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Der Orient · 1843-01-03 · 1 (3.1.1843) · p. Spalte 7-8

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
1 (3.1.1843)
Article
Immanuel
Date
1843-01-03
Page
Spalte 7-8 (sequence 4)
Language
German
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7 Immanuel. Biograph, und literarhistor. Skizze. Bon M. Sider. 8 die gegen Ende des 12. Jahrhunderts gerade an den Berührungspunkten der Gegensätze, in Südfrankreich und Süditalien als Kabbala auftaucht, von dort aus nach dem nördlichen Spanien und südlichen Deutschland sich ausbreitet, gegen Ende des 13. Jahrh. bereits feste Wurzel gefaßt, und in der Literatur durch eine Anzahl pseudepigraphischer Werke sich allenthalben geltend gemacht hattet). §. 4. Folgen wir nun den vertriebenen Gelehrten der Provence und wandern mit ihnen über die Seealpen und Apenninen im Westen Italiens hinab, um eine Zufluchtsstätte bei-unfern Brüdern zu suchen; so kann unser Fuß nicht eher rasten, als in der Sieb e n Hügel st ad L 17), von der wir uns in einem Rückblick auf die bisherige Entwickelung des Zudenthums in Italien angeregt fühlen. Seit der Eroberung Judäa's durch Pompcjus (63 vor Ehr.) haben wir sichere Kunde über den Aufenthalt von Juden in dem weltbeherrschenden Rom. Titus (70 nach Ehr.) führte dahin nach einer alten Sage 1500 gefangene Juden, darunter 4—5 berühmte Familien "). Hier finden wir schon zu Anfang unserer Aera Synagogen und Prediger, später Lehrer der Mischna und ©emava19), die einen engern Anschluß-der Studien an Palästina herbciführten, der nahe an ein Jahrtausend dauerte. Aber die Sonne einer eigenen jüdischenLiteratur bricht in Europa u.zwar zunächst in Italien erst im 9. Jahrh. auf-o). Seine südliche Spitze, Sicilren, Sardinen und Corsica war (827. ZZ.) von Arabern in Besitz genommen, die erst 1043 durch die Normänner,verdrängt wurden. So war denn Italien halb christlich halb maurisch und die Thätigkeit der dortigen Juden von doppelter Art^). Au ihnen gehört wahrscheinlich der Verfasser des Midrasch Jelamdenu (Mitte des 9ten Jahrh.) und Midrasch der Psalmen. Um 876 blühte ein Gelehrtenstamm zu Lueca, dessen Reiser nach Mainz versetzt, italienische Gelehrsamkeit in Deutschland bekannter machten. Um 913 wurde zu Nola bei 16) Aun z: g. V.404 s. jedoch Rapap ort: Ker. Chem. VI. 23. 17) niNjp nmD S. 115 3un $: Binj.II. @.16 No.31. 18) Aunz: Ker. Chem. V. S. 132 vergl. Kinj. No. 9 Gelegentlich theilen wir folgende Notiz aus den Vorlesungen des Herrn Prof. Peter mann in Berlin über orientalische Literaturgesch. mit. Unter den nach Nom Weggefährten Juden befanden sich auch die Nachkommen des im Evang. Luc. erwähnten Kleophas, welche aber wieder nach Jerusalem zurückkehrten. Von dort suchten spätere Abkömmlinge einen Zufluchtsort in Armenien. 6 von 7 Brüdern, die sich von David und Batseba herschrieben, kamen unter Stephanus (568-^-574) nach Georgien, wurden Christen; einer derselben, Guram, ward Oberfeldherr, dann von Justin. I. zum Curopalatin ernannt, und herrschte nach Stephans Tode bis 600. Sein Sohn Stephan II. blieb in einer Schlacht gegen Heraklius.— Georgische Sage. 19) Desfl g. V. 332, d. 348, a. 358, c. 20) Ders. das. 310 fl, auch für das folgende. 21) Vergl. Rapaport a. a. O. Aversa der berühmte Astronom und Mediziner Sabbatai Ben Abraham D o n o l-o (De Nola) geboren, der (925) von Sarazenen nach Tarent geführt, daselbst ausgelös't, sich eifrig mit Medizin und Astronomie beschäftigte, die einschlagenden Werke der Juden, Griechen, Araber, Babyloner und Juden benutzte, den Unterricht eines babylonischen Astronomen Bogodas 22) genoß , und ein astronomisch - astrologisches Werk: Tachkemoni (945 — 6) verfaßte, in dessen Vorrede das älteste ausgedehnte bis jetzt bekannte Akrostichon mit doppeltem pin -(nad) Rapaport das lateinische vale oder salve!) unter den Juden, die Westen beabsichtigten Reime, jedoch ohne Sylbenm a a ß, der Ausdruck für Reim (fnn dem Arabischen nachgebildet) und Gedicht (lM'Ä). Sehen wir hier den Einfluß arabischer Bildung; so zeigt uns sein Commentar über das Buch Jezira (nicht viel später als der des R. Sa.:dja Gaon in Babylon), daß dies (kabbalistische?) Werk auch in Italien bereits in hohem Ansehen stand -3). — Sein Zeitgenosse ist der Verfasser desPseudojosephus (Josifon) in Rom. — Bald darauf begründete der Schüler des Italieners R. Jannai, der bekannte R. Elieser ha Kali r, vielleicht nicht ohne Einfluß des genannten A. Sabbatai, jene Religionspoesieen, die unter dem Namen P ij u ti m durch die folgenden Jahrhunderte in großer Anzahl von Dichtern (P a j t a n i m) Italiens, Deutschlands und Frankreichs verfaßt wurden 24).— Bari war um 990 ein berühmter Sitz jüdischer Gelehrsamkeit, welche von dort durch Entführung vier ausgezeichneter dortiger Rabbiner auf einem saracenischen Naubschiffe nach Kahira, Kairovan und Cordova getragen wurde, und den Verfall der babylonischen Akademie beschleunigte, deren letzter Vorsteher Rab. Haji Gaon (st. 1038) der Rabbiner zu Rom gedenkt. Hier tritt um diese Zeit die Familie des berühmten R. Natan (starb 1106) hervor, dessen Vater R. Jechiel Ben Abraham Ben Joab als Pajtan bekannt ist, und dessen Stammbaum bis Ende des 13. Jahrh. viele bekannte Namen aufweist. — Das Werk' Aruch des N. Nathan (verfaßt 1101) zeigt eine Kenntnis; der jüdischen Schriften von Gelehrten Babylon's, Afrika's und Nordfrankreichs z R. Nathan selbst haben wir aber bereits als Schüler des Proven^alen R. Mose Ha-Darschan kennen gelernt. Auf eine Verbindung Italiens mit der Provence weisen auch hin die Namen R. Jizchak aus Montpellier in Neapel und A. Abraham Narbonne in Salerno, die uns der oben genannte Reisende Binjamin v. Tudela erhalten 22) Ist der Name B o n g o d a s (Zunz.Annal. 7. S.202) damit verwandt? 23) Geiger: Melo Chofnajim S. 95 — 99 und die fl Anm. 24) Rapaport: Ker. Chem. VI. S. 10. ff. über das noch in Frage stehende nähere Verhältniß zwischen Donolo und Kalir haben wir von diesem Vater der Kritiker noch nähere Aufschlüsse in dem VII. Bande derselben Zeitschr. zu erwarten. 25) Luzzatto: Ker. Chem. V., 48. Zu uz im Bmj. 11. S. 18. No. 34.

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