Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1841)
- Article
- Stuttgart: Organisation des dortigen Synagogenwesens ...
- Date
- 1841-12-04
- Page
- Seite 305 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360197-2366847--2206-2366873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
305 Jugend die heiligen Wahrheiten der Religion und des Sittmgesetzes eingepragt, und sie überhaupt zu allem Schönen und Guten gebildet werden soll. Auf diesen Unterricht wird der gewissenhafte Religionslehrer vorzüglich seine Aufmerksamkeit richten, um durch denselben eine immer bessere Gemeinde zu bilden, und sich Zuhörer zu erziehen, die seine religiösen Vorträge besser verstehen und heilsamer benützen. Um diesen Zweck zu erreichen,' ist es vor allen Dingen nöthig, daß der Religionslehrer sich auf den catechetischen Unterricht sorgfältig vorbereite, den zu behandelnden Stoff genau durchdenke, und sich ihn vollkommen aneigne; sodann den zu erklärenden Abschnitt in einzelne Wahrheiten zerlege, sich einen Gang der Catechisation entwerfe, den er bei dem Unterrichte selbst genau befolge, weil es ihm nur alsdann möglich wird, Lehren und Wahrheiten durch Frage und Antwort aus dem Innern der Kinder zu entwickeln, sie ihrem Herzen einzuprägen, und gründliche Kenntniß der Religion beizubringen. Was die Fragen selbst betrifft, so seien diese deutlich und bestimmt, d. h., ihrem Inhalte nach faßlich, in ihrem Ausdrucke kurz und verständlich und so abgefaßt, daß auf jede Frage nur Eine Antwort richtig sein kann. Dabei hüte sich der Religionslehrer vor jeder Herbeiziehung fremder, äußerwesentlicher Dinge, die den Gang der Catechese stören, vielmehr suche er durch jede einzelne Frage die Entwikkelung einer Wahrheit oder Lehre zu fördern, und so das Ganze zum Ziele "zu leiten. Zur Verdeutlichung und Versinnlichung schwerer Begriffe und Wahrheiten wende der Lehrer Beispiele, Bilder und Gleichnisse aus der Natur und dem Menschenleben, und Analogien aus dem Jdeenkreise der Jugend an, und da die ganze catechetische Unterweisung auf die heilige Schrift gegründet sein muß, so versäume er nicht, bei jeder einzelnen Lehre mit den vorzüglichsten Stellen der Bibel und ihrer Erklärung bekannt zu macheu, und an die hieher gehörigen biblischen Geschichten zu erinnern. Leitet sodann bei diesem Unterricht den Religions-Lehrer ein sanfter Ernst, und behandelt er die Sache mit einer solchen. Wichtigkeit, daß die Jugend die Ueberzeugung gewinnt, es handle sich bei dieser Lehre um nichts Geringeres, als um das Heil ihrer Seele und die Wohlfahrt ihres Lebens, hütet er sich dabei auf's Sorgfältigste vor jedem Ausbruche seines Unwillens und^ behandelt er die Catechumenen liebreich und leutselig, so kann es nicht fehlen, daß diese, so wie auch die Erwachsenen, die Catechesalionm mit Eifer suchen, mit Aufmerksamkeit anhören, und unendlichen Nutzen für ihr ganzes Leben daraus ziehen werden. §. 5. Religions-Unterricht in tue Schule. Gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit, wie auf den öffentlichen Religions-Unterricht in der Synagoge ist von Seite des Rabbinen auch auf den in der Schule zu verwenden. Dieser besteht 1) in dem Unterrichte in der biblischen Geschichte. Ist auch dieser Theil des Religions-Unterrichts zunächst Sache des Vorsängers und Schullehrers, so hat der Rabbine nichts desto weniger bei seinem Unterrichte stets darauf zurück zu kommen, und nicht nur an die einzelnen Begebenheiten und an die sich daran knüpfenden Lehren und Wahrheiten zu erinnern, sondern auch hauptsächlich auf den Gang der Vorsehung in der Leitung und Erziehung der Vorfahren und des Menscheu-Geschlechts überhaupt aufmerksam zu machen. 2) In einem Unterrichte der heiligen Schrift. Diese hat der Rabbine einfach, ohne alle künstliche Deutung, der Jugend zu erklären, und sie mit dem Inhalte derselben und mit ihrem Geiste, so wie auch mit ihrer Darstellungsweise bekannt zu machen. Auch bei diesem Unterrichte ist nicht zu vergessen, daß nicht das Lernen, sondern die Ausübung des Erlernten die Hauptsache ist, und darauf zu sehen, daß die Jugend nicht nur mit den natürlichen Grundregeln) die Bibel zu erklären, bekannt werde, sondern auch die in ihr enthaltenen Lehren, Gesetze und Vorschriften als für sie verbindend anerkenne. Bei dem Uebersetzen der heiligen Schrift aus dem Hebräischen in's Deutsche sind ebenfalls alle gelehrten künstlichen Auslegungen zu vermeiden, und das Wort der Schrift einfach und deutlich zu erklären. Bei diesem Unterrichte ist übrigens auch der formelle Nutzen nicht außer Augen zu lassen, und der Jugend die wichtigsten Regeln der hebräischen Grammatik einzuprägen. 3) In einem Unrerricht in der mosaischen Glaubens- und Sittenlehre. Indem man, was diesen Theil des Unterrichts betrifft, auf die Einleitung zum Lehrbuch der israelitischen Religion verwiesen haben will, genügt hier die einfache Bemerkung, daß der Zweck des Religions-Lehrers bei diesem Unterricht sein muß, die positive israelitische Religion zur lebendigen und erbaulichen Anschauung zu bringen, und ein Leben nach demselben zu bewirken. Da durch diesen Unterricht der Grund zu einem frommen, sittlichen Wandel für die ganze Lebenszeit gelegt werden soll, so wird der gewissenhafte Rabbine um so mehr ihn mit Eifer und Pflichttreue ertheilen, als sein Beispiel auch den unter ihm stehenden Vorsänger bewegen wird, diesem Theil ihres Amtes mit Gewissenhaftigkeit und Berusstrem nachzukommen. §. 6. Eonficmanden-Unterricht. Bei dem Confirmanden-Untecricht, welchen der Rabbine den Jünglingen und Mädchen zu ertheilen hat, die als selbstständige Genossen in die Kirchen - Gesellschaft eintreten, kommt es hauptsächlich darauf an, daß nicht nur die zu diesem Zwecke nöthigen Kenntnisse mitgetheilt, sondern auch die dazu nöthigen Gesinnungen begründet und befestigt werden. Dieser Unterricht darf daher am allerwenigsten tobt oder der eigenen Ueberzeugung fremd seyn. Jedes Wort des Lehrers muß aus dem Innersten des Herzens kommen und die Consirmanden überzeugen, daß von der richtigen Auffassung und noch mehr von der