Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 49 (4.12.1841)
- Article
- Jüdische Sprachwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1841-12-04
- Page
- Spalte 759-760 (sequence 4)
- Language
- German
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759 Jüdische Sprachwissenschaft. Winer's aramäische Grammatik. 760 behalten werden, in hat das n, wie die ausländische Etymologie Lehrt, einen andern Zweck, und in Kftrnn beweist das ) nur, daß die echt aramäische Form stand, welche die Punktatoren durch KD?n hebrcnsirlen. Man ist freilich gewohnt anzunehmen ] daß die Vocalbuchstaben nicht nur die langen, sondern auch die kurzen Vocale bezeichne, als k a" tn-WD?, ) o in -MIN, ja selbst das Chataf soll durch Jod bezeichnet worden sein, als Dnn'W (für onptt), DniO’« (für Dn-Ittfrs)/ u. st w. (st Zion II. S.' 8); allem diese Annahme gründet sich auf ein Nivellicungssystem des Aramaischen oder Rabbinischen mit dem Hebräischen, ein System, welches freilich die Punktatoren vor Augen gehabt, das aber bei einer scharfen Prüfung des aramäischen Elements sich als falsch erweist. Die im Lehrgebäude (§. 84) angeführte Ansicht, daß die Vocalbuchstaben nur die langen Vocale bezeichnen und daß die dort angeführten^ Beispiele w!?, rvmnw, kw, tm*, now u. A. nicht Bfoa/nDK, )b, FßinN sondern tfcrpN, ‘ip’K u. st w/5 gelesen werden müssen, halte ich immer noch für das Verständniß des Aramäischen am geeignetsten. Da aber jedenfalls die Vocalzeichen erst aus dem Hebräischen herübergenommen sind, wo vielleicht sie schon Jahrhunderte früher existirt haben mögen, so lag die Erklärung, warum die Vocatisation targumischer Texte so im Argen liege, sehr nahe, und man muß sich wundem, wie S. 15 es nur daraus erklärt wird, daß die Vocalzeichen in einem Zeitalter übertragen worden find, in der das hebe. Vocalsystem noch nicht seine vollkommene Ausbildung und Festigkeit erlangt. Im Hebräischen, oder vielmehr für das Hebräische, waren die Vocalzeichen wohl völlig ausgebildet und fest, aber die Consiikte beim Uebertragen auf die Targumim lagen in der schon eingettetenen Unkenntniß des aramaischen Idioms, so daß die Punktatoren mehr.oder weniger die Vocale nach dem hebräischen Sprachgeiste setzten. Unsere Drucke der Targumim, d. h. in der Complutensischen Bibel (1517), in der Antwerpner Polyglotte (1569), in den drei venetianischen Bibeln (1518. 1526. 1547 —-49), in der Buxtorf'schen Ausgabe (1618), in der Londoner (1657) und Pariser (1629) Polyglotte, haben die Targum-Texte nicht nach guten alten Handschriften, wenigstens in Bezug auf Vocalisation, und die jedesmaligen Herausgeber haben sich mehr oder weniger nach dem Hebräischen gerichtet, ohne viel auf den aramäischen Sprachgeist zu achten, und nur daraus allein ist die vernachtäßigte Punktation zu erklären, aber nicht aus der Unvollkommenheit des Vocalsystems. Zeigen doch die besten jüdischen Grammatiker, welche im Hebräischen die feinsten Nuancen der Grammatik verstanden, wie 5) Ganz verfehlt ist die grammatische Auseinandersetzung irn Zion a. a. O., wo das Verschiedenartigste untereinander gemischt ist, worauf ich anderswo zurückkomme.. Jbn-Esra und Kimchi, eine solche Unkenntniß in den einfachsten Elementen des Aramäischen, daß man sich über eine fehlerhafte Punktation desselben gar nicht verwundern darf; nur ist die Pietät sehr hochzurühmen, die sie abhielt, in den Konsonanten irgend eine Wegstreichung vorzunehmen. — Das §. 3 über den Ton zusammengestellte ist dankenswert!), obgleich, wie der Vers, selbst bemerkt, für das Aramäische nur eine geringe Gewähr darin liegen kann, weil offenbar das Hebräische als Norm gegolten. — In §. 4 werden auch die im jerus. Targum vorkommenden Abbreviaturen erwähnt, wie Ny, rnp*) allein erstere ist unrichtig aufgelöst, da sie rpij? heißt. Neben den bekannten Beweisen, daß die Abbreviaturen schon sehr früh im Gebrauche gewesen sind, weil sie schon auf den jüdischen Münzen und aus den phönicischen Inschriften erscheinen, welche Beweise der' Vers, gedenkt, ist durch Hr. Dr. Frankel in seinem trefflichen Werke: Vorstudien zu der Septuaginta S. 214 — 15 noch einer hinzugetreten, der die andern überwiegt. Cs ist nämlich l. l. evident nachgewiesen, daß die Siebziger schon einen hebräischen Codex mit Abbreviaturen vor sich hatten, und viele ihrer Abweichungen finden darin ihre Lösung. Auch die Abkürzung des Tetragramm durch '■> kam schon im hebe. Codex der LXX. vor, wofür der Targumist " hat. — In §. 6 werden, nach hergebrachter Weise, die Consonannten ’pnmvn angegeben, durch welche allein die Bildung und Abwandlung der Wörter bewirkt wird, und als Beispiel auch angeführt. Allein 1 weder die Regel noch das Beispiel 'kann befriedigen. Die Bildung und Abwandlung der Wörter wird nicht blos durch Konsonaunten bewirkt, sondern zunächst! durch die Vocale,. wie jN2, rWD, V’DSS anjj, “SD, ferner' die Buchstaben nnUn reichen bei den Bildungen durch Konsonanten nicht einmal aus, da die Nominalbildungen wie u. s. w. nicht bedacht sind, und das angeführte Beispiel VlfcDp als durch einen Konsonannterr bewirkt ist unrichtig, da ein Vocal ist. Die Angabe der Buchstaben, durch welche Wörter gebildet werden, ist aber überhaupt zwecklos, oder gehört eigentlich nicht in die Grammatik. — Bei der Assimilation (daselbst a) fehlt die andere Seite derselben, wo der Buchstabe nicht mit dem folgenden sondern mit dem vorhergehenden sich assimilirt z. B. p^für prm, -Up aus -mip, Nrpop aus arvirm. — Unter den Beispielen dar Apocope hätte für nicht angeführt werden sollen, oder es hatte der Einfluß erwähnt werden müssen, den diese Art Apocope schon auf die aramäische Stammbildung gewonnen. Das Aramäische bietet nämlich die seltene Erscheinung dar, daß die Endungen ar, an, al in vielen Stammen schon sehr früh die Liquiden abgeworfen und das a gedehnt, wodurch aber ein vocalischer Auslaut für einen konfonanntischen entstanden. Zu dieser Klasse gehört das