerkt. Doch hatte er wie Jbn Esra, Mose de Leon u. A. gewiß auch äußere Aufforderung durch angesehene Männer oder wißbegierige Schüler, da wir wissen, daß ihn zum Commentar des Jjob Isaak Ben Mincha in Rom veranlaßte. Allein von den Werken dieses genialen Mannes, so äußerst wichtig sie für die Geschichte der Exegese und zum Verständniß der 5v) '9-m ’D’2 mm -mi idi\nv’3~i mn. Nicht wie Immanuel *>Enn '»D'O Hiob 29, 4. interpretirt, sondern der Zusammenhang muß die wechselnde Bedeutung dieses häufig bei Immanuel verkommenden Ausdrucks lehren. Am Anfang der 6. Mach, deren Wettkampf Z u n z (Anal. 4. S. 325) ein augenscheinliches Produkt der Jünglingsjahr e nennt, übersetzten wir „im Sommer meiner Lebensreise" weil es sonst wie z. B. M. 27 (s. unten §♦ 10) D’Hiyjn heißt. — Auf diesen R. Binj. folgt unmittelbar ein R. Zidkia, daher denken wir zunächst an Binjamin B. Jechihl, Oheim des R. Zidkia (s. Zunz: Anal. 3. Anm. 57). Der „bibelkundige und tüchtige Masoret" Binjamin, den Immanuel (S. 110) als Genossen (?) Juda Romano's ehrt,, hält Zunz (Anal. 6, S.- 194) nicht für gewiß identisch mit R. Binjamin B. Inda genannt Habba, der noch 1312 lebte. — Auf welchen Grund hin derselbe Gelehrte (Anal. 5. S. 47) den R. Jo ab px? S. 262) einen Jugendlehrer Jmm.'s nennt, ist mir unbekannt. 51) Uebcr denselben abhandelt Zunz Anal. 4. s. besond. Anm. 14 das. s 52) Nach Zunz gelehrter Erörterung des Ausdrucks riN (Anal. 4, S. 324). Immanuel sagt von ihm (S. 263) HN "^1 HDN *]TD -JIUH , TIN' ('t; INC) mp "HEM, 'fTW. s. noch unter» Anm. 62. 81. o *