Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 2 (10.1.1843)
- Article
- Immanuel
- Date
- 1843-01-10
- Page
- Spalte 17-18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatnrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. Leipzig, den 10. Januar 1843« Lebensbilder-Saal. Immanuel. Biographische und literarhistorische Skizze von M. Sider in Berlin. Abriß der jüd. Kulturgeschichte im Mittelalter. Fortsetzung. — Neu hebräische Poesie. Tiferet Ha-Tischbi, ein Heldengedicht von Mendel Stern, beurth. v. Leop. Stein. — Lit. Nachrichten und Miscellen. Mnemonische Distichen für die hauptsächlichsten jüd. Zeitepochen v. Dr. S o m m e r v a u s e n. Erklärung in Bezug auf die theoloyisch-philosopl). Arbeiten F r i e d e n t h a l s. Widerlegung gehässiger Aeußerungen des Prof. B. Maier vom Landrabbiner Wechsler in Oldenburg.— Literarische Ankündigungen. Briefkasten. Ai 3. Lebensbilder - Saal. INNNÄNUkl. Biographische und literarhistorische Skizze von in Berlin. (Fortsetzung.) §♦ 5. Wir kommen nämlich zum 13. Jahrhundert, zur Zeit der höchsten Entfaltung jüdischer Literatur im Mittelalter, und fassen daher die Gesammtentwickelung derselben hier noch einmal kurz zusammen. Das Studium des Gesetzes oder der Ha!acha war am Ende jener Periode, welche man durch die Risch o nim (Erstern) bezeichnet, von Gelehrten betrieben, die in allen von Juden bewohnten Gegenden sich um Erläuterung und Ordnung des mündlichen Gesetzes in allen seinen Theilen, um Feststellung der Rechts- und Religionsfragen auf kasuistischem Wege bemüht hatten-'). — Die schöpferische Thätigkeit der Ha gada hatte in der Form des allenthalben (mit Ausnahme Spaniens und Deutschlands) ausgebildeten Midrasch, in dem größten Sammelwerke I a l k u t S ch i m e o n t einen Schlußpunkt erreicht , und war bereits selbst zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, namentlich seit Maimonides ein Objekt philosophischer Erläuterung geworden -8). In der Form der P i j u t i m war die Blüthezeit der Hagada in Italien, Deutschland und Frankreich schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrh. 27) Vergl. nitdp nriJB S. 184. 28) Zunz: g. V. 396. 399 f. vorüber-^). — Die in Spanien blühende arabische Wissenschaftlichkeit, deren Wurzel und Krone, die Religionsph i l o so p hi e, bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts einen gewissen Abschluß erhalten3"), und schon innerhalb dieses Jahrhunderts im Streite mit der Orthodoxie mehre Gelehrte als selbstständige Denker zählte, war nun über ihren Culminationspunkt hinaus. — Das Hauptwerk der Kabbala, der Sohar, hatte bald nach seiner Abfassung (circa 1300) an Menachem aus Reccanate (in der Marca d'Ancona) einen Erklärer gefunden3^. — Und wie von jeher jede eigenthümliche Richtung des jüdischen Geistes sich vorzüglich in dem Urborn der heil. Schrift wieder abzuspiegeln suchte, so hatte sich auch seit dem Zeitalter Raschi's (dessen Bibelcommentare nach 1070)8-) eine vorzüglich hagadische Exegese mit bestimmten Gegensätzen und nach verschiedenen Systemen geltend gemacht33). — Die jüdische Poesie Spaniens hatte das Schicksal ihrer Mutter, der arabischen, getheilt. Nachdem sie in dem allüberstrahtenden Dreigestirn Salomo Ben Gabirol (geb. 1040—50. st. 1075 — 80 34), Moses Ben Jakob Jbn Esra ist. nach 1137 35) und Juda ha-Lewi (st. nach 1140 36) all ihren Glanz ausgeschütret, ihre verschiedenartig- 29) Das. S. 394. Delitzsch zur Gesch. der jüd. Poesie Seite 52. ' 30) Geiger: Melo Chofnajim S. XV. 31) Zu nz: Anal. 6. S. 193. 32) Deff. Biogr. in Zeitschr. f. d. W. d. I. S. 323. 33) Deff. g. 8. S. 397. 34) Dukes: Ehrensäulen S. 10. 35) Dukes: Mos. B. Esra S. 2. s. M. Sachs im Schmied'schen Jahrbuch für Israeliten 1843. 36) Kusari 1. §.47. S. 25. Aum. 1. Ausg. von Cassel u. Jolowitz; vgl. Luzzatto in Betulat.Bat Jehuda S.25. 2