Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-01-10 · 2 (10.1.1843) · p. Spalte 19-20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
2 (10.1.1843)
Article
Immanuel
Date
1843-01-10
Page
Spalte 19-20 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897774-9897776-2368123--2450-2368159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

19 Immanuel. Biograph, und literarhistorische Skizze. Won M. Sider. 29 freu Reize entfaltet 'hattet), verdrängte allmahlig.Künstlichkeit die Kunst, die Form herrschte über den Inhalt und oft Witz und Verstand über Phantasie und Gemüth; Uebersetzungen und Nachahmungen klassischer Muster vertraten die Erfindung. — Ausgezeichnet selbst bei ähnlichen Mängeln bleibt aber, der geniale Uebersetzer und Nachbildner Hariri's, Iehuda Ben Salomo al-Charisi a l-Chofni (st. nach 121.9) 33).-- Im Allgemeinen herrschte also gegen Ende des 13. Iahrh. in der Poesie die Di daxis wie in der Wissenschaft der Eklekticismus. S.-6.' Italien war um diese Zeit bereits durch halachische Studien mit Deutschland, durch kabbalistische mit Frankreich, durch poetische und philosophische mit Spanien verwandt39). Von allen seinen Städten zieht wieder Rom insbesondere unser Augenmerk auf sich. Eine Schilderung Roms 1270— 1330 verdanken wir der gleich bewanderten als kunstgeübten Feder des Meisters der jüdischen Literaturgeschichte 4°), deren Quelle hier großmtheils die Schriften Immanuels. Ihr entnehmen wir die folgende Staffage zu dem Lebensbild unseres Immanuel. Der mächtige Schwung, den Mose Ben Marmon den Geistern gegeben hatte, war schon in Italien fühlbar worden, als neue Kräfte jüngerer Männer bildend hinzutraten. Den Einfluss, welchen die Provence im'Besitze einer aus der griechischen Zeit ererbten Kultur durch Wissen und Poesie auf das mittlere Frankreich und Burgund, auf Katalonien und Italien übte, verstärkte seit der zweiten Hälfte des 13. Iahrh. die in Neapel gegründete Herrschaft der proven^rlischen Könige, zumal als Robert von Anjou (1306) den Thron bestieg (der auch 1312 vom Pabst zum Generalvikar des Kirchenstaates ernannt wurde) und Deutschen wie Italienern seine Uebermacht empfinden ließ. Andrerseits wurde die Cultur der Provence, durch die gleichzeitige Verlegung der päbstlichen Residenz nach Avignon, namentlich den Römern näher gerückt. Die Verbindungen mit der Provence wurden lebhafter. Und da die Juden zu allen Zeiten den Richtungen der Nationen, unter denen sie lebten, wenn auch in weitern Kreisen, folgten, so konnten auch in jener Epoche die Wirkungen nicht ausbleiben, welche die proven^alische Bildung, Pisa's Handelsflor, Bolognas Universität, die in den Lombardischen Städten erwachende Kunst im Allgemeinen, und ausgezeichnete Christen — wie früher Araber — auf geeignete Juden ausüvten. Daher haben spanische Uebersetzer und Sänger der Provence nicht minder, als die geistreichen Schrif- 37) S. Charisi's Charakteristik bei Delitzsch a. a. O. S. 168. 38) Dukes: Ehrens. S. 25 ff. Kr afft: Jüd. Sagen und Dichtungen. Ansbach 1839. S. 147. 206 ff. (Z ebner)' Auswahl hist. Stücke. S. 66 ff. 39) A u n z: g. B. S. 422. 40) A u n z: Anal. 6. ten von Thomas und Aegidius römische Juden beschäftigt.— Um jene Zeit bedienten sich in Deutschland, Spanien und Italien ausgezeichnete Könige, als: Friedrich!!., Alphon s X., Pete r III. und Robert von Anjou, gelehrter Juden zu ihren Arbeiten. Auch von angesehenen römischen Juden wurden gelehrte Männer beschäftigt/ die für sie arabische Werke übertragen oder auch eigene schreiben mußten. Die Nachfrage nach spanischen Erzeugnissen, namentlich der berühmten Uebersetzerfamüie Libbon, hatte so zugenommen, daß nach einer Erzählung Immanuels (S. 80) eia Wucher- Händler Ahron, der mit 180 Werken aus Toledo in Perugia (in der Marca d'Ancona) angekommen war, auf dem Wege nach Rom vor dem wißbegierigen Ungestüm seine Bücher kaum retten konnte,(Z. 10). Mit dem Bücherbesitze stieg die Zahl der Abschreiber (die Abschriften wissenschaftlicher Werke wurden damals, wie auch noch im 14. und 15. Iahrh. von unterrichteten Männern besorgt)41), obwohl aus jener Epoche nur solche bekannt sind, die biblische und talmudische Werke angefertigt haben. — Auch an Uebersctzungen aus dem Lateinischen fehlte es nicht in Rom selbst. Die Philosophie des Albertus Magnus zählte ihre Schüler unter jüdischen Gelehrten Roms (s. §. 8). — Viele Gelehrte mit dem Titel Rose (Arzt) werden uns als philosophische und medicinische Schriftsteller genannt. — Wie aber überhaupt Poesie und Philosophie nur in der Weise eine Gelrung erhielten, als die jüdischen Momente von ihnen durchdrungen werden konnten; so wird auch hier jener Geist vornehmlich in den nationalen Richtungen sichtbar. Gleich den Scholastikern, bei denen Theologie und Philosophie eins war, waren auch viele der jüdischen Philosophen mehr Theologen als Philosophen, nur .schöpften Manche unmittelbar, Andere auf Umwegen, und ohne es zu ahnen, aus den Quellen fremder Weisheit. Die römischen Exeget en jener Zeit gehören meistens der'philosophischen Schule an. — Die Dichter, die das jüdische Rom damals hervorbrachte, versuchten sich7nicht ohne Glück in verschiedenen Gattungen, und von Juda Sizil iano, der sich mehre Jahre in Rom aufhielt, (s. unten §. 12) berichtet der ihn hochschätzende Immanuel (S. 117), daß er vom Bersemachen und dem Unterrichte darin Profession machte, wie auch die durch Dante und Petrarca um jene Zeit begründete italienische Lyrik und Romantik die jüdischen Poeten fortriß. Mit einem Wort: Poesie und Wissenschaft des Juden wiederstrahlte den Glanz der Zeit, weil sie ihn nicht für unwürdig hielt, daran Theil zu nehmen. „So stellt sich denn die Epoche, in welcher die Geschlechter der Anavim, Nearim und Bet-El blühten, als eine in vielfacher Hinsicht begabte, einflußreiche dar, und die Nacht, die Immanuels Zeitalter deckte, entfaltet einen Sternenhimmel, an welchem unter 50 (bei Zunz nammtlich angeführten) Lichtern in erster Größe Immanuel leuchtet!" 41) Dess. Anal. 4. S. 54.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.