Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 47 (20.11.1841)
- Article
- Versuch einer wissenschaftlichen begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Spalte 725-726 (sequence 2)
- Language
- German
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725 Versuch einer wissenschaftlichen Metrik der neuhebr. Poesie v. Isidor Kaempf. 726 theilt werden können. Doch sollen die sie begleitenden Erklärungen alle etwaigen Lücken ausfüllen. — * tOB'Tl *1D1D Das Gedicht beginnt mit dem Sündenfall der ersten Menschen im Paradiese, wodurch der Tod in die Welt gekommen. Es werden dann die großen Männer des grauen Alterthums aufgezählt, die trotz ihres von Gott selbst anerkannten tugendhaften Lebenswandels dem Loose aller Menschen nicht entgehen konnten. Die Reihe kommt auch an Moses, von dem es unter Andecm heißt: c*n wh jn bsn ninpto ' WD& ibip hx nsns nr\b n^s nsn * ü'ü UW) snWp jn ßipnvtn rrn pin f yyri vitiüb Nachdem noch einiger Großthaten Mosi's Erwähnung geschehen, heißt es: rnan ^sn!nn Uhb)s ihiü ul rmV* nys' Uziw wy Y'IXT) “ b 7] TIS ' dj;dj inn dj ,non insnp •insp ns ~ ny;— risy pirro iDn.j wiJD *6 - ny Endlich wird der Tod für ein bloßes Schattenbild erklärt, das nur die Gottlosen schrecken kann, für die Frommen aber nichts Erschreckliches hat. Indem nun noch auf die väterliche Religion, als das sicherste Schutzmittel gegen Todesgrauen hingewiesen wird, schließt das Gedicht mit folgenden Worten: hypjf pnsq ns Innb yh} ns ßtyni jiatf ny IrMi ns nps- In.D m5jj ns an: — \mn b)xw - p)K ns §. ii. V. Der Dactylus. Endlich stehen wir am Ziele unserer Bestrebungen, am heroischen Versmaße, dem Haupte aller Rhythmen. Unsere Aufgabe wäre nur halb gelöst, gelänge es uns nicht, der hebräischen Poesie auch diesen Hauptschmuck zu gewinnen. Das Schwierige dieser Aufgabe jedoch in seinem ganzen Umfange erkennend, zweifelten wir anfangs selbst an dem Gelingen unseres etwas' zu kühnen Unternehmens, um so mehr, da sich uns immer stärker die Ueberzeugung aufdrängte,' daß, wenn die hebräische Metrik auf wissenschaftlichem Grunde beruhen solle, das masoretische Accentuations-System nothwendig die Basis der Prosodie bilden müsse. Wo aber nun ein diesem in der neuhebräischen Poesie so innig berücksichtigten System vollkommen entsprechendes Ideal auffinden, das zum Kriterium unserer Leistungen dienen könnte? — So umfangreich die neuhebräische Poesie auch immer ist — sie bot uns in dieser Beziehung nichts Befriedigendes dar. In dieser Beziehung fanden wir es für das Gerathenste, uns an den Urquell der neuhebräischen Poesie, Mndie Heiligeschrift selbst zu wenden, die uns noch in jeder poetischen Beziehung die besten Muster geliefert, — und stehe! Gottes Beistand verließ uns auch diesmal nicht: wir fanden in der hebräischen Bibel zwei Hexameter, die an Richtigkeit, Schönheit und Harmonie den Homerschen nichts nachgeben. Nun hatten wir ein unfehlbares Kriterium, und freudig griffen wir in die Saiten, daß sie rauschten. Einen im heroischen Hexameter abgefaßten Schöpsungshymnus hielten wir am geeignetsten, die Schöpfung der neuhebräischen Metrik würdig einzuweihen. — Doch bevor wir zum Resultat selbst schreiten, wollen wir erst die Fundamental- Gesetze des heroischen Versmaßes kurz erörtern, um später die Leistungen richtiger würdigen zu können. VI. Der heroische Hexameter. Die Basis des Hexameters ist der Dattplus, der jedoch in den vier ersten Füßen in einen Spondeus, im sechsten Fuße aber sogar in einen Trochäus abgekürzt werden kann. Im Deutschen, wo an Spondeen kein Ueberfluß herrscht, und die Thesis des -etwaigen Spondeus vermöge des überwiegenden Hochtons ohnehin fast zur Kürze herabsinkt, — lassen auch die vier ersten Füße Trochäen zu. Da nun die hebräische Sprache ihre Prosodie auf dem Wort ton basirt, so wird sie sich beim Bau des Hexameters zunächst an die deutsche halten müssen. —- Ein wesentliches Bedürfniß des heroischen Hexameters ist die Cäsur im dritten Fuße, entweder unmittelbar nach der Lange (männliche), wie in: 47*