Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 47 (20.11.1841)
- Article
- Versuch einer wissenschaftlichen begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Spalte 727-728 (sequence 3)
- Language
- German
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727 Versuch einer wissenschaftlichen Metrik für die neuhebraische Poesie v. Isidor Kaempf. 728 ,?Urbs anliqua fuit. jj Tyrii lenuere coloni“ Mrg. Aen. L 12. — oder nach der ersten Kürze (weibliche), wie in: „Klv{h, ixvu%, otigiGGi |) tcoIvIUgtov Si (?’ foccvco“ Odyss. 'V. 445. — weiter hinaus ist sie im dritten Fuß unstatthaft. — Betrachten wir nun folgende biblische Verse, so finden wir, daß sie den hier erwähnten Fundamentalgesttzen des heroischen Hexameters vollkommen entsprechen:! jimj? irip-i || nnTrjj nbj? " 44, 27. — Noch lebhafter tritt das heroische Versmaß in folgendem Vers hervor: - niön; || “qik Hiob 4, l:L — ' Was die heilige Sprache nicht alles vermag! Man kleide sie in jedes beliebige Gewand — ihre angebome Grazie wird immer hervorstrahlen! — Die Hauptcäsur im dritten Fuße kann unter gewissen Umständen durch zwei männliche Lasuren, wovon eine im zweiten, die andere im vierten Fuß stattfindet, ersetzt werden. Dies giebt besonders gefühlsecregenden Beschreibungen einen gewaltigen Nachdruck. Man vergü : m Terra. tremit; (] fugere ferne; ]| et mortalia corda etc., etc. — Birg. Georg I. 330. — Zn unserm schon erwähnten Schöpfungshymnus haben wir versucht, eine durch den Flug der Engelschaar verursachte Erschütterung des Universums durch folgenden, zwei Casuren und mehre Gleichklänge enthaltenden Hexameter auszudrücken: - || üfrhp: Ä Jj cihrn cn Gleichklänge sind im Hexameter so verwerflich nicht, wie manche Aesthetiker es gern glauben machen wollen. Homer schildert den durch Apollos silbernen Bogen erzeugten Klang in einem mit Gleichklaug schließenden Hexameter: öuvTj 6e %layyrj yhzx clgyvQsoio ßtolo. Jl. I. 49. Es kommt Alles hauptsächlichst aus dm Inhalt des Verses an.31 — Wir hatten gar viel noch über das Wesen des Hexameters zu sprechen, aber wir fürchten die Grenzen dieses Blattes zu überschreiten) wir behalten daher eine umständliche Erörterung dieses Gegenstandes unserer ausführlichen Schrift über Metrik vor, und gehen für jetzt zum elegischen Versmaß über. tz. 12. VII. Der Pentameter. Im Pentameter lassen nur die zwei ersten Füße des ersten Hemistichs Spondeen zu, die zwei ersten Füße des letzten Hemistichs müssen reine Dactylen sein; z. V.:!rnh cnibWn || rnn> cn ^Vrgl. 7p. 113, 4. ' Schöner ist der Pentameter allerdings, wenn auch die zwei ersten Füße des ersten Hemistichs Dactylen sind, z. B. : ' ftfihnn nn [| dviVn "in 7p. 68, 16. Uebrigens wird das elegische Versmaß nur in Verbindung mit dem heroischen gebraucht. Hier ein Distichon. ni'jHin || ünh'nk un np-ip — * nibirp ^Ti?” c$? || rnh# an4 Vrgl. Micha 6, 2. — §. 13. . So weil bk Grundrisse einer neuhebräischen Metrik; das Ausführliche derselben muß, wie wir bereits erwähnt, einer spätem Schrift aufbewahrt werden, worin nicht blos über Metrik der hebräischen Sprache insbesondere, als vielmehr über Metrik überhaupt gesprochen werden soll. Hier nur noch eine kurze Andeutung über die Richtung, welche die hebräische Poesie zu nehmen hat, wenn sie auf diesen Namen Anspruch machen will. — Ich war von Jugend auf ein enthusiastischer Verehrer der neuhebräischen Poesie; die Q'Ddnd und mNDn waren meine Lieblings-Lectüre. Ein namhafter Rabbiner in der Provinz Posen, dem naher zu stehen ich das Glück hatte, gab mir einst unverholen sein Mißfallen darüber zu erkennen. Aus meine geäußerte Verwunderung über seine Ansicht, erwiederte er mir: „Sagen Sie selbst, — ist die Poesie dieser Bücher eine hebräische zu nennen? welcher Geist beseelt sie denn? — Fließt sie aus der' heiligen Quelle der Hagadot und Midraschim? bewegt sie sich in den hohem und hehren Regionen der Tradition? — Ihr Inhalt ist ein ewiger Sermon über Toleranz, Humanität und was sonst in die Vernunftreligion gehört. Da lese ich lieber die Zehngebote, da finde ich alle diese Lehren in einer weit kräftigem, würdigem und erhabenem Sprache vorgetragen. ' Die Aufgabe der muhebräischen Poesie ist, die dunkeln Lehren der Religion durch gefällige Formen, liebliche Ausdrücke, erhabene Bilder rc. dem Herzen naher zu bringen, — nicht aber, die von selbst als unbestreitbare Wahrheit sich producirenden Begriffe durch 3) Eine umfassende Abhandlung über hebr. Metrik nebst einer gründlichen Anleitung zur eigenen Production beabsichtigen wir in einer besondern Schrift bald zu veröffentlichen. 4) Entweder man betrachte diesen Vers als Parenthese des Propheten, oder man vergleiche Exod. 24, 1 und Ibn Esr a's Commentar ibid. —